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Seenkette als Speicher ist Gesetz seit mehr als 20 Jahren

Gefürchtet: Hochwasser an der Schwarzen Elster.
Gefürchtet: Hochwasser an der Schwarzen Elster. FOTO: pr
Senftenberg. Landesregierung Brandenburg hat erklärtes Ziel in den Wasserbehörden nicht weiter umsetzen lassen / Sanierte Restseen sind nutzbar Kathleen Weser

Der Hochwasserschutz an der Schwarzen Elster erhitzt die Gemüter. Wertverluste von Wohnhäusern und Gewerbegrundstücken durch ausgewiesene Überflutungsflächen werden beklagt. Und der Zustand von Deichen stimmt sorgenvoll. Das Wasser in den neuen Lausitzer Seen der Bergbaufolgelandschaft aufzunehmen, wenn der Heimatfluss rasant aus seinem Bett tritt, wird im Raum Senftenberg seit Langem mit Nachdruck gefordert. Reinhard Heepe, Experte für Wasserwirtschaft im Unruhestand, steht mit an der Spitze. Die Aussagen von Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) zu einer Kleinen Anfrage des Grüne-Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke (LR-Beitrag vom 15. Februar unter dem Titel "Drei weitere Studien zur Seenkette nötig") bezeichnet er als inakzeptabel.

Die Aussage, dass der Sanierungsplan für stillgelegte Tagebaue keine Hinweise darauf enthalte, dass die Tagebaurestlöcher als Seen mit Speicherfunktion zu entwickeln, komme zwar immer wieder. Fakt jedoch ist: Am 18. Dezember 1994 hat das Land Brandenburg im Sanierungsplan für die Restlochkette bestätigt, dass "die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse im Sanierungsgebiet so zu entwickeln (sind), dass die Voraussetzungen zur speicherwirtschaftlichen Nutzung der Restlochkette geschaffen werden". Diese Arbeitsgrundlage ist durch die Landesregierung bestätigt worden "und damit Gesetz", betont Reinhard Heepe. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) habe sich dieser Verpflichtung gestellt und ihre Hausaufgaben gemacht: "Die nutzungsfähigen Restlöcher sind sowohl in Brandenburg als auch im sächsischen Elsterbereich im Grunde als Speicher hergerichtet", erklärt der Wasserwirtschaftler.

Nun seien die Wasserbehörden "nach nunmehr 20 Jahren offenbar wohl durch die Hochwässer von 2010 erfreulicherweise aufgewacht" und arbeiten daran, das umzusetzen. "Wir sind nicht mehr Willens, uns täuschen zu lassen, und erwarten, dass die nunmehr in Gang gekommene Bearbeitung der Thematik mit deutlich strafferer Zielstellung und für die Bevölkerung terminlich kontrollierbar erfolgt", erklärt Reinhard Heepe weiter. Die Möglichkeit des Durchleitens eines Hochwassers durch die einzelnen Seen über die vorhandenen schiffbaren Wasserwege bewerte er hier nicht. Zu der vom Minister noch als offen genannten Frage der Zu- und Ableitung aus der und in die Schwarze Elster merkt Heepe aber an: Durch die derzeit von der Bergbausaniererin LMBV erweiterte Ableitungskapazität der Rainitza und über das Kleinkoschener Wehr durch den Senftenberger See ist sehr wohl eine ausreichende und für die Ortslage Senftenberg gefahrlose Wasserableitung gegeben. "Der Bau einer Wasserzuführung von der Elster ist eine insofern schnell realisierbare Sache, weil es dazu keine privatrechtlichen Grundstücksfragen zu lösen gibt", stellt er fest. Auch ein nicht ausgesprochener Fachmann könne erkennen, dass das Einleiten von Elsterhochwässern in die Seen weniger kostenintensiv ist, als die Sanierung der Deiche und das Schaffen von Überflutungsflächen. Denn dies würde sich mit Sicherheit auch über Jahrzehnte hinziehen. Zudem werde mit der Nutzung der Seen auch das dringend erforderliche Wasser für den Mindestabfluss in der Elster bei Niedrigwasser gespeichert.

"Wenn auch Senftenberg nicht in den Hochwasserkarten als Überflutungsgebiet ausgewiesen ist, sollte man aber wissen, dass beim Bruch des derzeit maroden Deiches entlang Senftenbergs große Teile der Stadt überflutet werden", erklärt er. Dass es solche Gefahrensituationen in den vergangenen Jahrzehnten bereits gab, sei auch noch gut bekannt. "So ist es geboten, auch in Senftenberg dem Hochwasserschutz eine deutlich höhere Aufmerksamkeit mit entsprechenden Aktivitäten zu schenken", mahnt Heepe. Die Menschen entlang der Elster von der Gemeinde Elsterheide bis zur Mündung - vor allem die, die Hab und Gut haben - wollen und können nicht warten, bis ein Hochwasser mit seiner zerstörerischen Gewalt Existenzen zerstört hat. "Sie wollen das, was uns der Bergbau mit seinen Restlöchern hinterlassen hat, zum Wohle und Vorteil für die ganze Region verwirklicht sehen und zwar in absehbarer Zeit", so Heepe weiter. Auch die zuständigen Bürgermeister sollten sich mit aller Kraft für ihre Bürger einsetzen.

Zum Thema:
Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte dieser Tage auf eine Anfrage im Landtag erklärt: In den Sanierungsplänen für die ausgekohlten Tagebaue sei nicht auf die mögliche Nutzung der Restseen als Speicher im Hochwasserfall hingewiesen worden. Erst eine von der Landesregierung im Jahr 2011 beauftragte "Potenzialstudie zur dauerhaften Nutzung von Tagebaurestseen in den Einzugsgebieten von Spree und Schwarzer Elster für eine bessere Hochwasserschutzvorsorge und -bewältigung" habe bestätigt, dass mit den Seen der erweiterten Restlochkette im Senftenberger Revier auch Potenziale für einen Hochwasserrückhalt gegeben seien. Deshalb sei im Jahr 2013 durch das Landesamt für Umwelt (LfU) eine Machbarkeitsstudie für das Gebiet der Schwarzen Elster für den Hochwasserrückhalt beauftragt worden. Drei vertiefenden Untersuchungen, die Auswirkungen auf die hydrologischen Verhältnisse, die Niedrigwasserbewirtschaftung und die Gewässergüte prüften, seien noch nötig.