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| 18:02 Uhr

Streit um Einschulung im Amt Ortrand beigelegt
Schulanfang für Frauendorfer Familien ist noch gerettet

Auch die Erstklässer aus Frauendorf bekommen ihre Zuckertüten nun in der Grundschule Großkmehlen. Der Schulstreit im Amt Ortrand ist beigelegt.
Auch die Erstklässer aus Frauendorf bekommen ihre Zuckertüten nun in der Grundschule Großkmehlen. Der Schulstreit im Amt Ortrand ist beigelegt. FOTO: Jens Kalaene
Frauendorf/Cottbus. Die Gemeinde Großkmehlen findet in letzter Minute eine Lösung im Schulstreit. Alle Erstklässer werden nun doch in der Grundschule Am Schloss eingeschult. Von Kathleen Weser

Der Schulstart für  die neuen Erstklässler aus Frauendorf bei Ortrand ist gerettet. Die Eltern der Abc-Schützen haben einen harten Kampf um die Einschulung ihrer Kinder in Großkmehlen gewonnen.

Überraschend hatten die Familien im Mai die Nachricht erhalten, dass für die Kinder des Dorfes die Platzkapazität in der Grundschule Am Schloss fehle - und der Nachwuchs deshalb nach Ortrand umgelenkt werden müsse.  Dagegen sind die jungen Familien erklärt Sturm gelaufen. Denn Frauendorf gehört ausschließlich zum Schulbezirk Großkmehlen. Und die Familien der Erstklässler sind daher davon ausgegangen, dass ihre Kinder einen Anspruch darauf haben, hier eingeschult zu werden. Zudem lehnen die Frauendorfer die flexible Schuleingangsphase (Flex) ab, in der in Ortrand unterrichtet wird. Da aber auch hier aufgrund der geringen Anzahl der Einschüler nur eine erste Klasse gebildet werden soll, wäre die Wahl der alternativen Beschulung in einer Regelklasse nicht gegeben.

Das Staatliche Schulamt Cottbus sieht den Anspruch auf eine Beschulung im festgelegten Grundschulbezirk zwar ebensowenig für rechtlich haltbar wie die strikte Ablehnung des Flex-Modells. Und eine effiziente Klassenbildung lässt auch vor dem Hintergrund des aktuellen Lehrermangels im Land Brandenburg bei 50 Einschülern definitiv nur zwei erste Klassen – eine in Großkmehlen und eine in Ortrand – zu.  Die Verwaltungsvorschriften sind diesbezüglich eindeutig. Aber der Weg, die Beschulung im eigennen Schulbezirk über die Gerichte durchzusetzen, kostet Zeit und brächte den Kleinen und deren Familien nichts. Denn der Schulstart ist nicht zu verschieben.

Deshalb ist das Aufatmen über die einfache Lösung in letzter Minute groß: Die Grundschule Großkmehlen hat den Antrag, als Schule für gemeinsames Lernen –  also als integratives Bildungshaus für Kinder mit und ohne Behinderungen –  anerkannt zu werden, zunächst zurückgezogen. Damit darf die neue erste Klasse mehr als 25 Kinder aufnehmen. Das sichert, dass nun alle Frauendorfer Kinder in Großkmehlen die Schulbank drücken können.

Der Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben (CDU) zeigt sich höchst zufrieden mit dieser Lösung, die vor allem einen enormen emotionalen Druck von den Eltern nehme. Der Schritt des Schulträgers, der Gemeinde Großkmehlen, zunächst auf das Schulprojekt des gemeinsamen Lernens zu verzichten, löst noch weitere Probleme. Die Gemeinde, die als Schulträger für das integrative Grundschulmodell auch noch Unterrichtsräume im Schloss oder im bestehenden Schulhaus herrichten muss, gewinnt dafür Zeit. Denn noch sind die Voraussetzungen gar nicht gegeben. Die Kinder aus Frauendorf werden mit dem Schulbeginn nicht aus den im Kindergarten gewachsenen sozialen Strukturen gerissen. Das stimmt die Familien zufrieden.

Der Landespolitiker zieht aber auch Konsequenzen für künftiges Handeln aus dem nun beendeten Schulstreit im Amt Ortrand: Die derzeit starren Richtlinien im Bildungssystem müssten flexibler ausgestaltet werden. Denn ohne den Rückzug aus dem Schulmodell des gemeinsamen Lernens hätten rein rechtlich nur 25 Kinder in der neuen ersten Klasse in Großkmehlen beschult werden dürfen, obwohl kein einziger der angemeldeten Erstklässler einen Bedarf an einer integrativen Beschulung hat. Trotzdem wären fast Tatsachen für eine sechsjährige Grundschulzeit an den Bedürfnissen der Kinder und Familien vorbei geschaffen worden, stellt Ingo Senftleben fest.