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| 20:10 Uhr

Strukturwandel
Leistungszentrum Lausitz wird konkreter

 Das Misch- und Gewerbegebiet Schwarzheide (links) als künftiger Standort des Leistungszentrums Lausitz wird von der Autobahn, der B 169 und der Schipkauer Straße flankiert. Rechts hinten ist das Gelände der BASF Schwarzheide GmbH zu sehen. Foto: Steffen Rasche
Das Misch- und Gewerbegebiet Schwarzheide (links) als künftiger Standort des Leistungszentrums Lausitz wird von der Autobahn, der B 169 und der Schipkauer Straße flankiert. Rechts hinten ist das Gelände der BASF Schwarzheide GmbH zu sehen. Foto: Steffen Rasche FOTO: Steffen Rasche
Schwarzheide. Die Stadt Schwarzheide will Projektträger für den geplanten Aus- und Weiterbildungscampus werden. Von Torsten Richter-Zippack

In den 1990er-Jahren ist das Misch- und Gewerbegebiet Schwarzheide-Mitte erschlossen worden. In unmittelbarer Nähe der Autobahn 13 (Berlin - Dresden) haben sich seitdem mehrere Firmen angesiedelt. Jetzt soll ein weiterer Baustein hinzukommen. „Wir favorisieren dieses Areal als künftigen Standort für das Leistungszentrum Lausitz“, sagt Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos). „Die Lage ist ideal. Direkt zwischen zwei Autobahnabfahrten gelegen, zwei nicht entfernte Bahnhalte und die BASF Schwarzheide GmbH als größten Betrieb der Region vor der Haustür: Besser geht es nicht“, begründet das Stadtoberhaupt. Ein kompletter Neubau soll im Misch- und Gewerbegebiet Mitte entstehen.

Das Leuchtturm-Projekt unter Federführung der BASF bietet künftig für 82 unterschiedliche Unternehmensprofile die praxisnahe Ausbildung. Die BASF Schwarzheide GmbH bildet übrigens bereits seit Jahren über ihren eigenen Bedarf hinaus in verschiedenen Berufen aus. Das Leistungszentrum Lausitz soll Platz für rund 400 angehende Facharbeiter bieten.

Ob das Vorhaben tatsächlich umgesetzt wird, prüft das Schwarzheider Rathaus. „Wir können uns die Projektträgerschaft gut vorstellen“, sagt Bürgermeister Schmidt. Inzwischen sei eine entsprechende Wirtschaftlichkeitsuntersuchung angelaufen. Mit dem Ergebnis rechnet Schmidt in diesem Sommer. Einen zentralen Punkt bildet dabei die Finanzierbarkeit der nicht förderfähigen Kosten. Schließlich dürfe durch den Neubau nicht die Leistungsfähigkeit der Chemiestadt eingeschränkt werden.

Zwar gebe es bereits erste Kalkulationen. Doch Zahlen will Christoph Schmidt noch nicht nennen. Nur so viel: „In rund vier Jahren könnte der Bau realisiert sein.“

Spätestens im Herbst werde sich die neue Stadtverordnetenversammlung mit dem Leistungszentrum befassen. Dann stehe ein Grundsatzbeschluss zum geplanten Vorhaben auf der Tagesordnung.

Da die künftig im Leistungszentrum auszubildenden Facharbeiter nicht alle aus dem näheren Umkreis kommen, plane die Stadt Schwarzheide ebenfalls die Einrichtung eines Internats. Christoph Schmidt kann sich diese Unterkunft in der alten Dorfschule im Stadtteil West vorstellen. Der Bildungsstandort war als solcher bis zum Jahr 1997 in Betrieb und wird heute nur noch sporadisch genutzt. Große Teile stehen leer.

Die BASF will indes die Chemiestadt beim Aufbau des Leistungszentrums Lausitz unterstützen. „Wir wollen es als Ausbildungsstätte nutzen“, sagt BASF-Sprecher Arne Petersen. „Um die Bereitschaft zu signalisieren, auch strategisch in die Lausitz zu investieren, wird die BASF Schwarzheide GmbH langfristige Mietverträge abschließen.“ Der Konzern erhofft sich in erster Linie die Bündelung vorhandener Kräfte und Kompetenzen in Chemie und Technik.

Das Potenzial des Leistungszentrums und des ganzes Standortes sei riesig. „Schwarzheide hat sogar das Zeug, zu einem Anlaufpunkt für die neue Seidenstraße zu werden“, argumentiert Petersen. Bei der neuen Seidenstraße handelt es sich um ein Projekt zum Aufbau von Handels- und Infrastrukturnetzen zwischen Europa und China. Eine maßgebliche Rolle komme dabei auch dem Bahnhof Ruhland zu. Dieser komplett sanierte Verkehrsknoten nur einen Steinwurf von Schwarzheide entfernt verbindet mittels der Niederschleschen Eisenbahnmagistrale schon heute West- mit Osteuropa und weiter mit Asien.

Auch das Land Brandenburg steht hinter dem Leistungszentrum Lausitz. „Das Vorhaben kann einen maßgeblichen Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Lausitz leisten“, kommentiert Gerlinde Krahnert vom Arbeitsministerium. Die Landesregierung will das Leistungszentrum in ein Gesamtvorhaben einbetten, das die Region zu einer „Kompetenzregion Lausitz“ entwickeln soll. Ein entsprechender Förderantrag werde inhaltlich befürwortet. Darüber hinaus wolle Brandenburg aus weiteren Töpfen flankierende Maßnahmen, beispielsweise die Unterbringung von Auszubildenden, unterstützen, kündigt Krahnert an.

Im Land gibt es bislang keine vergleichbare Einrichtung. Schwarzheide wäre demnach brandenburgweit ein Novum.