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Saisonende am Senftenberger See
Schotten dicht nach Regen-Sommer

Expeditours-Mitarbeiter Enrico Krüger reinigt im Hafencamp Großkoschen das Kajütboot „Uschi“ gründlich bevor es in das Winterquartier geschoben wird. Wer zum Saisonende noch einmal aufs Wasser will, hat am Wochenende letztmals in diesem Jahr Gelegenheit dazu.
Expeditours-Mitarbeiter Enrico Krüger reinigt im Hafencamp Großkoschen das Kajütboot „Uschi“ gründlich bevor es in das Winterquartier geschoben wird. Wer zum Saisonende noch einmal aufs Wasser will, hat am Wochenende letztmals in diesem Jahr Gelegenheit dazu. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen
Senftenberg. Die Wassersportsaison geht zu Ende. Schleusenwart Dirk Hartmann hat über den Sommer 6300 Boote zwischen dem Senftenberger und dem Geierswalder See geschleust. Für die Bootsvermieter war es eine durchwachsene Saison. Von Andrea Budich

Der See bereitet sich auf die Winterruhe vor: Die Floß-Flotte liegt in Großkoschen auf dem Trocken-Dock, die beiden Fahrgastschiffe sind schon seit dem 15. Oktober im Winterquartier festgemacht und die drei Bootsvermieter packen langsam ein und machen winterfest. Der Sommer ist durch. Die Boots- und Floßvermieter ziehen einen Strich unter die Saison 2017.

Ein Rekord-Sommer war es nicht, da sind sich alle einig. Von „durchwachsen“ bis „ganz okay“ fallen die Urteile aus. „Das wechselhafte Wetter hat die Urlaubsstimmung und vor allem -planung gedrückt“, bestätigt die Reederin vom Senftenberger See, Marianne Löwa. Insofern kann sie mit der ersten kompletten Saison mit beiden Fahrgastschiffen gut leben, aber es gibt auch noch Luft nach oben. Sowohl die Santa Barbara als auch die „Aqua Phönix“ waren gut gebucht. Es kam sogar vor, dass potenzielle Mitfahrer am Stadthafen Senftenberg nicht zusteigen konnten. Am beliebtesten in der diesjährigen Saison waren die 14.30-Uhr-Tour ab Stadthafen mit dem Solarkatamaran und die 15-Uhr-Tour ab Großkoschen mit der Santa Barbara. An Bord hat Marianne Löwa mit ihrer Crew auch Gästen aus Neuseeland, Australien, Südafrika und Südamerika die Reize des Lausitzer Seenlandes gezeigt. Sieben Mal haben sich Paare auf den Fahrgastschiffen das Ja-Wort gegeben. „Heiraten auf dem See ist Trend“, bestätigt die Reederin. Für 2018 hat sie schon vier feste Buchungen von Brautpaaren und acht Anfragen im Bordbuch stehen.

Mit drei neuen Hille „Malibu“-Booten ist Patrick Deutschbein von der Bootsvermietung Voigt Marine im Stadthafen Senftenberg im Sommer 2017 an den Start gegangen. Das Vermietungs-Geschäft der kleinen Voigt-Flotte, bestehend aus 19 Motor-, Haus-, Party- und Tretbooten, boomt. „An guten Tagen könnten wir zehn weitere Boote gebrauchen“, bestätigt er eine wachsende Nachfrage. Weil immer mehr Freizeit-Seebären merken, dass es spontan von Jahr zu Jahr schwieriger wird, ein Boot zu mieten, gibt es jetzt schon die ersten Reservierungen bis in den Herbst 2018 hinein. Um für den Ansturm noch besser gerüstet zu sein, hat Inhaber Dirk Voigt für die neue Saison zwei kleine Yachten gekauft. Mit Kabine und Küche ausgestattet, können Hobby-Matrosen darauf auch übernachten. Vom Regen-Sommer 2017 ist die Voigt Marine nicht nass geworden. „Wassersport ist nasser Sport“, sagt Patrick Deutschbein. Nur die wenigsten Kunden hätten sich daher von einer gebuchten Tour aufgrund des schlechten Wetters abbringen lassen.

