ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:51 Uhr

Schulgärtner, Lehrer, Heimatfotograf

Neben den vielen Dias ist dieser Ordner Horst Bormanns Schatz. Darin sind seine Abschriften aus der Elsterchronik sowie die vielen heimatkundlichen Vorträge enthalten.
Neben den vielen Dias ist dieser Ordner Horst Bormanns Schatz. Darin sind seine Abschriften aus der Elsterchronik sowie die vielen heimatkundlichen Vorträge enthalten. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Ruhland. Wenn es ein Ruhlander Geschichtsgedächtnis gibt, dann befindet sich dieses im Kopf von Horst Bormann. Der 86-Jährige dokumentiert seit mehr als einem halben Jahrhundert die Historie des Elsterstädtchens. Allerdings weniger mit dem Stift als vielmehr mit der Kamera. Torsten Richter-Zippack / trt1

Mit einem Mythos muss Horst Bormann endlich mal aufräumen. Und zwar mit dem berühmt gewordenen Satz "Nu macht doch Euren Dreck alleene". Diese Worte sollen, so steht es in vielen Geschichtsbüchern, aus dem Mund des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. im Zuge seiner Abdankung auf Schloss Guteborn im November 1918 zu hören gewesen sein. "Stimmt nicht", weiß Bormann. Woher der gebürtige Ruhlander das weiß? "Das hat mir die letzte Prinzessin aus dem Hause der Schönburgs-Waldenburgs, Dorothea von Lippe-Weissenfeld, mitgeteilt. Dieses Adelsgeschlecht war das letzte auf Schloss Guteborn", erklärt der Heimatforscher. Stattdessen habe Friedrich August III. mit der Faust auf den Tisch geschlagen und verkündet: "Ich danke nicht ab."

Schon seit vielen Jahren hat es Horst Bormann die Geschichte der von Schönburg-Waldenburg angetan. Doch erst nach der politischen Wende habe er Kontakt zu den Nachfahren der einstigen Herren von Guteborn (1902 - 1945) aufnehmen dürfen. So sei ein reger Briefwechsel mit Dorothea von Lippe-Weissenfeld, die anno 2000 im gesegneten Alter von 95 Jahren starb, in Gang gekommen. Darüber hinaus habe Bormann im Zuge seiner heimatkundlichen Recherchen herausgefunden, dass sich unter der noch heute bestehenden Guteborner Schlosskapelle sechs Begräbnisstätten befinden sollen. "Die wurden allerdings nie genutzt. Da stand immer Wasser drin", berichtet er.

Horst Bormann hat sein äußerst reichhaltiges Geschichtswissen über Ruhland und die Ruhlander Oberlausitz seit der Wende in über 100 Vorträgen präsentiert. Zum Finale im Jahr 2008 seien im evangelischen Kindergarten über 90 Leute erschienen. "Einige mussten sogar wieder nach Hause gehen, da einfach der Platz nicht mehr ausreichte", erinnert sich der fast 87-Jährige. Schöpfen könne Bormann aus seinem schier unendlichen Vorrat an Dias. Er schätzt, dass es inzwischen weit mehr als 10 000 Exemplare seien. Erst kürzlich habe der begnadete Fotograf einen Teil seiner Sammlung dem Ruhlander Heimatverein übergeben.

Besonders wertvoll: Die Aufnahmen vom großen Heimatfest im Jahr 1958. Dieser Höhepunkt solle übrigens als Vorbild für die bevorstehende 700-Jahr-Feier des Elsterstädtchens anno 2017 dienen. Außerdem habe sich Bormann die Mühe gemacht, die einst in Ruhland gedruckte Elsterchronik, eine Zeitung, vom Beginn ihres Erscheinens im späten 19. Jahrhundert auf alle Beiträge über seinen Heimatort zu durchforsten. Diese befänden sich jetzt in einem dicken Ordner und stünden für Recherchen zur Verfügung.

Dass Horst Bormann so sehr mit der Heimatgeschichte verwurzelt ist, verwundert beim Blick in seine eigene Vergangenheit nicht. Schon sein Vater, ein begnadeter Bildhauer, wurde öfter von den Schönburg-Waldenburgischen Herren für diverse Aufträge engagiert. Horst Bormann selbst fand nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund seiner Tätigkeit im Zuge der Kartierung von Pflanzen im damaligen Land Brandenburg zur Naturfotografie. Der junge Mann war zunächst als Neulehrer in Bernsdorf und Wiednitz tätig. Da war er mitunter nur drei Jahre älter als seine Schüler. Später folgte die Spezialisierung auf die Biologie, die der Ruhlander dann über Jahrzehnte an der Schule des Elsterstädtchens unterrichtete.

Als sein Lebenswerk betrachtet Horst Bormann bis heute den von ihm förmlich aus dem Nichts geschaffenen Schulgarten an der Hartwigstraße. "Dieses Ensemble mit den wichtigsten heimischen Pflanzenarten, einem Terrarium, der großen Vogelvoliere sowie dem Bienenhaus war so interessant, dass selbst das DDR-Fernsehen dort eine Woche lang filmte", erinnert sich der pensionierte Pädagoge. Er habe im Sommer mehrere Wochen in den Urlaub fahren können. Bei der Rückkehr sei Bormann auf nicht ein Unkrauthälmchen gestoßen. "Die Schüler haben richtig für ihren Garten gebrannt", sagt der Ruhlander mit einem besonderen Funkeln in den Augen. Durch gesundheitliche Probleme habe er sich ab den 1980er-Jahren nicht mehr um das Areal kümmern können.

Heute entsteht auf der Fläche ein neues Eigenheim. "Wenn die Leute dann eingezogen sind, nehme ich meine Schulgartenfotos und werde ihnen zeigen, auf welchem ehemaligen Juwel sie nunmehr zu Hause sind", kündigt Horst Bormann an.