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| 15:21 Uhr

100 Jahre Sport in Peickwitz
Mit viel Sportsgeist und vier Pferden

 Das Festzelt steht, die Bahndamm-Arena ist geputzt und Georg Noack schwingt die Kellen – Peickwitz ist bereit für das große Jubiläumsfest.
Das Festzelt steht, die Bahndamm-Arena ist geputzt und Georg Noack schwingt die Kellen – Peickwitz ist bereit für das große Jubiläumsfest. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Peickwitz. Im sportverrückten Peickwitz wird am Wochenende Jubiläum mit großem Sport-Umzug gefeiert. Dabei fällt der Startschuss für  das nächste ausgefallene Dorf-Projekt: Eine Bahnstrecke mit Original-Lok und zwei Wagen kommt in die Bahndamm-Arena. Die ersten vier Meter Schiene rollen beim Festumzug mit. Von Andrea Budich

Der Plan klingt ziemlich verrückt. Passt aber zu den Peickwitzern: Die Bahndamm-Arena soll – passend zum Namen – eine eigene kleine Bahnstrecke erhalten. Mit Lok und zwei Wagen. Angestrichen in den Vereinsfarben von SV Germania rot-blau-weiß. Das ist der ambitionierte Plan für die nächsten zwei Jahre. Der Startschuss für das abenteuerliche Vorhaben fällt am Samstag beim großen Sportumzug. Dann tuckert ein Trekker beim Festumzug mit, der die ersten vier Meter Bahnschiene geladen hat. „Sozusagen zum Appetit machen“, erklärt Ingo Amsel. Der Plan indes steht: Jeder, der 100 Euro berappt, bekommt einen eigenen Meter Bahnstrecke.

Die Bahndamm-Arena ist so etwas wie das Markenzeichen der großen Peickwitzer Sportler-Familie. Wenn am Wochenende 100 Jahre Sport in Peickwitz gefeiert wird, dann steht in der Bahndamm-Arena jeder Grashalm stramm. Dafür haben der Regen in der Nacht zum Mittwoch und Platzwart Gerd Drogla gesorgt. „Der 74-Jährige schläft auf dem Rasen“, heißt es mit einem Augenzwinkern im Dorf. „Der Rasen ist sein Heiligtum“, bestätigt auch der stellvertretende Vereinschef Ingo Amsel. Dem Gerd und seinem Rasentraktor ist es jedenfalls zu verdanken, dass der Peickwitzer Fußballrasen zu den besten in der Kreisliga gehört. Bis zu 200 Zuschauer stehen im Schnitt in Peickwitz bei Heimspielen an der Bande. Das ist Spitze in der Kreisliga.

Wenn Fußball gespielt wird, dann brennt in Peickwitz die Hütte. Das wird am 2. Juni wieder so sein, wenn die Männer von Germania Peickwitz gegen Beuchow um den Aufstieg in die Kreisoberliga spielen. An die 500 Zuschauer hat Ingo Amsel für diese Partie auf dem Schirm.

Budenzauber garantiert ist auch am Sonntag beim Jubiläums-Spiel gegen die Traditionsmannschaft vom 1. FC Magdeburg. Rasen-Chef Gerd Drogla wird dann als ältester Peickwitzer Fußball-Haudegen für die Heimelf mit auflaufen.

Es ist aber trotzdem nicht nur der Fußball, der Peickwitz zu einem ausgesprochenen Sport-Dorf macht. Im 380-Seelen-Ort ist jeder dritte Einwohner sportlich aktiv. Einer davon ist Georg Noack, seines Zeichens zweifacher Dorfmeister im Tischtennis. Mit seinen 76 Jahren ist er das älteste Mitglied im SV Germania Peickwitz. Am 1. März 1953 eingetreten, trainiert er bis heute dienstags und freitags im Vereinsheim und schwingt beherzt die Kelle.

Sportlich gesehen gibt es fast nichts, was es in Peickwitz nicht gibt oder schon mal gab. Die volle Bandbreite der Sportdisziplinen sorgt am Samstag beim großen Sport-Umzug für bunte Bilder. Mit dabei sind die Damen vom Frauensport und vom Frauenfußball, die Kraftsportler, die Eishockeyfreaks, die Tischtennisspieler, die Spielgemeinschaften, die Faustballer, die Reiterinnen mit vier Pferden und natürlich auch Radfahrer und Turner, mit denen vor 100 Jahren alles begann. Der Arbeitersportverein Freie Turnerschaft war 1919 die Urzelle für die Peickwitzer Sport-Leidenschaft. Die Bühnensport-Abende in der Peickwitzer „Linde“ sind bis heute legendär. Wie Herbert Lodig als Vorturner auf dem Saal den „Riesen“ turnte, das vergisst man nicht im Dorf. Die Spuren an der Saaldecke von seinen Zehen-Markierungen zeugten noch viele Jahre von den turnerischen Höchstleistungen der Peickwitzer Turner.

Klar, dass die Turner den Festumzug am Sonnabend anführen. Die dafür nötigen Requisiten aufzutreiben, war für Ingo Amsel eine Herausforderung. Nostalgische Turngeräte wie Barren, Pferd und Bock sind inzwischen aus so gut wie allen Turnhallen verschwunden. Retter in der Not war da die Grundschule Laubusch, die ältere Modelle den Festzug-Machern ausgeliehen hat. Die Idee mit dem Sportumzug liegt übrigens auch in der Peickwitzer Historie begründet. Denn in den 1950er- und 60er-Jahren war der Auszug zum Sportplatz in der Mittagsstunde mit Kapelle gute Tradition. „Abends sind die Sportfest-Teilnehmer dann wieder geschlossen auf den Saal eingezogen“, erinnert sich Georg Noack mit einem Blick in die druckfrische Chronik. Kleiner Unterschied anno 2019: Diesmal ziehen die Peickwitzer nicht zum Saal in der „Linde“, sondern zur Open Air-Sause mit den Jolly Jumpers auf den Maibaumplatz.

 Das Festzelt steht, die Bahndamm-Arena ist geputzt und Georg Noack schwingt die Kellen - Peickwitz ist bereit für das große Jubiläumsfest.
Das Festzelt steht, die Bahndamm-Arena ist geputzt und Georg Noack schwingt die Kellen - Peickwitz ist bereit für das große Jubiläumsfest. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE