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| 18:42 Uhr

Schwarzheide
Sportler müssen warten: Eingeweihtes Stadion ist unfertig

Schwarzheide. Neue Schwarzheider Sportstätte ist eröffnet, doch wartet noch viel Arbeit. Die Skepsis wächst. Von Torsten Richter-Zippack

Ein Umzug der Vereine. Der Besuch von Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke. Fallschirmspringer und olympisches Feuer: Mit großem Pomp ist am 3. September 2017 das Hans-Fischer-Stadion in Schwarzheide-West eröffnet worden. Doch komplett nutzbar ist die Sportstätte noch lange nicht. Nach Angaben von Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos) wartet nach wie vor ein Berg Arbeit. So solle erst bis Ende April der Innenausbau vollendet sein. Darüber hinaus fehlen die Hochsprung- und die Wurfanlagen. „Wir haben jetzt in Absprache mit den Sportlehrern die Grundausstattung in Auftrag gegeben. Bereits im zweiten Quartal 2018 sollen im Stadion die Prüfungen für das Sportabzeichen abgenommen werden“, kündigt Schmidt an. Darüber hinaus können die Fußballer den Rasenplatz bereits bespielen. Heimmannschaft ist der SV 1892 Schwarzheide. Insgesamt nutzen zwölf Teams das Areal.

Ein weiteres Problem sei die unzureichende Parkplatzsituation. Derzeit stünden nur rund 20 Stellflächen zur Verfügung, benötigt würden aber 64. Laut Schmidt gibt es für den Bau genügend Flächen. Mit der Fertigstellung des im Jahr 2015 begonnenen Hans-Fischer-Stadions ist laut Stadtoberhaupt nicht vor dem ersten Quartal 2019 zu rechnen. Die vorzeitige Eröffnung im vorigen Herbst begründet der Bürgermeister mit dem Jubiläum 50 Jahre Stadtrecht. Insgesamt schlage der Stadionbau mit rund drei Millionen Euro zu Buche, die über vier Jahre gestreckt würden. Die Stadt Schwarzheide könne pro Jahr 1,8 Millionen Euro investieren. Ein Großteil wandere in den Stadionbau.

Obwohl die Mittel zur Vollendung des Stadions inzwischen bestätigt sind, regt sich unter manchen Abgeordneten mehr als Skepsis. So bemängelt Werner Rex (Linke), dass die Stadt Ausstattungsvorschläge von Schulsportlehrern an den zuständigen beratenden Ausschüssen vorbei sofort auf die Entscheidungsebene hebe. „Zeitgleich müssen wir zähneknirschend in Kauf nehmen, dass die Kommune die Investitionen und den Betrieb des Stadions mit eigenen Mitteln stemmen muss.“ Darüber hinaus moniert Rex, dass sich nach ursprünglichen Planungen das Areal am nur rund einen Kilometer entfernten Seecampus zum künftigen Zentrum des örtlichen Sportlebens entwickeln sollte, dieses Vorhaben aber mit dem Stadion an der Mückenberger Straße hinfällig sei. Der Abgeordnete stellt den dortigen Sanierungsbedarf gar nicht in Frage, allerdings hätten dafür mehrere 100 000 Euro ausgereicht und keine drei Millionen. So sei bereits der Sportplatz am Seecampus komplett ausgestattet.

Dr. Thomas Adam (CDU/FDP-Fraktion) fragt sich, ob sich eine Kleinstadt wie Schwarzheide mit ihren 5700 Einwohnern überhaupt ein Drei-Millionen-Euro-Stadion leisten könne. Zudem sei nicht geklärt, welche Nutzung die Anlage in den kommenden Jahren erfahren und welche Einnahmen erwartet werden. Zudem sei ihm für das Projekt keine Wirtschaftlichkeitsberechnung bekannt, die bei derartigen Investitionen gesetzlich vorgeschrieben sei. „Unter sparsamer und wirtschaftlicher Haushaltsführung habe ich ein anderes Verständnis als der Bürgermeister und manch Stadtverordneter“, kommentiert Adam, der Vorsitzender des Finanzausschusses ist.

Indes plant die Stadt die Sanierung des unmittelbar neben dem Stadion befindlichen Tennisplatzes. Die Stadtverordneten haben für dieses Vorhaben eine Summe von 120 000 Euro bestätigt. Dort müssen nach knapp 20-jähriger Nutzung mehrere Bodenschichten abgetragen und neu eingebaut werden.

Bürgermeister Christoph Schmidt verteidigt sämtliche Investitionen. Schließlich sei Schwarzheide eine Sportstadt und wolle es auch bleiben. Mehr noch: Der 42-Jährige setzt auf eine geplante Vereinbarung zwischen Stadt und Landkreis, um im Hans-Fischer-Stadion auch den Schulsport zu etablieren.