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| 14:24 Uhr

Senftenbergs Bürgermeister verrät
Sedlitzer See soll Seehotel bekommen - interessierte Bauherren gibt es schon

 Während des Tages der offenen Baustelle wurde auch ein Langarmbagger beim Böschungsbau präsentiert.
Während des Tages der offenen Baustelle wurde auch ein Langarmbagger beim Böschungsbau präsentiert. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Senftenberg. Hunderte Gäste lassen sich den Tag der offenen Baustelle am Sedlitzer See nicht entgehen. Der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich kündigt ein neues Projekt an. Von Torsten Richter-Zippack

Es ist die Nachricht des Tages: Am Sedlitzer See könnte ein neues Hotel entstehen. Das hat der Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) während des Tages der offenen Baustelle verraten. „Bislang fehlt hier eine entsprechende Herberge. Das Areal am Wasser wäre ideal“, argumentiert das Stadtoberhaupt. Als möglicher Standort schwebt ihm die Schnittstelle zwischen dem bereits im Bau befindlichen Hafen und der künftigen Wohnbebauung vor. Das Vorhaben solle öffentlich ausgeschrieben werden. Laut Fredrich gibt es bereits Interessenten für das Projekt See-Hotel. Es wäre das erste seiner Art am mit 1400 Hektar Wasserfläche größten Gewässer Brandenburgs.

Darüber hinaus sollen in den kommenden Jahren südwestlich des Sedlitzer Ortskerns rund 100 Grundstücke für die Wohnbebauung in frei wählbarer Größe direkt am Wasser an den Mann gebracht werden. Inzwischen gebe es bereits eine Liste von potenziellen Bauwilligen. Nach Angaben von Ortsvorsteher Steffen Philipp haben sich diesbezüglich selbst Leute aus dem Raum Stuttgart bei ihm gemeldet. Am liebsten seien dem Kommunalpolitiker ehemalige Sedlitzer, die in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren wollen.

 Bürgermeister Andreas Fredrich musste viele Fragen zum künftigen Sedlitzer Wohnstandort am Wasser beantworten.
Bürgermeister Andreas Fredrich musste viele Fragen zum künftigen Sedlitzer Wohnstandort am Wasser beantworten. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Ihr Haus in Sedlitz errichtet hat bereits Familie Jurk/Weise. „Wir haben vor anderthalb Jahren in der Mühlenstraße gebaut“, sagt Henry Jurk. Das Areal befindet sich rund einen halben Kilometer vom Sedlitzer See entfernt. „Wir haben ursprünglich auch über ein Wassergrundstück nachgedacht. Die Entscheidung fiel dann aber für den jetzigen Standort“, erzählt Theresa Weise. Die junge Familie sei stolz, dass es in ihrem Heimatort so vorangeht.

Neben den Wohngrundstücken kann sich Bürgermeister Fredrich direkt am kommenden Hafen auch mehrere Ferienhäuser vorstellen. Dabei, so schränkt das Stadtoberhaupt ein, handele es sich bislang lediglich um eine Überlegung. Indes nimmt der Hafen bereits Konturen an. Inzwischen sind die 17 Dalben mit einer jeweiligen Länge zwischen zwölf und 14 Metern in das Hafenbecken eingerüttelt worden. Jeweils sieben Meter dieser Metallkonstruktionen befinden sich im Boden, erklärt Michael Sachs, Geschäftsführer der Spezial- und Bergbau-Servicegesellschaft Lauchhammer mbH (SGL) als bauausführender Firma. Dalben bilden die Verbindung zwischen dem Boden und der künftigen schwimmenden Architektur, beispielsweise Steganlagen.

 Die Sedlitzer Familie Henry Jurk und Theresa Weise mit Sohn Richard (1,5) verfolgt die Entwicklung am Sedlitzer See mit Freude und Stolz.
Die Sedlitzer Familie Henry Jurk und Theresa Weise mit Sohn Richard (1,5) verfolgt die Entwicklung am Sedlitzer See mit Freude und Stolz. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Während des Tages der offenen Tür sind auch die Bergbausanierer von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) gefragte Gesprächspartner. Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist die nach dem Abschluss der Flutung des Sedlitzer Sees. Derzeit befindet sich der Wasserstand nach Angaben von LMBV-Manager Michael Matthes bei 93,9 Meter. „Wir streben in diesem Jahr die 95 Meter an“, sagt er. Aktuell fehlen noch gut sechs Meter bis zum Erreichen des unteren Endwasserstandes. Wann genau dieser erreicht sein wird? Dazu hält sich Matthes bedeckt. Nur so viel: „Nach dem Jahr 2021 wird die Flutung beendet sein.“ Dabei spielen viele Aspekte eine Rolle, unter anderem das zur Flutung verfügbare Wasser. Die Experten seien froh, dass inzwischen das während der 2018er-Dürre entstandene Defizit durch die Winterniederschläge wieder aufgefüllt wurde.

Ganz besondere Erinnerungen an den Sedlitzer See hat indes Herbert Ertelt. „Meine Diplomarbeit aus dem Jahr 1960 befasst sich bereits mit der nachbergbaulichen Gestaltung des Sedlitzer Restloches“, berichtet der 79-Jährige. Vorgesehen war neben einem Bootshafen und einer Bienenwiese ein Strand von Sedlitz aus in Richtung Bahnsdorf. „Von den Projekten meiner Diplomarbeit wurde wenig umgesetzt“, resümiert Ertelt fast 60 Jahre später. Als Grund nennt der gebürtige Bitterfelder die neuen Erkenntnisse zu Bergbaufolgelandschaften. „In Bezug auf den Grundwasserwiederanstieg würde nach meinen damaligen Überlegungen das Senftenberger Gewerbegebiet Laugkfeld heute im Wasser stehen.“

 Am Sonnabend ist die letzte von insgesamt 17 Dalben ins künftige Sedlitzer Hafenbecken installiert worden.
Am Sonnabend ist die letzte von insgesamt 17 Dalben ins künftige Sedlitzer Hafenbecken installiert worden. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Indes soll, so kündigt Martin Wolf vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg an, im kommenden Jahr die sechs Meter breite Erschließungsstraße mit Fußweg zum künftigen Sedlitzer Wohngebiet am See gebaut werden. Darüber hinaus entstünden unter anderem ein Multifunktionsgebäude am Hafen, Parkplätze, Stege sowie ein barrierefreier Strand. Indes beginnen die Erschließungsarbeiten am nicht weit entfernten Gewerbegebiet Sedlitzer Nordufer bereits in rund acht Wochen, sagt Bürgermeister Andreas Fredrich.