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| 02:51 Uhr

Schwarzer Elster muss mehr Platz eingeräumt werden

Dr. Dietrich Hanspach referiert im Seecampus Niederlausitz zur Urstromtalwildnis zwischen Senftenberg und Elsterwerda.
Dr. Dietrich Hanspach referiert im Seecampus Niederlausitz zur Urstromtalwildnis zwischen Senftenberg und Elsterwerda. FOTO: trt1
Schwarzheide. Senftenberg, Ruhland und Lauchhammer liegen im Urstromtal der Schwarzen Elster. Noch vor zwei Jahrhunderten inmitten einer einzigartigen Wildnis. Das sagt der Ortrander Agraringenieur und Biologe Dr. Dietrich Hanspach. Heute braucht der Heimatfluss wieder mehr Platz, erklärt er. Torsten Richter / trt1

Vor rund 200 Jahren hätten sich Schulklassen aus Senftenberg, Ruhland und Mückenberg (heute Lauchhammer-West) Ausflüge in den Spreewald sparen können. Hatten sie doch eine ganz ähnliche feuchte Niederungslandschaft direkt vor der Haustür. Denn an der Schwarzen Elster, die die drei Orte verbindet, sah es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts genauso aus wie zwischen Schlepzig, Lübbenau und Burg. Nämlich wasserreich und wild. Ein Bild jener längst vergangenen Zeit hat jetzt der Ortrander Agraringenieur und Biologe Dr. Dietrich Hanspach in seinem Vortrag im Seecampus Schwarzheide-Lauchhammer gezeichnet.

Vor mehr als 150 staunenden Gästen erklärt der 62-Jährige, dass damals Kähne zu den wichtigsten Transportmitteln zählten. In alten Unterlagen sei festgehalten, dass in manchen Jahren bis zu acht Frauen beim Übersetzen der Wasserfahrzeuge ertranken. Und dass das Nass der Schwarzen Elster im Hochwasserfall sage und schreibe sieben Tage für die lediglich acht Kilometer lange Strecke von Mückenberg nach Plessa benötigte. Heute rauscht es im begradigten Flussbett innerhalb kürzester Zeit hindurch.

Darüber hinaus prägte ein schier undurchdringlicher feuchter Wald diesen Bereich des eiszeitlich entstandenen Urstromtals. Er bildete während des Mittelalters über viele Jahre eine natürliche Grenze des Territoriums der Herren von Naumburg gen Norden und Osten. Heute ist dieser Wald weitestgehend verschwunden. Bereits im Zuge der Elsterregulierung in den 1850er-Jahren wurden die Bäume gerodet. Seitdem präsentiert sich das Schradenland als große Offenfläche. Nur noch hier und da haben sich Reste der Wildnis erhalten können. Beispielsweise bei Gröden im Elbe-Elster-Kreis. Dagegen ist der Ruhlander Eichwald nordwestlich der namensgebenden Stadt ein Kunstprodukt tüchtiger Förster.

Heute präsentiert sich die Schwarze Elster als weitestgehend begradigter, ja kanalisierter Fluss. Die einstigen zahlreichen Flussarme sind abgeschnitten und nur noch hier und da vorhanden. Mancherorts erkennen Fachleute den früheren Verlauf lediglich an Senken in den heutigen Landwirtschaftsflächen. Bei Ruhland und Schwarzheide gibt es zwar noch alte Elsterarme, doch sind diese weitgehend trocken und teils mit Müll verunreinigt.

Dr. Dietrich Hanspach, der Hauptautor der in den Jahren 2001 und 2005 erschienenen Schraden-Bücher, sagt, dass ihm der heutige Zustand der Schwarzen Elster Bauchschmerzen bereite. Er befürchte, dass für den Hochwasserschutz in den kommenden Jahren auch noch die letzten Bäume auf und an den Deichen der Säge zum Opfer fallen könnten. "Dabei ist die Erhöhung der Deiche keine Lösung. Stattdessen sollte versucht werden, dem Fluss mehr Platz einzuräumen. Mit Überschwemmungsflächen", stellt er klar. Diese gebe es zumindest im Abschnitt zwischen Senftenberg und Elsterwerda bislang so gut wie gar nicht. Dabei sei es gerade für Grünland kein Problem, wenn es mal längere Zeit unter Wasser stehe.

Positiv ist, die Wasserqualität hat sich seit der politischen Wende erheblich verbessert. Das in Brandenburg und der Oberlausitz sehr seltene Knoten-Laichkraut ist in der Elster wieder heimisch geworden.

Mit einer weiteren Aussage sorgt Dietrich Hanspach erneut für Aufsehen bei seinen Gästen: Bereits in alten Quellen wird der rostbraune Schlamm der Schwarzen Elster erwähnt. Also könne der Bergbau nicht der Alleinverursacher dieses Phänomens sein. "Es gibt durchaus natürliche Austritte des dafür verantwortlichen Eisenhydroxids", erklärt Hanspach. Kein Wunder, wurden doch im Lausitzer Urstromtal über Jahrhunderte größere Mengen an Raseneisenstein gewonnen. Und dass direkt unter der Grasnarbe.