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LR vor Ort
Schwarzheide sehnt sich nach Seen-Freigabe

Der Ferdinandsee und der Südsee am Seecampus (oben) in Schwarzheide haben noch Sanierungsbedarf. Bis die Sperrflächen und das Wasser zum Baden freigegeben sind, vergehen noch ein paar Jahre. Eine Zwischennutzung soll aber schon eher möglich sein. Aus der Luft wird besonders deutlich, dass die Industriestadt auch eine grüne Stadt ist. Foto: Peter Radke/LMBV
Der Ferdinandsee und der Südsee am Seecampus (oben) in Schwarzheide haben noch Sanierungsbedarf. Bis die Sperrflächen und das Wasser zum Baden freigegeben sind, vergehen noch ein paar Jahre. Eine Zwischennutzung soll aber schon eher möglich sein. Aus der Luft wird besonders deutlich, dass die Industriestadt auch eine grüne Stadt ist. Foto: Peter Radke/LMBV FOTO: Peter Radke
Schwarzheide. Sie sind längst gefüllt und die Pläne für sie spannend, doch sind Ferdinands- und Südteich noch nicht nutzbar. Das ärgert die Bürger. Von Jan Augustin

Die Sehnsucht nach zwei frei zugänglichen Seen steigt in Schwarzheide wie aktuell der Wasserspiegel des Großräschener Sees. Während dieser sich im nächsten Jahr komplett füllen soll, müssen sich die Einwohner der Industriestadt jedoch weiter in Geduld üben. Einen festen Termin, wann Ufer und Gewässer des Süd- und des Ferdinandssees von der Öffentlichkeit genutzt werden können, gibt es noch nicht. Das wurde bei der Veranstaltung „LR vor Ort“ am Donnerstagabend im Seecampus deutlich.

Michael Matthes, zuständiger Abteilungsleiter bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), rechnet damit, dass alle Arbeiten frühestens 2021, eher aber ein oder sogar zwei Jahre später abgeschlossen sind. Eine Zwischennutzung, das betont er, sei aber durchaus möglich. Die meisten der rund 50 Gäste bringen zwar Verständnis für die Notwendigkeit der Sanierung mit. Auch wissen sie, dass ihre beiden Altbergbau-Restlöcher eher eine untergeordnete Rolle im Lausitzer Seenland einnehmen. Dass aber diese beiden Gewässer auch 27 Jahre nach der Wende noch immer nicht nutzbar sind, ärgert dann doch einige der Zuhörer: „Wir haben ein Boot und einen Steg, aber wir können nicht baden.“ Die Diskussion nimmt bei diesem Thema deutlich Fahrt auf, bleibt aber sachlich.

Michael Matthes zeigt Verständnis für den Groll, muss aber auch auf langwierige Genehmigungsverfahren verweisen. „Dass Sanierung lange dauert, ist ärgerlich. Es gibt aber eine Gesetzeslage, an der wir nicht vorbeikommen“, betont er. Den Hauptgrund für die andauernden Arbeiten fasst der Projektmanager so zusammen: „Die Probleme kommen mit dem Grundwasserwiederanstieg.“ Die Stadt Lauchhammer sei davon besonders arg betroffen, aber auch Schwarzheide, wo etwa 800 Häusern noch bis vor kurzem ein nasser Keller drohte. Weil die Bergbausanierer den Wasserstand beider Seen von 94 auf 92,5 Meter senkten, ist diese Gefahr jedoch verbannt. „Das soll auch so bleiben“, versichert der Sanierungsexperte.

Der LMBV steht noch eine Menge Arbeit bevor. Sie muss den Boden verdichten, um die Trittsicherheit zu gewährleisten. Sie muss Flächen im Hinterland auffüllen, aber auch weiterhin das Wasser konditionieren, damit es sauber in die Schwarze Elster fließen kann. Der Ferdinandssee soll deshalb auch weiter bekalkt werden.

Und dann ist da ja noch die schwarze Kohletrübe, die den Südsee vor allem in der Sonnenbucht direkt vor der Cafeteria des Seecampus‘ unansehnlich verfärbt. Die LMBV hätte den Schlamm längst in den Tiefen des Sees verklappt, erklärt Michael Matthes. Jedoch müsse sie nun für dieses Vorhaben noch nachweisen, dass während dieses Prozesses keine Schadstoffe mobilisiert werden.

Dass sich dieses Problem endlich klärt, darauf pocht auch Schwarzheides Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos). Auf der Fläche zwischen See und Schule soll im kommenden Jahr ein Findlingspark nach Nochtener Vorbild entstehen, erläutert das Stadtoberhaupt. Insgesamt entwickeln soll sich an den beiden Seen ein Naherholungsgebiet vor allem für die Schwarzheider. Das haben auch die Stadtverordneten im vergangenen Jahr mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek) beschlossen. „Wir wollen kein Tourismusstandort nach dem Vorbild von Senftenberg oder Großräschen werden“, betont er. Klein, aber fein soll es werden, sagt Christoph Schmidt.

Auch mit den Gedankenspielen, dass irgendwann einmal Fahrgastschiffe und Motorboote wie im Senftenberger See übers Wasser rauschen, will Schmidt sich nicht anfreunden. „Das würde ich nicht anstreben“, betont er. Genauso wenig soll etwa ein Hafen gebaut werden. Boote aber, mit denen Menschen in Notlagen gerettet werden können, sollen indes schon möglich sein. Seit drei Wochen, erklärt Christoph Schmidt nicht ohne Stolz, hat die Stadt nun auch das verbriefte Recht, mit dem eigenen Feuerwehrboot auf dem See zu agieren.

Schwarzheides Bürgermeister Christoph Schmidt (r.) und der LMBV-Abteilungsleiter Michael Matthes stehen den etwa 50 Gästen in der Aula vom Seecampus Rede und Antwort. RUNDSCHAU-Reporterin Kathleen Weser moderiert die lockere Runde.
Schwarzheides Bürgermeister Christoph Schmidt (r.) und der LMBV-Abteilungsleiter Michael Matthes stehen den etwa 50 Gästen in der Aula vom Seecampus Rede und Antwort. RUNDSCHAU-Reporterin Kathleen Weser moderiert die lockere Runde. FOTO: Jan Augustin / LR
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LR vor Ort 4c FOTO: LR