Von Andrea Budich

Tatort Großräschen. Für  Kleinkriminelle, Gangster und Ganoven kein wirklich interessantes Pflaster für die ganz großen Coups.  In Großräschen scheint die Welt noch in Ordnung: klein und verschlafen. Die Gefahr, in Großräschen Opfer  von Kriminalität  zu werden, ist  vergleichsweise gering. Aber auch wenn die Zahl der Straftaten sinkt und es weniger  Einbrüche und Diebstähle gibt, über die Sicherheitslage in Großräschen  sagt die  Polizeistatistik nicht alles aus. Denn erfasst werden nur die angezeigten Straftaten.

Von den drei Einbrüchen auf seinen Baustellen hat  Großräschens Bauunternehmer Frank Strohmeier nur einen bei der Polizei angezeigt. Nachdem die erste Strafanzeige nach einem Vierteljahr kommentarlos von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde, hat der Firmenchef entnervt beschlossen, sich nicht mehr zu melden. „Das kostet erheblich Zeit. Wenn am Ende nichts rauskommt, fragt man sich doch, wofür“, erklärt Strohmeier bei einem Gespräch mit Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) im Haus Vier in Großräschen.

Mit dieser Aussage relativieren sich die sechs Diebstähle von Großräschener Baustellen, die in der aktuellen Polizei-Statistik für das Jahr 2018 aufgeführt sind. Dass zahlreiche Straftaten niemals in der Statistik auftauchen, weiß auch Sven Bogacz. Der Leiter der Polizeidirektion Süd mit Sitz in Cottbus appelliert dennoch  an Großräschens  Unternehmer, sich nicht entmutigen zu lassen. Auch das  dritte geklaute Fahrrad sollte angezeigt werden, wenngleich der Schaden von der Versicherung nicht mehr getragen wird. „Es lohnt sich trotzdem“, gibt er einen kleinen Einblick in den Alltag der  Ermittler. Jede Anzeige  landet danach im Polizeisystem. Diebesgut, das  nach einem Jahr  irgendwo auftaucht, kann nur so sicher zugeordnet werden. Jeden Einbruch, jeden Diebstahl anzuzeigen, habe zudem am Ende auch Auswirkungen auf das Strafmaß der Täter.

Die Zahlen in der Polizeistatistik spiegeln auch für Thomas Adam, Chef der Lausitzer Gartenwelt, nur die halbe Wahrheit wider. Über die Sicherheitslage in der Kleinstadt zeigt sich Adam frustriert. Seit 1990 hat es in seinem Gartencenter 70 Einbrüche gegeben. Weihnachten 2017  wurde unter dem Überdach des Gartencenters eine Farb-Bombe gezündet. Den Vorfall hat  Adam über die Internetwache angezeigt. Erst nach sechs Wochen kam die erste Reaktion mit der Aufforderung, Bilder zu schicken.

Seit einem Jahr herrscht Ruhe rund um das Gartencenter. Ob es  daran liegt, dass der Firmenchef den Eigenschutz verbessert hat  oder dass zahlreiche Intensivtäter aus der Region inzwischen hinter  Schloss und Riegel sitzen, kann Adam nicht bewerten. Er wünscht sich aber, dass in Großräschen mehr Polizei auf der Straße zu sehen ist.

Die Zahl der Polizisten in den Streifenwagen ist dafür aber noch nicht ausreichend. Das bestätigt der Leiter der Polizeiinspektion OSL, Polizeioberrat Rüdiger Schiesko. 15 Stellen sind in der Senftenberger Inspektion unbesetzt. In der Polizeidirektion Süd fehlen sogar 80 Beamte. Innenminister Schröter bittet die Gewerbetreibenden noch um etwas Geduld. In zwei Jahren, so wiederholt er mehrfach an diesem Abend, sind alle Planstellen im Wach- und Wechseldienst besetzt.