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"Schönheit auf den zweiten Blick – im Leisen"

Die Schmuckdesignerin Christine Przybilski in ihrer Senftenberger Werkstatt. Mit dem Mundlötrohr kann sie die Hitze und Flamme beim Bearbeiten der Metalle dirigieren. Sie lädt am Sonnabend und Sonntag von 11 bis 18 Uhr zu sich ein.
Die Schmuckdesignerin Christine Przybilski in ihrer Senftenberger Werkstatt. Mit dem Mundlötrohr kann sie die Hitze und Flamme beim Bearbeiten der Metalle dirigieren. Sie lädt am Sonnabend und Sonntag von 11 bis 18 Uhr zu sich ein. FOTO: Heidrun Seidel
Zu einem Kleinod an der alten Senftenberger Kaufhauskreuzung ist die Galerie und Werkstatt von Christine Przybilski geworden. Hierher lädt die studierte Schmuckgestalterin zum Tag der offenen Brandenburger Ateliers ein. Heidrun Seidel

Senftenberg. Der Schmelztiegel winzig, die Form, in die sich das 1100 Grad heiße Silber ergießt, auch. Es geht filigran zu in der Werkstatt der Senftenberger Schmuckgestalterin Christine Przybilski. Und doch wird hier Metall bearbeitet. Das hatte es der heute 62-Jährigen schon als Mädchen angetan. "Andere haben UTP* gehasst, ich habe es geliebt", sagt die sympathische Frau lachend. So war es nicht nur ein Gebot der vom Ur-Urgroßvater Johannes Schroetel im schlesischen Ohlau begründeten Goldschmiede-Familientradition, dass sie die Lehre in der väterlichen Werkstatt in Senftenberg aufgenommen hat. Es war die Leidenschaft, die sie trieb - und die sie schließlich an die Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm führte. Seit 1981 ist die diplomierte Schmuckdesignerin, die Mitglied im Bund der bildenden Künstler Brandenburgs ist, freischaffend in Senftenberg tätig. Sie widmet sich Schmuckarbeiten, aber auch Metallcollagen und Kleinplastiken aus Metall. "Mein Thema ist die Fragilität, das Zerbrechliche", erklärt sie ihr "altes Thema Gitter und Netze". Denn: "Alles ist zerbrechlich, in Sekundenschnelle kann alles total anders sein", verweist sie auf aktuelle Themen wie das Erdbeben in Nepal oder die Flucht und Vertreibung zahlreicher Menschen in der Welt. So könne die Schönheit im Vergänglichen, im Altern und auch im Nichtperfekten entdeckt werden. "Schönheit eben auf den zweiten Blick, im Detail und im Leisen", benennt sie ihren künstlerischen Blickwinkel. So freut sie sich auch darüber, dass für die Sommerwerkstatt der Senftenberger Künstlergruppe Kreis 07 das Thema Fragilität aufgenommen wurde und in das durchaus mehrdeutige Arbeitsmotto "Auf der Kippe" aufgeht.

Doch nun konzentriert sie sich erst einmal auf den Tag des offenen Ateliers. Da zeigt sie nicht nur ihre künstlerische Arbeiten wie neue wunderbare und vor allem einzigartige Schmuckstücke aus Metall, kombiniert mit Edelsteinen, Assamblagen, Metallcollagen. Sie lädt auch wieder die Besucher zum Mitmachen ein. Nach dem "Gestalten aus Draht" in den vergangenen Jahren hat sie sich etwas Neues zum Ausprobieren ausgedacht: Aus Gießwachs können kleine Skulpturen oder Relief modelliert und schließlich nach dem Einbetten in den Gießsand in 925-er Silber gegossen werden. Die vergleichsweise winzig anmutenden Tiegel stehen bereit, Gas und Sauerstoff zum Schmelzen auch. Nun muss nur noch das Wetter stimmen, denn dieses Angebot lässt sich nur im Freien erleben.

*UTP - Unterrichtstag in der Produktion, Fach in der polytechnischen Oberschule in der DDR

Zum Thema:
Stark vertreten sind auch Künstler im Landkreis Elbe-Elster. Angela Willeke zeigt im "Kunst.Haus am See" in Werenzhain Glasskulpturen, Glas-Installationen, Glas-Bilder und grafische Arbeiten. Im Atelierhof Werenzhain sind die Vereinskünstlerinnen mit Malerei, Grafik, Objekten, Fotografien und neuen Medien vertreten. Im Mühlberger Ortsteil Altenau bei E.R.N.A. und Paul Böckelmann wird die Ausstellung "Das Kleine Format" eröffnet. Mit einer Grafik-Druckschau wird Catrin Große in ihrem Atelier am Schloss Doberlug aufwarten. Malerei, Textil und Fotografie präsentiert die Gestalterin Rosemarie Böhmchen im Atelier Rosa in Finsterwalde, Am Wasserturm. Monika Böttger öffnet Haus und Hof in der Dresdner Straße 126, um das Lebenswerk des Finsterwalder Künstlers Eckhard Böttger zu zeigen. Sohn Theo Böttgergibt einen Einblick in seine Arbeiten. In Hohenleipisch zeigt Antje Bräuer Schmuck und Kleinplastik, und in Lindena Elke Gründemann Glasarbeiten und Pozellanunikate. Ararat Haydeyan bietet in der Galerie und dem Skulpturenpark auf Gut Saathain neue Reliefbilder und Plastiken an.