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Seenland-Auto ohne Abgase

Christin Faulstich vom Institut für Maschinenbau in Senftenberg und Chefkonstrukteur Daniel Britz werten die Fahrtwind-Analyse eines ihrer Modelle aus.
Christin Faulstich vom Institut für Maschinenbau in Senftenberg und Chefkonstrukteur Daniel Britz werten die Fahrtwind-Analyse eines ihrer Modelle aus. FOTO: jag
Senftenberg. Mit einem Brennstoffzellen-Mobil sollen Touristen künftig um die Lausitzer Seen düsen können. Davon träumt ein Team an der Senftenberger Universität. Die Forschung ist weit fortgeschritten. Was fehlt, ist ein großer Batzen Geld. Jan Augustin

Die Überschrift, die auf dem Ordner prangt, verrät den Projektumfang: "Mammut" steht dort in großen Lettern. Darunter ist ein vom Computer gezeichnetes Gefährt zu erkennen. Es ähnelt einem VW Käfer - nur moderner. Die Linien geschwungener, die Form verspielter. Christin Faulstich hält den Hefter in der Hand. Die 33-Jährige ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Maschinenbau und Management der BTU Cottbus-Senftenberg. Neben ihr sitzt Student Daniel Britz (27) vor einem Bildschirm. Mit der PC-Maus bewegt er die dreidimensionale Grafik eines Fahrwerks, auf das nur noch eine Karosserie gesetzt werden muss. Und fertig ist das Seenland-Mobil?

Was am Computer relativ schnell zu handhaben ist, entpuppt sich in der Realität jedoch als eine echte Herausforderung. Das Ziel des aus etwa 15 Studenten, diversen wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren bestehenden Teams steht aber: "Es soll nächstes Jahr fertig sein. So ist der Traum", sagt Christin Faulstich. "Es" hat zwar noch keinen Namen. Gemeint ist aber ein über eine Brennstoffzelle mit Wasserstoff betriebenes Gefährt, das mit ein oder zwei Passagieren im Lausitzer Seenland umherdüsen soll, erklärt Chefkonstrukteur Daniel Britz.

An vier Varianten tüfteln die jungen Forscher derzeit. Alle haben aber eine Gemeinsamkeit: das Fahrwerk. Ähnlich wie beim Modellauto nach Baukastenprinzip kann die Karosserie dort je nach Vorliebe und Bedarf draufgesetzt werden. Zielgruppe des Autos sollen vor allem Urlauber sein. Die Idee, dass Touristen regengeschützt die seenahen Radwege nutzen können, stammt von Professor Peter Biegel, erklärt Christin Faulstich. Sie nennt ihn deshalb auch den Urvater des Mammut-Projektes. Riesig ist auch der finanzielle Bedarf dafür. Die Kosten für Planung, Personal und Fertigung summieren sich allein für das Pilot-Mobil auf etwa 320 000 Euro. "Das Gehirnschmalz der Studenten ist kostenfrei. Um dann aber in die Fertigung zu gehen, müssen wir Geld in die Hand nehmen", benennt Christin Faulstich das Dilemma.

Dabei stand der Traum von einem Seenland-Auto schon einmal kurz davor, in Erfüllung zu gehen. Ein namhafter Lastkraftwagen-Hersteller hatte ernstes Interesse gezeigt, erklärt Christin Faulstich. Als es dann aber um einen Fördermittelantrag ging, habe das Unternehmen wegen des zu hohen Eigenanteils einen Rückzieher gemacht. Nun wollen die Nachwuchswissenschaftler bei der Sponsorensuche stärker aufs Gaspedal treten. Möglich sei etwa ein Crowdfunding, also eine Schwarmfinanzierung. Kapitalgeber ist dabei eine Vielzahl von Personen - in aller Regel Internetnutzer. Christin Faulstich: "Wir können das nur umsetzen, wenn wir noch irgendwo Geld herbekommen. Ansonsten bleibt alles ein Stück Papier."

Von der Elektro-Mobilität angetan zeigt sich auch Marcus Heberle. Der Leiter für Projektentwicklung im Tourismusverband Lausitzer Seenland spricht von einem großen Zukunftsthema. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass das Auto, passend zum Thema, zwischen den verschiedenen Stationen der Lausitzer Energieroute pendeln kann. Für die Seewege, die gleichzeitig von Spaziergängern, Radfahrern und Inline-Skatern genutzt werden, sieht er ein zusätzliches Gefährt allerdings kritisch. "Je mehr Verkehr wir auf diese Wege bringen, desto schwieriger wird es", sagt der Tourismus-Experte. Auch jetzt würden schon Unfälle passieren.