Gestern wurde die neue Seebrücke am Rande des ehemaligen Tagebaus Meuro unterhalb der IBA-Terrassen in Großräschen im Beisein des Ministers für Raumordnung und Verkehr, Frank Szymanski, feierlich eingeweiht. Vorerst noch endet die Seebrücke im Nichts, doch bis zum Jahr 2018 soll der zukünftige Ilse-See geflutet sein. Bis dahin ist sie vor allem Symbol für den Aufbruch der Lausitz in eine neue Zukunft und Beispiel einer ingenieurtechnischen Meisterleistung, wie es der ehemalige Länderbereichsleiter der LMBV, Walter Karge, bezeichnete.
Erstmals in der Bergbaugeschichte hat ein Bergbaugroßgerät eine neue Funktion erhalten: Der Auswurfausleger des letzten Abraumabsetzers im Tagebau Meuro wurde zu einer Brücke umgebaut. Gestern noch verkippte der Ausleger den Abraum, morgen werden Menschen in Fährschiffe einsteigen und ins Lausitzer Seenland schippern. Das unterscheidet die neue Seebrücke vom „blauen Wunder“ , dem Schaufelradbagger am Lausitzring, der als Landmarke die Zeit überdauert. Oder der Förderbrücke 60, die heute als Besucherbergwerk längst zur Touristen-Attraktion geworden ist.
Einer der entscheidenden „Brückenbauer“ war der Großräschener Bürgermeister Thomas Zenker. Als die Idee einer Fußgängerbrücke, die Großräschen mit Senftenberg verbinden sollte, nicht realisierbar war, wollte Thomas Zenker mit dem Abwurfausleger wenigstens eine symbolische Verbindung nach Senftenberg schaffen. Bevor der Tagebau Meuro die Landschaft zerklüftete, lag Großräschen nur eine viertelstündige Fahrradfahrt von Senftenberg entfernt. Als verlängerter Arm der ehemaligen Chaussee, die direkt in die Kreisstadt führte, reckt sich jetzt die neue Seebrücke in Richtung Senftenberg. Thomas Zenker dankte den Stadtverordneten, die den Mut hatten, „diese Brücke ins Trockene zu bauen“ .
Die Seebrücke liegt zwar unterhalb der IBA-Terrassen, ist jedoch kein Projekt der Internationalen Bauausstellung. Um so bemerkenswerter findet es Geschäftsführer Prof. Rolf Kuhn, dass die IBA-Idee von der Stadt Großräschen fortgeschrieben wird. Vor fünf Jahren hätten noch alle geschrieen, dass der Absetzer nicht nutzbar sei. Mit dem Erfolg der F 60 in Lichterfeld jedoch hätte sich die Meinung gewandelt. Mit der Seebrücke gebe es jetzt drei wunderbare Zeugnisse der Vergangenheit, die für die Zukunft einer Region stünden, die sich zu ihrer Geschichte bekennt, so Kuhn. Der Abwurfausleger habe nicht nur eine neue Nutzung erfahren, sondern sei auch ein Bekenntnis zum Werden einer Seenlandschaft, die im Gegensatz zur Mecklenburgischen Seenplatte aus einer Industrielandschaft entstehe.
Während sich die Gäste auf der Brücke bei Kaffee und Kuchen labten, dröhnten die Motoren der mobilen Erdbautechnik weiter. Rund vier Millionen Kubikmeter Erde bewegt die LMBV, um die Böschungssysteme des zukünftigen Ilse-Sees zu sichern. Im März 2006 sollen die Arbeiten beendet sein. Ende des Jahres wird die Wasserhaltungsanlage abgeschaltet, dann drückt das Grundwasser langsam hoch. Ab nächstem Jahr wird zusätzlich Fremdwasser aus dem Sedlitzer See gepumpt. Über die Grubenwasserreinigungsanlage Rainitza, wo Kalk zugeführt wird, fließt das Wasser dann über eine Freispiegelleitung in den Ilse-See.

Zahlen und Fakten Die Kosten
  Die Kosten für den Bau der 63 Meter langen Seebrücke belaufen sich auf 480 000 Euro. Davon kamen 352 000 Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung, das Land steuerte 94 000 Euro bei, die Stadt Großräschen 31 000 Euro.
Die Bauzeit betrug zehn Monate.