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| 15:12 Uhr

Großräschen legt sich voll in die Riemen
Schule lehrt Abc für Leichtmatrosen

Jens Rösler, Lehrer für Sport und Geschichte, Olaf Köckritz, Schulleiter der Friedrich-Hoffmann-Oberschule und Thomas Büsse, ehemaliger Nationaltrainer (v.l.n.r.), sind die Köpfe der neuen Arbeitsgemeinschaft Seesport. Das Sportgerät, der Kutter ZK-10. liegt im Großräschener Hafen vor Anker.
Jens Rösler, Lehrer für Sport und Geschichte, Olaf Köckritz, Schulleiter der Friedrich-Hoffmann-Oberschule und Thomas Büsse, ehemaliger Nationaltrainer (v.l.n.r.), sind die Köpfe der neuen Arbeitsgemeinschaft Seesport. Das Sportgerät, der Kutter ZK-10. liegt im Großräschener Hafen vor Anker. FOTO: Peter Aswendt
Großräschen. In Großräschen legt sich die Oberschule mächtig in die Riemen: Die neue Arbeitsgemeinschaft Seesport wird von einem ehemaligen Ruder-Nationalmannschaftstrainer unterstützt. Von Peter Aswendt

Im Hafen in Großräschen ist kürzlich beim „Kleinen Hafenfest“ zum ersten Mal ein Kutter mit einer prominenten Rudermannschaft an Bord in See gestochen. Fast unbemerkt blieb, dass die Protagonisten der neuen Arbeitsgemeinschaft (AG) Seesport an der Friedrich-Hoffmann-Oberschule in Großräschen, auch kräftig an den Riemen zogen.

„Ich habe mit glänzenden Augen Ja gesagt, als der Bürgermeister mich fragte“, freut sich Thomas Büsse, einer der zwei Verantwortlichen der neuen AG Seesport, noch heute. Gemeinsam mit Jens Rösler, Lehrer für Sport und Geschichte, wird er nach den Sommerferien die Geschicke der jungen Ruderer leiten. Die glänzenden Augen kamen bei Thomas Büsse nicht von ungefähr: „Rudern ist ein wichtiger Teil meines Lebens“, stellt der aus Lingen im Emsland stammende Büsse klar. Mit der längsten Ruderstrecke auf stehendem Wasser, die 233 Kilometer lang war, sicherte er sich auch einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde. Eine seiner größten Herausforderungen als Ruderer bewältigte er als Nationalmannschaftstrainer des deutschen Leichtgewichts-Doppelvierers. Als er die Rudermannschaft bei der Ruderweltmeisterschaft im Jahr 1998 in Köln zur Silbermedaille führte, war das für den passionierten Ruderer ein Höhepunkt seiner Trainerkarriere. Beruflich ist der Diplomingenieur beim Fraunhofer Institut im Chemiepark Schwarzheide tätig und forscht an der Verarbeitungstechnik von Biopolymeren.

Vom Material her ist Thomas Büsse beruflich gar nicht so weit entfernt von dem nagelneuen Sportgerät, dem Ruder- und Segelkutter ZK-10. Der aus glasfaserverstärktem Polyesterharz gefertigte Kutter ist 7,50 Meter lang und 2,15 Meter breit und wiegt dabei nur knapp über 1000 Kilogramm. Wenn die beiden Masten aufgestellt sind, erreicht der Kutter eine Höhe von sieben Metern. Zehn Ruderer und ein Steuermann finden in dem Kutter Platz. Unter den Seesportlern wird der ZK-10 auch als Ostkutter bezeichnet. Der Typ werde nur auf Binnengewässern eingesetzt. Aber trotzdem kostet so ein nagelneuer Kutter ziemlich viel Geld.

Hier hatte Bürgermeister Thomas Zenker wieder einen heißen Draht zu einem Unternehmen, das in seiner Stadt angesiedelt ist. Die Firma Voigt und Schweitzer, ein europaweit tätiger Metallveredler, spendete die notwendigen 65 0000 Euro, um den Seesport in Großräschen anzukurbeln. Mit ihrer deutschlandweiten Ausbildungsinitiative „Mach dein ZINQ“ stehen sie jetzt in großen weißen Buchstaben auf dem stahlblauen Seesportkutter.

„Ich bin mehr dem Judo zugetan“, lacht Schulleiter Olaf Köckritz. „Sport ist aber definitiv persönlichkeitsbildend und wir unterstützen alle Aktivitäten des Seesports“, stellt er klar. Gemeinsam mit Jens Rösler und Thomas Büsse wird in den Ferien am Konzept gefeilt, damit zum Start des neuen Schuljahres eine schlagkräftige Rudermannschaft gefunden werden kann. Von den 280 Schülern des kommenden Schuljahres werden die Klassenstufen sieben bis zehn angesprochen.: „Ab der neunten Klasse bieten wir erstmals das Wahlpflichtfach Sport an, bei dem eine spezielle Seesportausbildung erfolgen wird“, weiß Jens Rösler.

„Das Rudern ist ein Teamsport, und wenn man es gut macht, wird man nicht mal nass“, schmunzelt Thomas Büsse. Er weiß, dass das gemeinschaftliche Kämpfen, aber auch die gemütliche Seeausfahrt sehr viele positive Emotionen bringt. Die Verantwortlichen bauen darauf, dass diese Emotionen auch bei ihren zukünftigen Leichtmatrosen der Schule geweckt werden. „Wir hatten bei der Jungfernfahrt auch schon zwei Schüler dabei, sie werden wohl unsere ersten Mitglieder in der AG sein“, ist sich Sportlehrer Rösler sicher. Gemeint sind Eric Nicklaus und Luca Klein. Die kommenden Zehntklässler waren total begeistert, mit als Erste ihre Stadt von der Seeseite aus zu betrachten. Das Rudern wird zunächst der Schwerpunkt in der Seesport-Ausbildung sein. „Wir werden sehr praxisnah rangehen und weniger ­Theorie machen“, lässt die AG-Leitung durchblicken. Die Möglichkeit des Segelns, die der Kutter bietet, soll später genutzt werden: „Dafür müssen wir auch erst mal Ausbilder finden“, stellt Olaf Köckritz klar.

Auf alle Fälle ist die neue AG Seesport der Friedrich-Hoffmann-Oberschule ein Mehrwert, der weiter den ausgezeichneten Ruf der Bildungseinrichtung festigen wird. In Zukunft ist das blaue Boot mit dem markanten Schriftzug sicherlich ein Markenzeichen des Großräschener Sees.