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Schüler stimmen für den Wechsel

Spaß bei der U 18-Wahl im Friedrich-Engels-Gymnasium: Aileen Schulz (17) und Eric Naundorf (16) haben auch ihre Stimme abgegeben.
Spaß bei der U 18-Wahl im Friedrich-Engels-Gymnasium: Aileen Schulz (17) und Eric Naundorf (16) haben auch ihre Stimme abgegeben. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Die große Koalition ist Geschichte. Zumindest für die Senftenberger Gymnasiasten regieren künftig Linke, SPD und Grüne. Jan Augustin

Die Schüler des Senftenberger Friedrich-Engels-Gymnasiums haben entschieden: Sarah Wagenknecht wird Bundeskanzlerin. Bei der U 18-Wahl im Schulhaus macht Die Linke deutlich das Rennen vor SPD und CDU (siehe Grafik). Die Grünen kommen auf 12,4 Prozent. Mit einer rot-rot-grünen Koalition ist damit aus Schülersicht zu rechnen.

Bei den Direktkandidaten im Wahlkreis 65 gewinnt Michael Stübgen (CDU) knapp vor Hannes Walter (SPD) und Diana Tietze (Linke).

Tausende Schüler aus ganz Deutschland haben eine Woche vor der Bundestagswahl am Donnerstag und Freitag ihre Kreuzchen gesetzt. Auch in Senftenberg, Schwarzheide, Schipkau und Sedlitz flattern Hunderte Stimmzettel in die Urnen. Diese unterscheiden sich dabei nicht von den Formularen, die den erwachsenen Wählern am nächsten Sonntag in die Hand gereicht werden. Auch sonst gleicht die Schüler-Abstimmung einer offiziellen Wahl - mit Urne, Kabine und einem Wahlteam. "Wir wollten das so realitätsnah machen wie möglich", betätigt Eric Naundorf aus Brieske.

Der 16-Jährige ist Wahlleiter am Friedrich-Engels-Gymnasium und wohlgelaunt über Ablauf und Ergebnis. Immerhin liegt die Wahlbeteiligung bei stolzen 87 Prozent. 291 gültige Stimmen der Klassen 9 bis 12 hat das acht Mitglieder starke Wahlteam ausgezählt. "Wir sind sehr zufrieden, es hat genau so funktioniert, wie wir das vorbereitet haben", sagt der Zwölftklässler. Na klar habe er auch gewählt und sich im Vorfeld über Kandidaten und Parteien informiert. Wahlrunden im Fernsehen, der Wahl-O-Mat im Internet, Porträts in der Zeitung und Radio-Interviews - Möglichkeiten, sich eine Meinung zu bilden, gibt es viele, sagt er.

Dieser Meinung schließt sich auch Aileen Schulz aus Brieske an. Sie hat vor allem die bildungspolitischen Schwerpunkte der Parteiprogramme durchforstet. "Viele Parteien wollen Ähnliches, aber keine hat die perfekte Lösung", findet die 17-Jährige, die als Wahlhelferin ihren Anteil an der gut organisierten Wahl hat. "Mich hat das einfach interessiert, und ich wollte mich einfach engagieren", sagt sie und bekommt dafür sogar vom Schulleiter ein dickes Extra-Lob. "Das war perfekt organisiert", urteilt Eckhard Bethge auch in Richtung der Schulsozialarbeiterin Katharina Sickora. "Es ist wichtig, dass die Schüler vorbereitet werden", sagt die 36-Jährige. Bedauerlich sei nur, dass in der Schule oft zu wenig Zeit sei, um aufzuklären. Dem schließt sich auch Wahlleiter Eric Naundorf an. Eine Wochenstunde Politische Bildung in der 9. und zwei in der 10. Klasse seien einfach zu wenig. Falsch sei auch, dass das Fach im Abitur sogar abgewählt werden könne. "Es muss politisch einfach mehr gebildet werden", fordert er.

Zum Thema:
An der Juniorwahl haben sich 130 Schulen in Brandenburg beteiligt. Berechtigt waren Schüler ab der 7. Klasse. 1,8 Millionen Jugendliche haben sich seit 1999 an dieser Wahl beteiligt. Neben der Juniorwahl gibt es die U 18-Wahl. Dafür waren am Freitag 91 Wahllokale in Kinder- und Jugendeinrichtungen, Schulen, Vereinen und Bibliotheken geöffnet. Im Kreis beteiligten sich der Seecampus in Schwarzheide, die Grundschule in Schipkau, in Senftenberg das Gymnasium, die Oberschule, die Förderschule und das Freizeitzentrum Pegasus und das Oberstufenzentrum in Sedlitz.