Zufrieden mit der Saison 2017 zeigt sich auch der Herr der Flöße auf dem Senftenberger See, Marcus Schmidt. Obwohl sich die Sonne an vielen Tagen versteckte, registriert LausitzFloß eine gestiegene Nachfrage. Zugenommen haben in diesem Jahr vor allem die Mehrtagesfahrten. Jede zweite Fahrt wird inzwischen als Grill-Fahrt gebucht. Zur LausitzFloss-Flotte gehören fünf Flöße. In den nächsten zwei Jahren soll ein sechstes dazukommen, das vom Rollstuhl aus steuerbar ist. Wenngleich die Floß-Flotte erst Ende April 2018 wieder zu Wasser gelassen wird, sind schon jetzt viele Wochenenden in der kommenden Saison ausgebucht. „Wer mitfahren will, muss sich zeitig kümmern“, bestätigt Jungunternehmer Marcus Schmidt.

Eine durchwachsene Saison, die hätte besser laufen können, liegt indes hinter Manuela Zahn, die sich mit Expeditours im Hafencamp Großkoschen eingemietet hat. „Die Leute wollen das Seenland vom Wasser aus erkunden“, bestätigt sie eine wetterunabhängige steigende Nachfrage nach allen Bootskategorien. Dazu gehören bei Expeditours Kajaks, Kanadier, Ruder-, Segel- und Motorboote. Wenn das Badewetter passt, dann sind die mit Rutsche ausgestatteten Tretboote ein Renner vor allem für Familien. Gestiegen ist im Sommer 2017 auch die Nachfrage nach Stand up Paddling sowie nach Segel- und Motorbootkursen. Dass sich die Freizeitkapitäne ganz ordentlich anstellen, beweist die sehr geringe Kenter-Quote. Auch beim Schleusen im Koschener Kanal komme es nur selten zu Problemen. „Die eine oder andere Schramme bleibt nicht aus“, stellt Manuela Zahn dazu fest. Damit das Schleusen für die Wassersportler noch sicherer wird, wünscht sie sich mehr Festmach-Möglichkeiten für die Boote.

Mit ungeübten Freizeitkapitänen bekommt es Schleusenwart Dirk Hartmann über den Sommer immer wieder einmal zu tun. Das Spektrum dabei reicht von Bootsführern, die das Schleusen auf Anhieb ganz gut hinbekommen, bis zur völligen Ahnungslosigkeit. Wenn Lichtsignale in der Schleuse missachtet werden oder der Weiterschleusungs-Schalter zu schnell betätigt wird, muss Dirk Hartmann reagieren. „Ich schalte dann vom automatischen Betrieb auf Hand um“, erklärt er. 6300 Booten hat Dirk Hartmann in diesem Sommer durch die Schleuse geholfen. An guten Sommertagen kommt er auf mehr als 30 Schleusungen. Einen Einbruch hat es aufgrund des schlechten Wetters im September gegeben. „Es gab deutlich weniger Schleusungen als im September des Vorjahres“, bestätigt Dana Hüttner vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg. Geschleust wird noch bis zum kommenden Dienstag. Auf dem Koschener Kanal ist aber schon längst nicht mehr so viel los wie im Sommer. Höchstens fünf Freizeitkapitäne kommen am Tag noch vorbei. Ab 1. November steckt Dirk Hartmann den Schleusenschlüssel bis zum Frühjahr weg und schaltet die Schleuse ab. Dann heißt es: Schotten dicht bis zum Saisonstart am 1. April 2018.

Der Stadthafen leert sich.  Ab 1. November darf der See nicht mehr befahren werden.
Der Stadthafen leert sich.  Ab 1. November darf der See nicht mehr befahren werden. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen