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Schrauber machen eine Rarität flott

Kevin Hyronimus (25/l.) und Patrick Hurraß (33) sind beste Freunde. Gemeinsam möbeln sie eine NSU Quick auf.
Kevin Hyronimus (25/l.) und Patrick Hurraß (33) sind beste Freunde. Gemeinsam möbeln sie eine NSU Quick auf. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Eine Rarität ist Kevin Hyronimus (25) in Lauchhammer-West in die Moped-Werkstatt gerollt: eine NSU Quick, ein Motorfahrrad des Baujahres 1939. Patrick Hurraß (33), der schon 26 Oldtimer-Gefährte in seiner Sammlung hat, bestätigt: "Das ist wie ein Sechser im Lotto." Kathleen Weser

Der Spaß am Schrauben verbindet Kevin Hyronimus und Patrick Hurraß aus Lauchhammer seit einigen Jahren. Jetzt möbeln sie gemeinsam ein altes Schätzchen auf. Fast liebevoll legen die Männer Hand an an der NSU Qick, einem Leichtkraftrad, das zwar auch viel Rost angesetzt hat - aber grundsätzlich in beneidenswert gutem Originalzustand ist.

Ein Mann aus Lauchhammer war mit dem überraschenden Angebot in Hottes-Moped-Welt gestolpert. Der Vater hatte das Motorfahrrad vor dem Krieg gekauft. Und der Sohn hatte es sicher verwahrt - in der Absicht, das Gefährt irgendwann mal wieder in Gang zu bringen. Das ist ein Wunsch geblieben. Nun aber selbst betagt, konnte er sich trennen. Und Patrick Hurraß, der sich auf die frische Nachricht von Kevin Hyronimus sofort bei einem der Schwarzheider Oldtimerfreunde vergewisserte, funkte zurück: Sofort kaufen. Denn mit Karl-Heinz Genz aus Lauchhammer hatte auch ein Experte bestätigt, das ist ein seltenes Schnäppchen. Er hat übrigens das selbe Modell in der 3-Gang-Ausführung in der Sammlung.

Kevin Hyronimus und Patrick Hurraß machen eine NSU Quick mit einem 2-Gang-Getriebe mit Drehgriffschaltung wieder flott.

Das Leichtkraftrad alter Generation ist ausschließlich schwarz-emailliert mit Zierlinien am Tank und weiteren verchromten Teilen produziert worden. Patrick Hurraß zeigt sich noch unschlüssig, ob das Modell wieder neu in altem Glanz erstrahlen oder als betagtes Original sofort erkennbar bleiben soll. Das Gefährt hatte zunächst Asyl im Partyraum der Mutter gefunden. Doch für eine Feier ist es nun an der frische Luft im Garten geparkt worden. "Bei dem Anblick hat es mir sofort in den Fingern gejuckt. Ich habe den Vergaser sauber gemacht und den Tank aufgefüllt", erzählt Patrick Hurraß - noch nicht ahnend, dass das lange außer Betrieb genommene Fahrzeug damit schon fahrtüchtig war. "Ich habe nur wenige Male die Tretkurbel getreten - und dann sprang der Motor schon an", bestätigt er. "Das hat mich total verblüfft", sagt der Schrauber lachend. Das Gefährt mache ordentlich Krach und erreiche etwa ein Tempo von 60 Kilometern pro Stunde. Aber die Hupe fehlt, warnt Freund Kevin verschmitzt. Auf Trödel- und Teilemärkten werde eine originale Ballhupe aber zu beschaffen sein, zeigt er sich optimistisch.

Die NSU Quick ist sparsam. Der Treibstoffverbrauch liegt bei 1,8 Litern je 100 Kilometer.

Und das sei auch der Reiz für die Leute, das hier zu Lande zu DDR-Zeiten gängige Moped wieder stärker zu nutzen. Das bestätigt der stolze Simson-Werkstattbesitzer. "Ich hatte das Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können", sagt Kevin Hyronimus. Angefangen hatte alles mit einem Nachbarn, der vor etwa 15 Jahren eine Simson in den Sperrmüll stellen wollte. "Er hat mir das Moped angeboten", erzählt der gelernte Baugeräteführer. Die Reparaturanleitung, sein erstes Simson-Buch, habe er praktisch als 10-Jähriger studiert. Später hat er mit Gleichgesinnten einen Verein gegründet. Zu dem ist schließlich auch Patrick Hurraß gestoßen. "Kevin hat mir einen Mitgliedsantrag unter die Nase gelegt", bestätigt er. "Dafür bin ich zum Sammelbesteller für alle Schrauber gemacht worden", kontert Hyronimus. Und das sei eine gute Idee gewesen: "Ich musste mich selbstständig machen", sagt der Inhaber von Hottes-Moped-Welt. Simson und Schwalbe sind für den kurzen Arbeitsweg in der Region wieder groß in Mode. Auch Privatbesitzer lassen Mopeds restaurieren. Derzeit hat Kevin Hyronimus einen Habicht aus Dresden in Arbeit. "Der fehlt mir noch in meiner Sammlung", gesteht Patrick Hurraß. "Aber am liebsten hätte ich ein Opel-Motorrad", sagt er.

Zum Thema:
Das Motorfahrrad NSU Quick ist von 1936 bis 1953 gebaut worden. Weniger als 250 000 der Leichtkrafträder sind auf den deutschen Markt gekommen. Das Gefährt hat vor dem Krieg 290 Reichsmark gekostet und ist nach 1945 bis zum Einstellen der Produktion zwischen 500 und 600 D-Mark gehandelt worden. Hier zu Lande ist das Kraftrad mit Tretkurbel als gut erhaltenes Original eine absolute Rarität.