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Wohnungsbau fürs Personal?
Schweres Brot für Seenland-Wirte

Ein frühes Abschieds-Ständchen für Hofwirt Christoph Pech (l.). Helmut "Krake" Krakowski aus Bernsdorf wird die Live-Auftritte beim Lausitzer Kult-Gastronomen in der urigen Gaststätte in Klein Partwitz vermissen.
Ein frühes Abschieds-Ständchen für Hofwirt Christoph Pech (l.). Helmut "Krake" Krakowski aus Bernsdorf wird die Live-Auftritte beim Lausitzer Kult-Gastronomen in der urigen Gaststätte in Klein Partwitz vermissen. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Das Lausitzer Seenland wächst weiter. Stetig. Die Gastgeber der noch jungen Reiseregion haben in der nunmehr beendeten Saison erneut mehr Urlauber und Touristen empfangen. Übernachtungszahlen und Aufenthaltsdauer steigen – ausgehend von niedrigem Niveau – deutlich überdurchschnittlich weiter. Doch gerade das treibt den Freizeitanbietern zunehmend die Sorgenfalten ins Gesicht: Denn die Gastronomie wächst mit der höheren Nachfrage nicht mit. Kathleen Weser

Hof-Wirt Christoph Pech, ein Urgestein unter den Gastronomen sowohl auf brandenburgischer als auch sächsischer Seite des Lausitzer Seenlandes, bestätigt: Die wenigen Gasthäuser mit Platzkapazitäten für Reisegesellschaften arbeiten in der Hochsaison absolut am Rande der Leistungsfähigkeit. Danach ist hier fast tote Hose. "Uns fehlen mehr gastronomische Angebote und damit der gesunde Wettbewerb. Der entwickelt sich aber nicht von selbst", stellt der Unternehmer fest, der seit nunmehr 15 Jahren die Gaststätte am Partwitzer See führt - zum Jahresende aber nunmehr überraschend aufhört. "Ich brauche eine neue Herausforderung", sagt er. In der Gastronomie. Denn vom Kochlöffel kann und will der Hosenaer auch künftig nicht lassen. Christoph Pech sucht einen Nachfolger für die urige Gaststätte, auf deren Hof auch gern ausgiebig mit Brot und Forellen aus dem Holzbackofen bei Livemusik und einem guten Bier gefeiert wird. Beim jüngsten und letzten Hoffest in seiner Regie hat das Abschieds-Ständchen der Band mit Helmut "Krake" Krakowski aus Bernsdorf dem nur äußerlich hartgesottenen Kult-Wirt zwar den frischen Kloß im Hals beschert. Sein Entschluss aber ist unumstößlich.

Eckhard Hoika, der mit Iba-Aktiv-Tours der Pionier unter den touristischen Leistungsanbietern gewesen und mit dem Unternehmen mit der Reiseregion gewachsen ist, bestätigt: "Das ist ein Problem." Tagestouren werden gut gebucht. Vor allem an den Wochenenden gehen die Gästeführer mit vielen Leuten auf Tour - und steuern auch die wenigen Gaststätten an. Schwund am Markt bremst den aufstrebenden Tourismus empfindlich.

Olaf Schöpe, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg, erklärt: Tatsächlich hat die neue Reiseregion Lausitzer Seenland zu wenige private Investoren in der Gastronomie. "Das braucht Zeit. Und wir können nur auf die Kraft des Marktes vertrauen", sagt er. Die aber sollte auch angeschoben werden. Attraktive touristische Ganzjahresangebote werden dringend gebraucht. Eine Seenland-Therme, die auch im Herbst und Winter anzieht, nennt er als ein Beispiel.

Senftenberg schaffe es immer besser, auch in der Vor- und Nachsaison attraktiver zu werden. Die Gaststätten werden damit saisonal weniger abhängig, können das Stammpersonal halten. Fachkräfte fehlen trotzdem. "Auch Reiseregionen sind deshalb ausdrücklich gut beraten, an einem positiven Image des Gastgewerbes aktiv mitzuarbeiten und auch die Zukunftschancen in der Branche der Dienstleister offensiv zu bewerben", erklärt Olaf Schöpe. Der Gastronomie-Experte kritisiert zudem, dass die Arbeitgeber durch Gesetzesvorgaben vor allem zu Arbeitszeiten fast bis zur unternehmerischen Strangulation geknebelt werden. Die Dienstleister in Küche und Gastraum, die ihren Beruf lieben, zeigten eine große Bereitschaft zur Flexibilität. Die Wirte aber machten sich strafbar, wenn sie nach den tatsächlichen Bedarfen agierten. Eingeschränkte Küchen- und Öffnungszeiten seien Folgen, die für Reiseregionen auf Dauer tödlich seien.