Kaiser Ferdinand, König von Böhmen, verhandelte im Jahre 1548 mit dem Kurfürsten Joachim von Braunschweig in Frankfurt/ Oder wegen einer Verbindung von der unteren Oder über Berlin zur oberen Elbe. Doch der Plan scheiterte am Widerstand von Kursachsen und Braunschweig.
Im Jahr 1689 tauchte der erste Entwurf eines Elbe-Spree-Kanals auf, durch den Berlin und Dresden auf kurzem Wege miteinander verbunden werden sollten. Die Planung sah eine Strecke von Riesa über Schraden und Ruhland, an Senftenberg vorbei, bis nördlich von Luckau vor. Doch die Umsetzung blieb wiederum aus.
In der südlichen Niederlausitz beginnt die Industrie, mit vielen handwerklichen Betrieben, sich zu entwickeln. Die erste Glashütte entstand 1709, auf Betreiben August des Starken von Sachsen, in Friedrichsthal bei Kostebrau. Knapp hundert Jahre später wird dort die erste Rohbraunkohle gefördert.
Von 1850 bis 1852 wurden die Schwarze- und die Sornoer Elster begradigt und versprachen der Kanalschifffahrt im Kohlerevier von Senftenberg von großem Nutzen zu sein. Im Jahre 1855 mehrt sich die Anzahl von Anmeldungen zur Errichtung von Kohlengruben. Das größte ostdeutsche Braunkohlen-Unternehmen, die „Ilse Bergbau AG“ , wurde im Senftenberger Revier 1871 von Berlin aus gegründet. Die Industrie in der südlichen Niederlausitz wächst rasant, aber mit dem Abtransport der Güter auf dem Landweg, zum Teil noch mit Pferdegespannen, gab es Schwierigkeiten. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurden weitere Reichsbahnstrecken in Betrieb gesetzt: Cottbus-Senftenberg-Großenhain 1870, Lübbenau-Senftenberg-Kamenz 1874, Ruhland-Lauchhammer-Kostebrau 1875 und Senftenberg-Schipkau-Finsterwalde 1887.
Hatte man den Elbe-Spree-Oder-Kanal trotz wirtschaftlichen Aufschwungs aufgegeben? Der begonnene Bau des Oder-Spree-Kanals 1888 mit einem Hafen für Kohle- und Brikettverladung bei Schönfließ, westlich von Fürstenberg, wirkte sich günstig aus. Im Jahre 1895 wurde erneut auf die Notwendigkeit eines Elbe-Spree-Kanals von Riesa oder Mühlberg über Elsterwerda (Kanalisierung der Schwarzen Elster), Ruhland, Senftenberg, Spremberg (Kanalisierung der Spree), Cottbus (Umflutungs-Kanal), sowie Goyatz zum Schwieloch-See hingewiesen. Doch mit der Ablehnung des Mittelland-Kanals 1899 verlor auch das Elbe-Spree-Kanalprojekt wieder an Bedeutung.
Erst im Jahr 1916 wurde von der Handelskammer Cottbus der Auftrag zur Erstellung eines Entwurfs für einen Elbe-Spree-Oder-Kanal übergeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg überarbeitet, lag im Jahr 1925 ein Vorentwurf auf dem Tisch. Vom Reichs-Verkehrsministerium wurde der Handelskammer Cottbus am 27. Juli 1927 die Überprüfung des gesamten Kanalprojektes mit einer Bausumme von 150 Millionen-Reichsmark angeordnet.
Im Januar 1928 wurde in Senftenberg das Preußische Kanalbauamt errichtet. Es erhielt den Auftrag, die Wirtschaftlichkeit des geplanten Kanals zu prüfen. Dabei sollten 1000-Tonnen Schiffe - 8 Meter lang, 9,20 Meter breit und bis zu zwei Meter tief - eingesetzt werden. Die Kanalbreite war mit 30 Meter festgelegt.
Die Kanalführung sollte nach (verkehrs-)technischen und volkswirtschaftlichen Erwägungen erfolgen. Die geologische Beschaffenheit war zu beachten. Mooriges sowie sumpfiges Gelände war zu vermeiden und das Wasser für die Kanalspeisung musste auf billige Weise zugeführt werden können.
