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| 14:36 Uhr

Alte Bräuche am Leben halten
Schwarzbach hält an seiner Tradition im Reiten fest

Der Reit- und Fahrverein Schwarzbach bittet am 9. September zum kurzweiligen Reiterfest. Mutige Reiterinnen und Reiter können sich noch für die Wettbewerbe im Hahnschlagen und Kranzstechen anmelden. Titelverteidiger ist Mario Richter (l.) aus Leeskow (Gemeinde Neu-Seeland), der 2017 in beiden Kategorien siegte.
Der Reit- und Fahrverein Schwarzbach bittet am 9. September zum kurzweiligen Reiterfest. Mutige Reiterinnen und Reiter können sich noch für die Wettbewerbe im Hahnschlagen und Kranzstechen anmelden. Titelverteidiger ist Mario Richter (l.) aus Leeskow (Gemeinde Neu-Seeland), der 2017 in beiden Kategorien siegte. FOTO: Reit- und Fahrverein Schwarzbach
Schwarzbach. Der Reit- und Fahrverein stemmt sich gegen die schleichende Reiter-Flaute. Hahnenschlagen und Kranzstechen finden am zweiten September-Sonntag statt. Von Uwe Hegewald

Die Zahl der Frauen, Männer und Jugendlichen, die es sich zutrauen, auf einem Pferd oder Pony zu galoppieren oder zu traben, geht stetig zurück. Auch wenn das Bild von zahlreich grasenden Pferden auf hiesigen Weiden einen anderen Eindruck vermittelt. „Viele halten sich die Tiere nur noch als Dekoration oder um das Gras auf ihren Grundstücken flach zu halten“, bedauern jene Reiter, die sich noch sportlichen Herausforderungen stellen.

Erweist sich die Durchführung von Kutschentreffen und integrierten Parcoursläufen als relativ stabil, sieht es bei den regionalen Reitwettbewerben mau aus. Niederlausitzer Stollenreiten, die vor 20 Jahren noch an fast jedem Spätsommer- oder Herbstwochenende zu erleben waren, gibt es heute nur noch in Laasow (Stadt Vetschau). Niedersorbische Stollenreiten, bei denen keine Sättel benutzt werden dürfen, werden offiziell nur noch in Neu Zauche (Amt Lieberose/Oberspreewald) durchgeführt. Allein das traditionelle Hahnrupfen wird in einigen wenigen Spreewalddörfern noch praktiziert.

Was Tierschützern gar nicht schmeckt: Beim Hahnrupfen müssen von dem zuvor getöteten und an einem Torbalken befestigten Federvieh nach und nach Flügel und zuletzt auch noch der Kopf abgerissen werden.

In Schwarzbach geht es weniger blutig zur Sache. „Wir pflegen mit dem Hahnschlagen und dem Kranzstechen zwei Kategorien, die am Sonntag, 9. September, zu erleben sind“, kündigt Maik Nuglisch, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins, an. Beim Hahnenschlagen wird ein hölzerner Hahn eingesetzt, der drehbar auf einer Gewindestange befestigt ist. Reiterinnen und Reiter versuchen beim Vorbeireiten, den Hahn Stück für Stück von der Gewindestange zu drehen.

Das alles passiert vor den Augen eines wachsamen Schiedsgerichts, das sehr genau hinschaut, ob der Ritt durch die Pforte auch im Galopp erfolgt. „Bei einem Trab oder gar Schritt wird der Lauf des Reiterpaars nicht gewertet“, so Nuglisch.

Das Regelwerk wird auch beim Kranzstechen angewendet, wo Teilnehmer versuchen, mittels einer Gabel einen der drei Ringe von der Pforte zu pflücken und diesen an der Gabel zu halten. Mindestens jedoch bis zum Ende der Birkengasse, die am Vortag errichtet wird.

Was für Außenstehende einfach ausschaut, ist selbst für geübte Reiter eine Herausforderung. Früher wurde der Wettbewerb ausschließlich von der männlichen Dorfjugend genutzt, um zu zeigen, wie sattelfest jeder ist. Längst zeigen auch Reiterinnen ihre Versiertheit und geben der Männerwelt so manches Mal das Nachsehen.

Bei Maik Nuglisch (Telefon 0171/8526575) oder Heiko Richter (0152/36843938) können Kurzentschlossene ihre Teilnahme an den beiden Wettbewerben anmelden. „Auch Besitzer von Kleinpferden, für die die Pforte mit Hahn und Kränzen etwas tiefer gehangen wird“, informiert der Vereinsvorsitzende.

Drei weitere Gegebenheiten sprechen zusätzlich für einen Sonntagsausflug nach Schwarzbach: Freier Eintritt, das kulinarische Angebot und das Gutshaus, das vom Besitzer jährlich zum Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet wird. Beginn der Reiter-Wettbewerbe ist am Sonntag, 9. September, auf dem Schwarzbacher Sportplatz um 14 Uhr.