ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:02 Uhr

Schweres Geschäft in der Mangelwirtschaft

Christoph Schmidtchens historischer Blick auf den alten Brikettstandort „Sonne“ ist alles andere als verklärt. Im Jahr 1970 übernahm Schmidtchen nach dem Stu dium als Abschnittsleiter den Reparaturbetrieb im „Sonne“ -Kraftwerk.

„Die zwanzig Jahre bis zur Wende waren die schwierigste Zeit in meinem Arbeitsleben“ , sagt der 60-jährige Bergmann, der heute als Abteilungschef für Strategiefragen in der Berliner LMBV-Zentrale arbeitet.
Nach dem zweiten Weltkrieg begann am Freienhufener Standort eine neue Ära. Die alten Kohlefabriken „Renate“ und „Eva“ sowie das Kraftwerk wurden als Reparationsleistungen für die Sowjetunion demontiert. Mit dem Wiederaufbau der Brikettfabriken in den fünfziger Jahren entstand auch das neue Kraftwerk. „Als ich in Freienhufen anfing, war die installierte Technik bereits zehn Jahre alt“ , sieht Cristoph Schmidtchen noch heute das Kraftwerk als „Nadelöhr“ für den ganzen Industriekomplex.
Acht Hochdruckkessel mit einer Stundenleistung von je 80 Tonnen lieferten den benötigten Heißdampf zur Trocknung der Rohkohle. „Zum Standort gehören außerdem vier Turbinen mit 66 Megawatt Gesamtleistung sowie das Mitteldruck-Kesselhaus“ , erinnert sich Schmidtchen.
Er redet offen von „Mangelwirtschaft“ . Das Reparaturgeschäft im „Sonne“ -Kraftwerk sei von Jahr zu Jahr schwieriger geworden, auch weil hochwertige Stähle in der DDR kaum verfügbar waren. „Wir aus der Instandhaltung waren für die Standort-Verantwortlichen immer die Buhmänner“ , sagt Christopf Schmidtchen.
Als die politische Führung schließlich den Kurswechsel einläutete, war die Veredlungs-Ära am Standort „Sonne“ mit einstmals 1400 Beschäftigten schon fast Geschichte. Mitte der achtziger Jahre forderte eine schwere Havarie im Kesselhaus zwei Menschenleben. Seit 1988 wurden die alten Dampfkessel schrittweise erneuert und modernisiert. Investitionen flossen noch im dreistelligen Millionenbereich.