Eine Variante war die „Mühlberglinie“ : Von Mühlberg an der Elbe an den Ortschaften Boragk und Nauwalde vorbei, die Eisenbahnstrecken Elsterwerda-Riesa sowie Elsterwerda-Dresden kreuzend und südlich von Elsterwerda in die Schwarze Elster einmündend. Von hier sollte die Mühlberglinie bis Senftenberg über die Schwarze Elster führen, die durch ein Wehr bei Elsterwerda sowie eine Staustufe bei Plessa und Nauendorf (Schwarzheide-Ost) zu kanalisieren gewesen wäre. Umschlagplätze wären für die Plessaer Brikettfabrik, in Mückenberg (Lauchhammer-West) für die Brikettfabrik sowie ein Stahlwerk, in Ruhland für die Brikettfabrik „Viktoria III“ und in Brieske für die Brikettfabrik „Marga“ errichtet worden. Im Bereich des Senftenberger Laugkfelds sollte eine Hafenanlage mit einem Schiffswendeplatz angelegt werden. Die Kanalwasserspeicherung sollte auf der Teilstrecke Senftenberg-Elbe von der einzubindenden Schwarzen- und Sornoer Elster erfolgen.
Bei dieser geplanten Kanalführung stand vor allem das Senftenberger Industrierevier im Mittelpunkt - die Braunkohle mit 156 Grubeneigentümern und 12 500 Arbeitern. Vom Senftenberger-Wendehafen sollte der Kanalverlauf an der Eisenbahnstrecke Senftenberg-Sedlitz entlang bis zum zu errichtenden Umschlagplatz für die Brikettfabrik Grube Ilse führen und von dort, an Sedlitz vorbei in einer Entfernung von einem bis zwei Kilometern entlang der Reichsstraße 169, wobei für Neupetershain für die Glashütten Neupetershain und Welzow ein weiterer Umschlagplatz geplant war. Im Norden von Cottbus sollte eine Hafenanlage mit zwei Gleisanschlüssen errichten werden, da hier ein beachtlicher Umschlagsverkehr erwartet wurde. Dieser 33,6 Kilometer lange Kanalteil von Senftenberg nach Cottbus wäre, mit drei Schleusen und den Schwierigkeiten mit dem Bergbau, der teuerste Abschnitt geworden.
Von Cottbus aus sollte es mittels einer Kanalbrücke über die Spree zum Schwieloch-See bei Goyatz weitergehen, vom nördlichen Ende des Sees dann über die Kanalisierung der Spree über Beeskow, von wo diese mit zwei Kanalarmen in den Oder-Spree-Kanal einmündet. Der nördliche Arm verkürzt den Wasserweg nach Berlin, der südliche führt in Richtung Frankfurt/Oder.
Die teuerste Wasserstraße sei immer noch um die Hälfte billiger als die Bahn, hieß es damals. Der Elbe-Spree-Oder-Kanal sei somit dazu berufen, am Aufbau der Wirtschaft im deutschen Osten mitzuwirken. So sollte der Bau des Kanals 1931 baldigst in die Wege geleitet werden. Doch die Zeit verging und das Dritte Reich übernahm die Macht in Deutschland.
Am 23. September 1933 erfolgte bei Frankfurt/Oder der Spatenstich für eine neue Autobahn, die von nun an Vorrang vor dem Kanalbau hatte. Auch im Autobahnplan war der Elbe-Spree-Oder-Kanal jedoch mit einbezogen worden: 1938 wurde die Autobahnbrücke bei Ruhland mit einer Weite des mittleren Brückensegments von 47 Meter und einer Brückenhöhe von 4,50 Meter festgelegt. Die Autobahn wurde in Betrieb genommen, aber der Elbe-Spree-Oder-Kanal wurde nicht gebaut.
Nun soll in Senftenberg schließlich aber doch ein Hafen entstehen, im Stadtbereich des zu Zeiten der einstigen Planung noch nicht vorhandenen Senftenberger Sees. Ein zweiter Bauplan für einen Elbe-Spree-Oder-Kanal aus dem Jahr 1938, von Dresden nach Frankfurt/Oder, ging übrigens mitten durch den Ort Kleinkoschen.