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Sedlitzer gegen neue Hauptstraße

Diese und viele weitere Anlieger wollen nicht, dass ihr Abschnitt der Hauptstraße in Sedlitz grundhaft erneuert wird. Foto: Steffen Rasche/str1
Diese und viele weitere Anlieger wollen nicht, dass ihr Abschnitt der Hauptstraße in Sedlitz grundhaft erneuert wird. Foto: Steffen Rasche/str1 FOTO: Steffen Rasche/str1
Sedlitz. Im Ortsteil Sedlitz will die Stadt Senftenberg im nächsten Jahr den letzten holprigen Abschnitt der Hauptstraße grundhaft erneuern. Die meisten Anlieger sind dagegen und wehren sich. Sie sprechen von Kosten in Höhe von 10 000 Euro aufwärts je Grundstück. Von Manfred Feller

Das letzte Teilstück der Sedlitzer Hauptstraße, eine Sackgasse, sieht aus wie eine typische alte Ortsdurchfahrt: großes Pflaster, unbefestigte Gehwege, aber keine Löcher und nach dem Regen kaum Pfützen. Keine Gefahr. Wer langsam drüberfährt, der erträgt auch das Poltern. Das sehen Doris und Karl-Heinz Jurk, ihre Nachbarin Martina Heinsch und die meisten anderen Anlieger nicht anders. 19 von ihnen protestieren auf einer eigenen Liste mit ihrer Unterschrift gegen den von Senftenberg geplanten Ausbau. Die Straße befinde sich in einem schlechten Zustand und besitze keine Entwässerung, begründet die Stadtverwaltung. Die Abgeordneten seien über die Meinung der Betroffenen, geäußert in einer Einwohnerversammlung, informiert worden. Dennoch soll voraussichtlich 2013 gebaut werden, wenn es dafür Fördergeld gibt.

Der sicher nicht beste Zustand der Straße ist nach Ansicht von Karl-Heinz Jurk hausgemacht: "Das Kopfsteinpflaster war bis Mitte der 90er-Jahre in Ordnung." Dann sei eine Abwasserdruckleitung in Richtung Großräschen verlegt und die Pflasterdecke nicht sauber geschlossen worden. Und für die einst vom Bergbau gekappte Entwässerung ließen sich kostengünstige Versickerungsmöglichkeiten auf vorhandenen Flächen schaffen. "So eine Kopfsteinpflasterstraße unterstützt den ländlichen Charakter. Stattdessen wird alles zubetoniert und asphaltiert", moniert Karl-Heinz Jurk. Er und seine Nachbarn wollen gegen den Straßenneubau kämpfen und Abgeordnete bitten, sich vor der Entscheidung selbst ein Bild zu machen.

Die Hauptstraße stößt fast auf die ehemalige Tagebaukante. Ein Stück weiter beginnt der Sedlitzer See. Soll die jetzige Sackgasse auch deshalb unbedingt ausgebaut werden, weil sie später eine Seezufahrt werden könnte?

Nichts dergleichen sei vorgesehen, dementiert Ortsvorsteher Wolfgang Kaiser (CDU). Er selbst wohnt an dem bereits erneuerten langen Abschnitt der Hauptstraße und ist überzeugt, dass es auch Befürworter gibt.

Um den Protestierenden entgegenzukommen, soll das Planungsbüro die bekannten Pläne so überarbeiten, dass eine einfache und möglichst kostengünstige Variante dabei herauskommt. "Ich sehe Ansatzpunkte für eine Lösung. Wir wollen das sachliche Gespräch", sagt er.

Doris und Karl-Heinz Jurk und die meisten ihrer Nachbarn wollen aber kein neues Angebot.

Zum Thema:
Für mehr Mitbestimmung und Transparenz bei Straßenprojekten hat sich die Stadt Senftenberg eine Richtlinie gegeben. Die Anlieger werden demnach schriftlich befragt. Wenn mehr als die Hälfte von ihnen den Bau nicht wünscht und sie mindestens 50 Prozent der auf sie entfallenden Anliegerkosten tragen würden, wird das Projekt gestoppt. Sprechen besondere Gründe dagegen, müssen sich die Abgeordneten im nächsten Haushaltsjahr erneut mit dem Thema beschäftigen.