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| 14:44 Uhr

Werkssiedlungen
Schwarzheider kämpfen für die Brabag-Siedlung

 Impression eines Teils der Wasserturmsiedlung, die wiederum zur Brabag-Werkssiedlung gehört. Schwarzheide erarbeitet für das Ensemble eine Erhaltungssatzung.
Impression eines Teils der Wasserturmsiedlung, die wiederum zur Brabag-Werkssiedlung gehört. Schwarzheide erarbeitet für das Ensemble eine Erhaltungssatzung. FOTO: Richter-Zippack / RIchter-Zippack
Schwarzheide. Die Stadt strebt eine Erhaltungssatzung für das historische Werksensemble an. Manchen Bürgern geht das zu langsam. Von Torsten Richter-Zippack

Die Schwarzheider Ortsmitte besteht zu großen Teilen aus einer historischen Werkssiedlung. Das Ensemble mit mehr als 800 Wohnungen entstand in den Jahren von 1936 bis 1944. Benannt nach dem Chemieunternehmen Brabag (Braunkohle-Benzin-Aktiengesellschaft, später Synthesewerk, heute BASF Schwarzheide GmbH) bildet die Siedlung ein Stück weit Schwarzheider Identität.

Damit das künftig so bleibt, soll eine Erhaltungssatzung erstellt werden. „Die kulturhistorische Bedeutung unserer Brabag-Siedlung ist unumstritten gegeben und stand zentrumsbildend im Mittelpunkt der Entstehung unserer jungen Stadt“, begründet Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos) das Ansinnen.

Die Stadtverordneten haben für dieses Vorhaben grünes Licht gegeben. Die notwendigen Zuarbeiten werden durch den Städtebauexperten Prof. Holger Schmidt geleistet.

Das Ziel der Erhaltungssatzung besteht darin, dass bei allen baulichen Veränderungen der Respekt vor der Bedeutung der Siedlung gegeben sein muss. Eine Unterdenkmalstellung werde hingegen nicht angestrebt.

Dem Schwarzheider Hans Jank, der seit einem halben Jahrhundert in der Brabag-Siedlung wohnt und sich für den Erhalt des Ensembles engagiert, geht das nicht schnell genug. „Die Stadt leistet für diese Satzung bislang keine Zuarbeit. Anscheinend gibt es im Bürgerhaus für die Siedlung keinerlei Interesse“, bemängelt Jank. Die Vorwürfe weist Bürgermeister Schmidt indes von sich. Er verweist auf die bereits vor 20 Jahren komplett sanierte Wasserturmsiedlung, die das Herzstück der Brabag-Siedlung präsentiert.

Hans Jank benennt weitere Werkssiedlungen der Region, unter anderem die Gartenstädte Marga, Lauta-Nord und Laubusch. „Dort haben die verantwortlichen Protagonisten das Potenzial erkannt. Mittlerweile wird bereits an der Autobahn 13 für die Gartenstadt Marga geworben“, argumentiert der Schwarzheider. Weder an der A 13 gebe es einen Hinweis auf die Brabag-Siedlung, noch an der neuen Stadtchronik an der Friedhofsmauer im Stadtteil West.

Gleichzeitig vermisst Hans Jank eine klare Definition des Begriffs „Schwarzheide-Mitte“. Wer diese Bezeichnung im Internet sucht, stößt sofort auf die gleichnamigen Outlet-Stores unter der Ägide einer Berliner Firma. Diese Geschäfte sind in den vergangenen Jahren anstelle der ehemaligen fünf Wohnblöcke an der Naundorfer Straße erreichtet worden. „Eigentlich sollte sich die Schwarzheider Mitte in der tatsächlichen Mitte befinden, und dass ist nun mal die Wasserturmsiedlung“, sagt Hans Jank.

Der Schwarzheider und seine kleine Bürgerinitiative verfolgen indes die Vision, das Stadtzentrum rund um den Wasserturm zu vollendet. Nach ursprünglichen Plänen der Architekten sollte dort das Rathaus entstehen. Dieses befindet sich heute im gegenüber befindlichem Bürgerhaus, dem ehemaligen Kino Prinz. „Das ist eine Aufgabe für künftige Generationen“, urteilt Jank.

Auf einen Erfolg können der Schwarzheider und seine Mitstreiter indes bereits verweisen. Waren ursprünglich auf dem Siedlerplatz, einer Grünfläche inmitten der Brabag-Siedlung, fünf neue Einfamilienhäuser geplant, sind tatsächlich nur zwei errichtet worden. „Das macht uns Mut für weitere Projekte“, kommentiert Hans Jank. Und sein Mitstreiter und Stadtverordneter Werner Rex (Linke) ergänzt: „Kulturhistorische Aspekte dürfen uns einfach nicht durchrutschen. Wir wollen gemeinsam die Brabag-Siedlung erhalten und behutsam weiterentwickeln.“