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| 12:40 Uhr

RUNDSCHAU-Serie Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Schnörkelloser Einsatz für den Breitensport 

Für BSG-Vereinsmitglieder steht außer Frage: In der Brust von Mario Sachse schlägt ein grün-weißes Herz. Vom Vereinsvorsitzenden ist auch das Emblem der Breitensportgemeinschaft (BSG) mit dem markanten Schnörkel entworfen worden. Dieser symbolisiert die Chemie-Branche und wird auch von anderen Vereinen verwendet.
Für BSG-Vereinsmitglieder steht außer Frage: In der Brust von Mario Sachse schlägt ein grün-weißes Herz. Vom Vereinsvorsitzenden ist auch das Emblem der Breitensportgemeinschaft (BSG) mit dem markanten Schnörkel entworfen worden. Dieser symbolisiert die Chemie-Branche und wird auch von anderen Vereinen verwendet. FOTO: Uwe Hegewald
Schwarzheide. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt, wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Mario Sachse aus Schwarzheide. Von Uwe Hegewald

Aussagend, einprägsam und übersichtlich kommt das Emblem der BSG Chemie Schwarzheide daher. Nur Insider wissen, dass es vom Vereinsvorsitzenden Mario Sachse persönlich entworfen wurde. „Vor einigen Jahren haben wir uns darüber verständigt, zum früheren Vereinsnamen zurückzukehren. Zwischenzeitlich standen unsere sportlichen Aktivitäten unter dem Vereinsnahmen FSV Grün-Weiß Schwarzheide“, erklärt der 41-Jährige.

Vorteil bei den Anfangs-Initialen: Stand BSG früher für Betriebssportgemeinschaft und später für Ballsportgemeinschaft, so ist es heute die Breitensportgemeinschaft. „Das hat mit unserer Ausrichtung zu tun. Bei uns finden alle Interessierten, die Sport treiben wollen, eine offene Tür. Bei Bedarf sind sogar Gründungen von Untersektionen und selbstständigen Abteilungen möglich“, beschreibt Mario Sachse die Vereins-Philosophie.

Sein Blick geht zurück in die Glanzzeiten des 1937 gegründeten Vereins mit über 1000 Mitgliedern und 13 Sektionen. Der Vereinschef weiß um das schier aussichtslose Unterfangen, an frühere Sektions- oder Mitgliederzahlen heran zu reichen. Aber der Verein sei auf einem guten Weg und habe gute Wegbegleiter. Stellvertretend nennt er Julia Richter, die kürzlich eine Tanzfabrik gründete, in der rund 20 junge Mädchen im Alter bis zu zehn Jahren ihren Tanz- und Bewegungshunger stillen. Mittlerweile zählt die BSG über 200 Mitglieder, davon mehr als 80 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Mario Sachse blickt aber auch sportlich-zuversichtlich nach vorn: „Um unseren sehr jungen Vorstand werden wir von vielen beneidet. Wir besitzen moderne Sportanlagen und mit der unmittelbaren Nachbarschaft zum SeeCampus Niederlausitz beste Voraussetzungen“, betont er und richtet ein nochmaliges Dankeschön an die Stadt Schwarzheide. „Fantastisch, was die uns hier hingebaut hat“, so der Vereinschef, den Freunde kurz Figo nennen. In Anlehnung an den früheren Weltfußballer Luis Figo (Portugal), der für Mario Sachse einst ein Idol darstellte. Er selbst fand über den Boxsport (zur Wendezeit Junioren-Bezirksmeister) zum Fußball, wo er heute noch als Trainer und Betreuer tätig ist. Inzwischen hat er sein kickendes Talent an sein Söhne-Trio weitergereicht: Luis (13) sowie die Zwillinge Diego und Miguel (9).

Nachwuchsarbeit besitzt bei den Grün-Weißen einen hohen Stellenwert. Im Idealfall gibt es Vereinsmitglieder wie Christian Kieweg, der maßgeblichen Anteil am Stabilisieren des Vereinsgefüges hat. „Gemeinsam mit Willy Fiedler haben sie die damals Fünfjährigen zusammengezogen, das Einmaleins des Fußballspielens vermittelt, sind in den Wettkampfbetrieb eingestiegen und trainieren den Nachwuchs bis heute“, erteilt Mario Sachse dem Duo einen verbalen Ritterschlag.

Als nützlich und vielversprechend hat sich die Kooperation mit dem FSV Lauchhammer erwiesen, mit dem die BSG Grün-Weiß Schwarzheide bei Bedarf Spielgemeinschaften pflegt. Ohne diese würde den Nachwuchs-Kickern Spielpraxis und im Anschluss möglicherweise die Lust am Fußball verloren gehen, begründet der Vereinschef die generelle Zusammenarbeit mit anderen Vereinen. Mario Sachse sieht es als primäres Ziel, alle verfügbaren Kräfte und Mittel in die Nachwuchsarbeit zu stecken. „Die Männer müssen sich selber tragen“, erklärt er und macht das am verfügbaren Einkommen fest.

In Schwarzheide aufgewachsen, war es seinerzeit naheliegend, bei der BASF anzuheuern, wo er heute als angestellter Handwerker tätig ist. Loyalität und verbundene Traditionen zum Lausitzer Chemie-Riesen spielten auch beim Gestalten des neuen Vereinslogos mit dem zentralen Schnörkel eine Rolle. „Es handelt sich dabei um das bereits zu DDR-Zeiten gern verwendete Chemie-Symbol, wie es auch im Emblem der BSG Chemie Leipzig zu finden ist“, verweist Mario Sachse auf Parallelen zu den Namensvettern in Mitteldeutschland.

Verbundenheit zum Verein, den er seit 2007 führt, das Engagement sowie die auffallende Ausrichtung auf die Jugendarbeit und den Breitensport haben dazu beigetragen, ihn für den Ehrenamtspreis 2017 des Landkreises Oberspreewald-Lausitz zu nominieren. „Ich wusste im Vorfeld nichts von der Auszeichnung, umso mehr war ich über die Einladung zur Feierstunde überrascht“, erzählt er. In der Laudatio besonders hervorgehoben wurden seine Arbeit sowie die Aktivitäten in der zum Verein gehörenden Tanzfabrik. Dort würden die motorischen Fähigkeiten von Kleinkindern gefördert, aber auch Teamfähigkeit und soziale Kompetenz vermittelt. Unerwähnt, aber unbestritten: Jegliches Wirken geht nur mit der verständnisvollen Lebensgefährtin Birgit Socher in der Familie mit vier fußballverrückten Männern.