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| 15:37 Uhr

Emotionale Diskussion im Bürgerhaus
Sedlitzer lehnen neue Straßennamen ab

Die Sedlitzer haben Redebedarf: Auch nach Ende des öffentlichen Forums suchen sie das Gespräch mit Hauptamtsleiterin Beata Jenchen (r.) und Bürgermeister Andreas Fredrich (2.v.r.). Ortsvorsteher Steffen Philipp (hinten r.) und Dan Hoffmann von der IHK standen zuvor auch Rede und Antwort.
Die Sedlitzer haben Redebedarf: Auch nach Ende des öffentlichen Forums suchen sie das Gespräch mit Hauptamtsleiterin Beata Jenchen (r.) und Bürgermeister Andreas Fredrich (2.v.r.). Ortsvorsteher Steffen Philipp (hinten r.) und Dan Hoffmann von der IHK standen zuvor auch Rede und Antwort. FOTO: LR / Uwe Hegewald
Sedlitz. Anwohner nutzen das Forum „LR vor Ort“, um sich gegen die von der Senftenberger Ratsrunde beschlossene Umbenennung von Straßennamen auszusprechen. Von Uwe Hegewald

Ein Hauch Kreisgebietsreform, mit dem allseits bekannten Ergebnis, schwebt über die derzeitige, öffentliche Diskussion zur Umbenennung von Straßennamen der Stadt Senftenberg und ihrer Ortsteile. „Ihr wollt uns etwas überstülpen“, „Ihnen geht es nur darum, einen Verwaltungsakt durchzudrücken“, „Sie wollen uns was weiß machen, was nicht weiß ist“. Es sind heftige Anschuldigungen, die Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) am Donnerstagabend über sich ergehen lassen muss. Nachvollziehen kann das Stadtoberhaupt die geladene Stimmung während der öffentlichen Diskussionsrunde im Bürgerhaus Sedlitz nicht. Selbst LR-Kreisreporter und Veranstaltungsmoderator Jan Augustin muss Besucher zur „Einhaltung der Spielregeln“ bei Gesprächsrunden ermahnen. „Wir befinden uns im offenen Diskussionsprozess. Bei den im Senftenberger Amtsblatt aufgeführten Änderungen handelt es sich um Vorschläge, die von einer eigens gebildeten Arbeitsgruppe erarbeitet worden sind“, so Fredrich. Wie er beteuert, sei noch nichts entschieden und die Anwohner betroffener Straßen dazu aufgerufen, Anregungen oder Bedenken zu den Benennungsvorschlägen vorzubringen. Ein Vorschlag zielt darauf hinaus, Namen der Ortsteile in die Straßenbezeichnung aufzunehmen – wie etwa „Sedlitzer Hauptstraße“. Was Sedlitzer bitter aufstößt: Ein Hinzufügen des Ortsteilnamens im Adressfeld wäre dann nicht mehr notwendig.

Dass Einwohner einen damit einhergehenden Identitätsverlust fürchten, kann Ortsvorsteher Steffen Philipp nachvollziehen: „Die Sedlitzer sind aufgebracht und lehnen die Vorschläge ab. In der Regel hat es doch immer funktioniert.“ Vielmehr sieht er die Post oder Paketzusteller in der Pflicht, ihre Mitarbeiter ausreichend zu schulen. So sieht es auch Joachim Franz, dessen Familie von einer Umbenennung betroffen wäre. Die Senftenberger Straße, die es auch noch im Ortsteil Niemtsch gibt, würde nach dem aktuellen Vorschlag zur Anna-Mathilde-Straße umbenannt. „Wir hatten nie Probleme, haben auch immer darauf geachtet, dass in der Adresse der Ortsteil Sedlitz enthalten ist“, betont er.

Doch genau hier wird es knifflig. Wie Hauptamtsleiterin Beata Jenchen erläutert, würden einzelne Anbieter auf den Schriftfeldern ihrer Internetseiten gar keine zusätzlichen Zeilen führen, in denen Ortsteilnahmen eingetragen werden können. Und schon nehme das Unheil seinen Lauf. Die Stadt habe das Thema Straßenbenennung aufgegriffen, weil es zuletzt verstärkt zu Problemen gekommen sei, unterstreicht Andreas Fredrich. „Wir sitzen heute hier, weil es oftmals nicht funktioniert“, so der Bürgermeister.

Fred Frahnow (Fraktion Stimme freier Bürger) und der Senftenberger Leiter der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK), Dan Hoffmann, können das anhand mehrerer Beispiele bestätigen. Selbst Stadtwehrführer Frank Albin räumt ein, dass es bei Einsätzen aufgrund der Mehrfachnennung von Straßennamen schon zu Fehlinformationen gekommen sei. „In der Regel erkennt die Leitstelle Ungenauigkeiten binnen zwei bis drei Minuten. Wenn Menschenleben in Gefahr sind, könnten das aber schon zwei bis drei Minuten zu viel sein“, begründet er.