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"Schwarzheide ist farbiger geworden"

Doris Lanzke vom Kultur- und Heimatverein Schwarzheide präsentiert ihre neue Ausstellung mit dem Titel "Schwarzheide – Veränderungen einer Stadt zwischen 1990 und 2015".
Doris Lanzke vom Kultur- und Heimatverein Schwarzheide präsentiert ihre neue Ausstellung mit dem Titel "Schwarzheide – Veränderungen einer Stadt zwischen 1990 und 2015". FOTO: Torsten Richter-Zippack/trt1
Schwarzheide. Wie rasant sich Schwarzheide im vergangenen Vierteljahrhundert verändert hat, ist in einer neuen Ausstellung des Kultur- und Heimatvereins zu erleben. Aus Sicht der Initiatorin Doris Lanzke hat die Stadt innerhalb von 25 Jahren mächtig an Farbe gewonnen. Torsten Richter-Zippack / trt1

Wer im Jahr 1990 Schwarzheide verlassen hat und ein Vierteljahrhundert später wiederkommt, dürfte möglicherweise Orientierungsprobleme bekommen. Da ist zunächst die neue Autobahnabfahrt, die nach der Chemiestadt benannt ist. In der Schipkauer Straße sind rechter Hand die Sportanlagen ebenso verschwunden wie das Hotel, das Schwimmbad, der alte Bunker an der Haupteinfahrt zum Werk sowie fast die komplette Bereitschaftssiedlung.

Den Kreisverkehr gab es vor 25 Jahren nicht, das Achat-Premium-Hotel auch nicht. Fährt der Besucher dann in Richtung des Stadtzentrums, würde er über die Einkaufsmärkte in der Ruhlander Straße noch vor der Autobahnbrücke staunen. Als der Gast die Stadt verlassen hatte, wuchs dort noch ein lichtes Robinien-, Birken- und Kiefernwäldchen.

Kaum wiederzuerkennen

Unmittelbar hinter der Brücke wartet gleich die nächste Überraschung: Die Komarow-Oberschule, das spätere Gymnasium, ist verschwunden. An dessen Stelle lädt ein Supermarkt ein. Die vielen Wohnblocks entlang der Ruhlander Straße existieren alle noch, doch sie sind kaum wiederzuerkennen. Was Farbe so alles bewirken kann.

Ebenso der Wasserturm: Bröckelte anno 1990 noch der Putz vom Wahrzeichen, leuchtet es heute in seinen hellen Farbtönen weithin ins Land. Das gegenüberliegende Kino Prinz dient schon seit mehr als anderthalb Jahrzehnten als Bürgerhaus.

Wie sehr sich Schwarzheide im vergangenen Vierteljahrhundert verändert hat, ist nunmehr Inhalt einer neuen Ausstellung des örtlichen Kultur- und Heimatvereins. Hobby-Archivarin Doris Lanzke, die seit dem Jahr 1997 in der Chemiestadt lebt, hat über 400 Bilder zusammengetragen, die den Wandel hautnah präsentieren.

"Die Texte sind bewusst kurz gehalten", sagt die 65-Jährige. Schließlich, so wünscht sie sich, sollten sich die Schwarzheider selbst auf eine Zeitreise durch ihren Ort begeben. Den historischen Aufnahmen, die zumeist aus dem Vereinsfundus stammen, hat Doris Lanzke aktuelle Aufnahmen gegenübergestellt. Was die Autorin selbst am meisten beeindruckt? "In erster Linie die Farben, durch die Schwarzheide mächtig gewonnen hat." Oft erinnere sich Doris Lanzke an Fahrten durch die Stadt während der DDR-Zeit: "Die Gebäude trugen damals graue Schleier."

Manchmal dienen auch Pläne der Erläuterung. Beispielsweise im Fall der Ruhlander Kreuzung. Aus den einstmals zwei Abzweigen zwischen der Tankstelle und der Elsterbrücke ist nunmehr eine Kreuzung entstanden. Und einen Steinwurf weiter nördlich: Wo sich einst Wiesen, Ödland, Wald und die biologische Versuchsstation befanden, erstrecken sich heute das Gewerbegebiet Mitte sowie das Einkaufszentrum Heidecenter. Die noch ein Stückchen weiter nördlich befindlichen Neubaublocks, erst in den 1980er-Jahren errichtet, sind inzwischen wieder verschwunden. Ebenso die markanten fünf lang gestreckten Wohnblocks an der Naundorfer Straße, die bis Anfang der 1990er-Jahre Karl-Kittelmann-Straße hieß.

Vom Osten bis zum Seecampus

Doris Lanzke lädt die Besucher zu einem virtuellen Rundgang durch Schwarzheide ein. Dieser beginnt ganz im Osten der Stadt, namentlich an der alten Brikettfabrik "Fortschritt", die es nicht mehr gibt. Über die Kolonie "Victoria" geht es ins alte Naundorf, weiter durch die Siedlung "Wandelhof" und schließlich ins Dorf, der Keimzelle von Schwarzheide. Ziel ist dann der Seecampus.

Direkt in der Mitte des Ausstellungsraums des Kultur- und Heimatvereins befinden sich mehrere großformatige Luftaufnahmen des Ortes. Darüber hinaus sind mehrere Bilder aus dem BASF-Werksarchiv in die Ausstellung eingeflossen. So werden beispielsweise die einstmals markanten beiden Schornsteine des Kraftwerks im Synthesewerk wieder lebendig. Ebenso die alte Kontaktfabrik. Und die Poliklinik.

Darüber hinaus gewährt Ursula Steinborn, Vorstandsmitglied des Kultur- und Heimatvereins, einen kleinen Einblick in ihre Kugelschreiber-Sammlung. Zig Stifte mit den Logos von BASF und Sparkasse sind zu sehen. Natürlich alle in verschiedenen Farben. Darüber hinaus gibt es ein paar Infos zur Geschichte der Schwarzheider Dorfschule. Kein Wunder, befindet sich die neue Ausstellung doch im ehemaligen Physik- und Chemieraum des Schulkomplexes aus insgesamt sechs Gebäuden, den heute die Heimathistoriker nutzen. Die Ausstellung ist bis zum Jahresende zu sehen. Eröffnet wird sie am Sonntag um 14.30 Uhr.