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Schwan vor dem Kältetod gerettet

Ein normaler Winter bereitet den Wildtieren in unseren Breiten kaum Probleme. Auch Schwäne kommen damit gut klar.
Ein normaler Winter bereitet den Wildtieren in unseren Breiten kaum Probleme. Auch Schwäne kommen damit gut klar. FOTO: Rita/Fotolia
Schwarzheide. In Schwarzheide ist ein verletzter Schwan vor dem sicheren Kältetod gerettet worden. Dafür gesorgt haben aufmerksame Einwohner, die Polizei, die Feuerwehr der Stadt und das Ordnungsamt. Manfred Feller

Polizei und Feuerwehr setzen nicht nur alle Hebel in Bewegung, wenn Menschen und Sachwerte in Gefahr sind. Auch für Tiere werden oft weder Kosten noch Mühen gescheut - wie im Falle des verletzten Schwanes vor wenigen Tagen in Schwarzheide.

An jenem Abend kam der Mann von Brunhilde Hauptvogel aus Schwarzheide-Ost gegen 18 Uhr vom Arzt nach Hause. Er berichtete, dass sich in ihrer, der Senftenberger Straße, ein Schwan aufhält. "Wir hatten keine Ahnung, woher er gekommen sein könnte. Hier hatten wir noch nie einen gesehen, nicht mal auf der Pößnitz", berichtet die Frau.

Etwa um 19 Uhr verlässt Brunhilde Hauptvogel das Haus zum Spazierengehen mit dem Hund. Nun sitzt der Schwan direkt vor ihrer Tür. "Das kam mir spanisch vor", sagt sie. Eine halbe Stunde später, nach der Gassirunde, hatte sich das Jungtier, zu erkennen an dem noch nicht ganz weißen Gefieder, ein Stück weiter niedergelassen und guckte nur.

Als er gegen 20 Uhr immer noch in der Nähe gesehen wurde, rief Brunhilde Hauptvogel die Polizei an. Das Tier könnte ja die Vogelgrippe in sich tragen. Die Beamten rückten, von der Nachbarschaft unbemerkt, irgendwann an, entdeckten aber nichts.. Die Schwarzheiderin beschreibt den Standort am Telefon genauer. Um 22 Uhr ist der Schwan dann umzingelt.

Bald darauf treffen auch der Löschzug Schwarzheide-Ost und ein Vertreter des Ordnungsamtes ein. Die Kameraden fangen den Schwan mit Blick auf die Vogelgrippe unter Sicherheitsvorkehrungen ein und fahren diesen in ihr Gerätehaus. Später bringt eine untersuchte Blutprobe Gewissheit. "Es besteht kein Verdacht auf Vogelgrippe", kann Jörg Wachtel, Leiter des kreislichen Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung, Entwarnung geben. Nach einer weiteren Untersuchung wird das verletzte Tier in die private Auffang- und Pflegestation für verletzte und geschützte Wildtiere nach Reddern im Nordkreis transportiert.

Brunhilde Hauptvogel findet kaum Worte dafür, wie sich Menschen auch für das Wohl von Tieren einsetzen. "Es war herzergreifend, wie die Feuerwehr den Schwan gefangen und damit gerettet hat. Und das mitten in der Nacht. Die Männer mussten ja am nächsten Tag wieder zur Arbeit", spricht sie allen Beteiligten ein dickes Dankeschön aus.

Dem Singschwan, wie ihn Gernod Heindel aus Reddern korrekt benennt, geht es wieder ganz gut. Der Revierförster betreibt mit seiner Familie seit etwa 30 Jahren die Wildtierauffangstation und investiert sehr viel freie Zeit. Er hat den Schwarzheider Schwan untersucht und eine Marke an einem Flügel festgestellt. Der Vogel sei gegen eine Oberleitung geflogen und habe sich geprellt. "Er wird sich erholen und im Frühjahr mit anderen Schwänen entlassen", sagt er. Der Jungvogel aus dem Vorjahr stammt aus Nord-Schweden oder Russland und ist hier Wintergast.

Zu den Neuankömmlingen in der Station gehören ein Uhu, der auf der Autobahn 15 bei Roggosen gegen ein Fahrzeug geflogen ist, und für den Winter zu leichtgewichtige Jung-Igel. Jährlich werden bis zu 200 Tiere aufgenommen. In den zurückliegenden drei Jahrzehnten waren es etwa 3500 Tiere von rund 170 Arten, so Gernod Heindel. Futter- und Geldspenden werden in der Auffangstation immer gebraucht (Telefon 035434 66877).