Am Donnerstag berät darüber der Kreisausschuss und in der Woche darauf eventuell abschließend der Kreistag. Demzufolge soll jede Stadt eine Schule der Sekundarstufe behalten: Schwarzheide das Gymnasium, Lauchhammer die Realschule, Ruhland die Gesamtschule und Ortrand auch, aber nur so lange, wie die Anmeldezahlen neue 7. Klassen rechtfertigen.

Neubau oder nicht„
In den von der absehbaren Schließung bedrohten Bildungshäusern wirft die Beschlussvorlage einige Fragen auf. Unter Punkt 1.1. ist von der „Einrichtung“ des drei- bis vierzügigen Gymnasiums in Schwarzheide die Rede, nicht von „Errichtung“ . Heißt dies etwa, wenn der Bau des See-Campus wider Erwarten doch nicht kommt, dass das stark sanierungsbedürftige Schwarzheider Gymnasium der bleibende Standort sein wird“ Walter Kroker, Erster Beigeordneter des Landrates, verneint im RUNDSCHAU-Gespräch: „Dann wird es eine neue Diskussion über Schwarzheide und Lauchhammer geben.“
In der Beschlussvorlage steht nichts darüber, dass die betroffenen Schulen zu dem Inhalt des Papiers angehört worden sind. Regine Pursian, Leiterin des Freifrau-von-Löwendal-Gymnasiums in Lauchhammer, das nicht noch einmal per Sondergenehmigung 7. Klassen erhalten soll, bestätigt dies auf Nachfrage. Vielmehr sollen die Schulen jetzt, während die Ausschüsse des Kreistages bereits tagen, bis zum heutigen Tag eine Stellungnahme abgeben. Die Aufforderung dazu kam so spät, dass die Schulkonferenz bei Einhaltung der Ladungsfrist gar nicht tagen konnte. Zudem wird das neue Gremium erst am 22. September, einen Tag vor dem Kreistag, neu gewählt. „Der Beschlussvorschlag zur Standortentscheidung hätte schon im Juni auf den Tisch gemusst“ , meint Regine Pursian. Auch der Kreisschulbeirat sei nicht angehört worden.
Bei derartigen Verwaltungsakten seien nicht das erste Mal so grobe Fehler gemacht worden. Sollte es zu dem angestrebten Schulstandort-Beschluss kommen, werde es wohl betroffene Eltern geben, die ihn anfechten.

Schneller ging es nicht
Laut Walter Kroker konnte der Beschlussvorschlag aufgrund des darin steckenden Arbeitsaufwandes nicht zeitiger vorliegen. Er hofft, dass dennoch viele der abgeforderten Stellungnahmen aus den Schulen heute auf seinem Tisch liegen und das für die Planungssicherheit unbedingt notwendige Papier nicht aus formellen Gründen gekippt wird.
Was die Realschulen angeht, so steht Schwarzheide zur Disposition. Und in Lauchhammer sollen nach Möglichkeit nur noch zwei Klassen besetzt werden. Der Zeitpunkt ist aber offen gelassen worden. Die für das nächste Schuljahr angenommene Schülerzahl (94) gibt aber mindestens drei Züge her. „Wir müssen einen Strich ziehen“ , fordert der Erste Beigeordnete das Verständnis heraus. Die Geburtenzahlen werden weiter abnehmen und 2008/09 ihren Tiefpunkt erreichen. Der erhoffte Beschluss sei deswegen schon ein vorausschauender, um in einem Jahr nicht erneut eine Diskussion lostreten zu müssen.

Realschule protestiert
Die Schwarzheider Justus-von-Liebig-Realschule will sich nicht kampflos ergeben. Am Donnerstag um 16.30 Uhr soll auf dem Wasserturmplatz für deren Erhalt demonstriert werden. Schulleiter Frank Losch nennt die Gründe: „Die Arbeit einer Schule spielt bei dieser politischen Entscheidung keine Rolle. Wir hatten die höchsten Bewerberzahlen. Ich verlange gleiches Recht.“ Er meint damit die Gesamtschule Ortrand, die solange neue 7. Klassen bilden darf, wie die Anmeldezahlen dies erlauben. Frank Losch verweist auf seinen Dienstherrn, Bildungsminister Steffen Reiche. Dieser habe gesagt, dass jene Schulen weiter arbeiten können, die den entsprechenden Zulauf hätten. Der Kreis handele dagegen.
Doch Lauchhammer auch noch die Realschule zu nehmen, hieße, die Stadt in der Sekundarstufe ganz ausbluten zu lassen. Mit Spannung wird jetzt die öffentliche Sitzung des Kreisausschusses erwartet.