ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:05 Uhr

Sedlitzer setzt auf Kolorado-Tannen
Tausche Bäume gegen Vertrauen

Karl-Heinz Jurk bietet kleine und größere Weihnachtsbäume, meist Kolorado-Tannen, an.
Karl-Heinz Jurk bietet kleine und größere Weihnachtsbäume, meist Kolorado-Tannen, an. FOTO: Richter-Zippack
Sedlitz. Sedlitzer Karl-Heinz Jurk setzt auf seine Kolorado-Tannen, die als einzige Weihnachtsbäume die Dürre überlebt haben. Von Torsten Richter-Zippack

Weihnachtsbäume zum Selberschlagen gibt es in der Lausitz eine Menge. Förster bieten diesen Service am Jahresende an, ebenso Baumschulen und Gärtnereien. Interessenten suchen sich ein benadeltes Gehölz aus, zahlen bar und reisen ab. Etwas anders geht es dagegen bei Karl-Heinz Jurk in Sedlitz zu. Auf seiner Weihnachtsbaumplantage am nordöstlichen Ortsrand kann man ganzjährig jüngere Bäume fällen. Einen Kassierer gibt es nicht, stattdessen die Kasse des Vertrauens. „Und ich kann meinen Kunden tatsächlich vertrauen“, resümiert Jurk. Denn die Anzahl der abgesägten Tannen und Fichten stimme in aller Regel mit den hinterlegten Geldbeträgen überein. „Ein Gewinn bleibt in der Regel nicht. Mir genügt es, wenn ich mit den Einnahmen die Kosten halbwegs decken kann“, sagt der 67-Jährige.

Seine Kunden kommen längst nicht nur aus Sedlitz und Senftenberg. Selbst Cottbuser fahren extra die 30 Kilometer, um sich bei Karl-Heinz-Jurk einen Baum zu schlagen. Denn diesen Service bietet der pensionierte Bergmann bereits seit fast 20 Jahren an. Diesmal ist die Stimmung allerdings etwas gedrückt. „Die extreme Dürre hat nicht eine Rotfichte überlebt. Auch die Korea-Tannen mussten dran glauben“, sagt Jurk und zeigt auf die nadellosen Baumgerippe. „Einfach vertrocknet“, lautet die Diagnose. Ein Bewässern der rund 8000 Quadratmeter großen Plantage wäre nicht bezahlbar gewesen. Zudem seien sämtliche im milden Winter 2018 gepflanzten Bäumchen während des Sommers eingegangen.

Immerhin haben die zwölf- bis 13 Jahre alten Kolorado-Tannen die monatelange Trockenheit dank ihrer tief in die Erde reichenden Wurzeln ganz gut überstanden. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Art zeichnet sich durch ihre bläulich wirkenden weichen Nadeln aus, ebenso durch den Duft nach Orangen, ähnlich wie bei Douglasien. „Früher waren die Leute gegenüber den Kolorado-Tannen eher skeptisch eingestellt. Manche Bäume sehen wirklich recht skurril aus. Aber das ist heute anders“, weiß Karl-Heinz Jurk. Insbesondere die lange Haltbarkeit der Gehölze spreche für sie. Selbst im Februar sähen die Tannen in den Wohnstuben noch moderat aus. Von anderen Tannenarten hat der Sedlitzer indes Abstand genommen. Stichwort Nordmanntannen: „Die würden hier nie wachsen. Dafür fallen einfach zu wenige Niederschläge.“

Ursprünglich wurde auf der jetzigen Weihnachtsbaum-Plantage Tierfutter angebaut. „Meine Eltern besaßen eine kleine Landwirtschaft“, erinnert sich Karl-Heinz Jurk. „Wir hatten insgesamt zehn Hektar Land, heute sind es noch knapp drei Hektar.“ Die Fläche am nordöstlichen Sedlitzer Ortsrand diente dabei insbesondere der Versorgung der Kaninchen. Dann kam die politische Wende, und von heute auf morgen lohnte sich der Anbau nicht mehr. „Um das Jahr 1993 bin ich auf die Idee gekommen, Bäume anzusäen, die zwei Jahre später auf die Fläche gepflanzt wurden“, erzählt Karl-Heinz Jurk. Damals fielen für Niederlausitzer Verhältnisse relativ viele Niederschläge, und so wuchsen die Rotfichten gut an. Kurz nach der Jahrtausendwende waren die ersten Bäume schlagreif. Damals existierte noch nicht der Lärmschutzwall an der B 169. So konnten die Kunden direkt von der Bundesstraße zur Plantage abfahren. „In einem Jahr wurde über uns sogar im Fernsehen berichtet. Daraufhin stauten sich die Autos in Richtung Allmosen“, erinnert sich Jurk.

Der meiste Andrang herrsche erfahrungsgemäß von Ende November bis kurz vor Heiligabend. „Einmal hatte ich am 24. Dezember, mittags, die Kasse des Vertrauens geleert. Nach den Feiertagen befand sich erneut Geld darin. Da muss sich also noch jemand auf den allerletzten Drücker einen Baum besorgt haben“, berichtet Karl-Heinz-Jurk. „Mal sehen, ob es diesmal wieder so ist.“