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| 15:41 Uhr

Integration im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Schock nach Meldung aus Cottbus

Abdul Raman (l.) und Moderator Daniele Ferrari erklären bei einem Forum des Deutschen Roten Kreuzes ihre Vorhaben und Ziele.
Abdul Raman (l.) und Moderator Daniele Ferrari erklären bei einem Forum des Deutschen Roten Kreuzes ihre Vorhaben und Ziele. FOTO: Jan Augustin / LR
Senftenberg. In Senftenberg haben Migranten einen neuen Verein gegründet. Er soll eine Brücke zwischen den verschiedenen Kulturen aufbauen - auch damit Vorfälle wie jüngst in Cottbus nicht passieren. Von Jan Augustin

Als Abdul Raman vor zwei Jahren nach Deutschland kommt, spricht er kaum ein Wort Deutsch. Heute ist der anerkannte Flüchtling Dolmetscher und Dozent. Ehrenamtlich arbeitet er als Mitglied im Integrationsbeirat des Landkreises mit. Der 22-Jährige lebt in Senftenberg und hat sich an der BTU für das Wirtschaftsingenieurstudium eingeschrieben. Gemeinsam mit anderen Migranten hat Abdul Raman jetzt den Verein „Maan“ gegründet. Das Wort stammt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie zusammen. „Er soll eine Brücke zwischen der deutschen und der ausländischen Gesellschaft aufbauen. Eine Verbindung herstellen zwischen den Menschen“, erklärt der junge Syrer bei einer Gesprächsrunde beim Deutschen Roten Kreuz in Senftenberg. Der Ortsverband hatte nach den jüngsten Vorfällen zwischen Ausländern und Deutschen in Cottbus zu einem Forum „Kulturelle Vielfalt“ eingeladen. Zehn Gäste lauschten den Ausführungen.

Ziel des Vereins sei es, die eigene Kultur zu zeigen und die deutsche besser verstehen zu können - auch damit feindliche Auseinandersetzungen wie zuletzt in Cottbus erst gar nicht geschehen. „Als ich die Nachricht gehört habe, war ich total schockiert. Das gehört nicht zu uns“, betont Abdul Raman. Anfeindungen sich gegenüber erlebe er zwar auch und sie hätten zugenommen. Gewalttaten, Demonstrationen und Provokationen wie in Cottbus bleiben im Oberspreewald-Lausitz-Kreis aber weitestgehend aus. Daniele Ferrari, Moderator und Ehrenamtskoordinator beim DRK, begründet das unter anderem damit, dass sich in den Großstädten eigene Communities, also Gemeinschaften, gebildet haben. „Alles spielt sich in den großen Städten ab“, sagt der aus Italien stammende Kulturanthropologe.

Im OSL-Kreis leben aktuell 3918 Ausländer, davon haben 1753 Personen einen Flüchtlings-Hintergrund, bestätigt der Leiter des Asyl- und Ausländeramts Harald Schulz. Der Anteil an Ausländern liegt in OSL damit bei knapp 3,5 Prozent, in Cottbus sind es 8,5 Prozent. Der Landesdurchschnitt beträgt 4,5 Prozent. Die Flüchtlingswelle von 2015 und 2016 ist längst abgeebbt. Der Landkreis hat 2017 gerade einmal 134 Asylbewerber aufgenommen, in diesem Jahr ist ihm noch kein einziger zugewiesen worden.

Mit dem „Haus der Kultur und Weisheit“ und mit „Unsere Welt, Eine Welt“ gibt es bisher zwei Vereine von Migranten in OSL, bestätigt die Integrationsbeauftragte Kathrin Tupaj. Nun kommt mit dem Verein „Maan“ ein Dritter hinzu. Am 6. Februar wollen die Initiatoren gemeinsam mit 100 Migranten eine Gründungsveranstaltung im Landratsamt durchführen, erläutert die frisch gewählte Vorsitzende Mariana Kunipatz aus Schwarzheide. Die 53-Jährige stammt aus Malaysia und lebt seit 2001 in Deutschland. Für regelmäßige Treffen suche der Verein nun nach Räumlichkeiten. „Wir brauchen jede Hilfe“, betont sie.

Mariana Kunipatz aus Schwarzheide ist Vorsitzende des neuen Vereins „Maan“.
Mariana Kunipatz aus Schwarzheide ist Vorsitzende des neuen Vereins „Maan“. FOTO: Jan Augustin / LR