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| 20:00 Uhr

Vogelschutz
Schwalben sind in Sedlitz willkommen

 Hier überreicht Klaus Uhl (l.) vom Nabu-Regionalverband Senftenberg die Schwalben-willkommen-Plakette an Hans-Joachim und Beate Kupz.
Hier überreicht Klaus Uhl (l.) vom Nabu-Regionalverband Senftenberg die Schwalben-willkommen-Plakette an Hans-Joachim und Beate Kupz. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Sedlitz. Bei Familie Kupz fühlen sich die kleinen Flieger unter der überdachten Einfahrt wohl. Von Torsten Richter-Zippack

n der Lausitz gibt es immer weniger Schwalben. Bei Familie Kupz in Sedlitz indes werden es stetig mehr. Allein in diesem Jahr hat der Biologe und Landwirt Hans-Joachim Kupz sieben Brutpaare auf seinem Hof gezählt, mehr als in den Jahren zuvor. „Offensichtlich fühlen sich die Vögel bei uns wohl. Schwalben sind bei uns schon immer willkommen“, erklärt der Ex-Bückgener, der seit dem Jahr 1987 auf dem elterlichen Anwesen seiner Frau wohnt.

Die meisten Rauchschwalben leben direkt unter der überdachten Einfahrt zum Garten. Obwohl Schwalben von Natur aus eher Felsen- also Steinbrüter sind, bauen sie in diesem Fall ihre Nester an alte Holzbalken. Aus den lehmhaltigen Konstruktionen ist selbst jetzt noch Mitte August ein zartes Zwitschern zu vernehmen: Die Jungvögel betteln um Futter.

Familie Kupz kümmert sich um ihre Schwalben: „Nach dem morgendlichen Aufstehen öffne ich als erstes die Tür zum Garten und vom angrenzenden Stall. So können die Tiere ausfliegen“, erklärt Hans-Joachim Kupz. An heißen Tagen gibt es auch ein Schälchen Wasser zur Erfrischung.

FOTO: Torsten Richter-Zippack

Jetzt ist das Engagement der Sedlitzer Familie gewürdigt worden. „Schwalben willkommen“ heißt die Plakette des Naturschutzbundes Deutschland, die Rudolf Kupfer vom Regionalverband Senftenberg übergeben hat. Laut Kupfer wird damit der Einsatz von Einheimischen für den Schwalbenschutz honoriert. In der Region Senftenberg tragen bereits rund 30 Höfe diese Plakette, zwischen Altdöbern und Spreewald sind es um die 15, weiß Jürgen Jentsch von der Naturschutzbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz.

Die Vögel scheinen den 90 Jahre alten Vierseitenhof von Familie Kupz am östlichen Rand von Sedlitz zu mögen. „Obwohl wir kein Großvieh mehr haben, keine Schweine und keine Kühe, bleiben uns die Vögel treu. Sie brauchen anscheinend das Traditionelle und sind gewissermaßen dickköpfig“, kommentiert Kupz.

 Ornithologe Heiko Michaelis beringt und wiegt die Schwalbenjungen. Dieser Vogel bringt es auf 14,6 Gramm. Er ist ein wenig untergewichtig, urteilt Michaelis.
Ornithologe Heiko Michaelis beringt und wiegt die Schwalbenjungen. Dieser Vogel bringt es auf 14,6 Gramm. Er ist ein wenig untergewichtig, urteilt Michaelis. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Davon kann Nachbar Heiko Michaelis ein Lied singen. „Ich hätte auch gern Schwalben auf meinem Anwesen. Aber sie kommen einfach nicht zu mir.“ Kurios: Heiko Michaelis ist seit Jahrzehnten als ehrenamtlicher Ornithologe tätig. Der in der Landwirtschaft tätige Sedlitzer betreut im Altkreis Senftenberg vier Schwalben-Standorte, darunter auch im Senftenberger Tierpark. „Selbst dort hat die Anzahl der Vögel abgenommen, nur bei Familie Kupz gibt es eine Zunahme.“ Woran das genau liegt, könne nicht eindeutig gesagt werden.

Das bisherige Schwalbenjahr 2019 schätzt Michaelis als durchwachsen ein. Aufgrund der Kälte im Frühjahr begannen die Vögel erst spät mit der ersten Brut. Durch das sich im Juni anschließende trocken-heiße Wetter gab es viele Insekten, die Hauptnahrung der Schwalben. Somit konnten die Elterntiere ihren Nachwuchs ausreichend versorgen. Schwierig gestaltete sich hingegen der Nestbau. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit hält der Lehm nicht immer an den Wänden. „Viele Nester sind abgestürzt“, hat Heiko Michaelis beobachtet.

Weit mehr problematisch sei, dass es immer weniger Insekten gibt, unter anderem wegen der Monokulturen in manchen Landwirtschaftsbetrieben. Pikant: Schwalbenvater Hans-Joachim Kupz war fast zwei Jahrzehnte selbst im Vorstand eines größeren Landwirtschaftsbetriebes tätig. „Unsere Agrargenossenschaft Großräschen baut bis zu 21 verschiedene Kulturen an, sonst sind drei, vielleicht vier, üblich“, weiß der passionierte Landwirt. Somit gebe es zumindest auf den Feldern rund um die IBA-Stadt einen gedeckten Tisch für Vögel und zahlreiche weitere Tiere.

Ebenfalls führt der Mangel an Nistgelegenheiten zu Rückgängen bei den Schwalben. Nach manchen Haussanierungen seien die Nester verschwunden. Und Schwalben in neue Unterkünfte zu locken, funktioniert längst nicht immer. So steht das im Frühjahr eingeweihte Ruhlander Schwalbenhaus bislang noch leer. „Schwalben sind eben doch dickköpfig“, fühlt sich Hans-Joachim Kupz in seiner These bestätigt.