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| 17:02 Uhr

Naturschutz
Schlangenbiss hilft dem Naturschutz

Die Kreuzotter ist höchst selten geworden im angestammten Lebensraum an der Schwarzen Elster.
Die Kreuzotter ist höchst selten geworden im angestammten Lebensraum an der Schwarzen Elster. FOTO: dpa-tmn / Schneverdingen Touristik
Ruhland. Derzeit suchen Experten nach den letzten Kreuzottern der Lausitz. Manchmal verstecken sich die Reptilien im Garten und beißen zu. Von Torsten Richter-Zippack

Diesen einen Tag im Juni 2017 dürfte Monika Kirst ihr Leben lang nicht mehr vergessen. Ausgerechnet im eigenen Garten in der Sparte Heimatruh ist die Senftenbergerin auf ein gefährliches Tier gestoßen. „Ich wollte den Wasserschlauch aufrollen und habe dazu in die Bohnenpflanzen gegriffen. Irgendetwas raschelte, ganz kurz war ein Kopf und ein sich schlängelnder Körper zu sehen, mehr nicht. Nach rund vier Stunden wurde mein linkes Bein plötzlich ganz dick und verfärbte sich dunkelviolett. Damit begann meine Tortur.“ Monika Kirst wusste zu jener Zeit noch nicht, dass sie von einer Kreuzotter, einer der beiden in Deutschland heimischen Giftschlangen, gebissen worden war. Über mehrere Ärzte landete sie schließlich bei einem Mediziner in Brieske. „Der rief im Giftzentrum an, beschrieb die Symptome, und letztendlich war klar, das es sich um das Gift einer Kreuzotter handeln musste“, berichtet die Senftenbergerin. Letztlich seien ihre Beschwerden dann schnell abgeklungen. Gesundheitliche Dauerschäden gebe es keine.

Für den Naturschutz ist der Kreuzotter-Biss indes eine spannende Angelegenheit. So konnte das Reptil in Senftenberg nachgewiesen werden. Bereits seit längerer Zeit suchen Experten diese Schlangenart im OSL-Kreis. Waren Kreuzottern früher sehr verbreitet, gelten sie heute in Brandenburg vom Aussterben bedroht. „Umso wichtiger ist daher zu wissen, ob und wie viele dieser Schlangen bei uns noch leben“, fasst Jürgen Jentsch von der OSL-Naturschutzbehörde zusammen. Vor gut zwei Jahren hatte das Landesamt für Umwelt (LfU) den Stein ins Rollen gebracht. Durch einen Aufruf an die Bevölkerung gingen rund 50 Meldungen beim Landkreis ein, berichtet Jentsch. Bis jetzt seien sieben Schlangenstandorte nachgewiesen worden. Der Schwerpunkt befinde sich in der Brandenburger Oberlausitz, also dem Landstrich zwischen Schwarzer Elster und Pulsnitz. Der Berliner Reptilenexperte Norbert Otte, der für die Behörde die Such- und Kartierungsarbeiten vornimmt, will geografisch nicht konkreter werden. „Im Havelland, neben der Niederlausitz der zweite Kreuzotter-Schwerpunkt Brandenburgs, wurde eine Population nach ihrem öffentlichen Bekanntwerden innerhalb von zwei Jahren weggefangen. Dafür haben wir eindeutige Belege.“ In einer Population können durchaus rund 30 erwachsene Tiere leben. Brandenburgweit sei nur noch ein knappes Dutzend dieser Schlangenfamilien bekannt.

Ende Mai kommt Norbert Otte wieder in die Region und nimmt sich die Ruhlander Heide vor. Zehn Standorte wolle er dort anfahren. Dort gebe es verschiedene Einzelnachweise, darüber hinaus Hinweise aus den 1990er-Jahren. Und dann existieren noch historische Aspekte. So soll eigenen Recherchen zufolge vor rund 100 Jahren ein Elsterwerdaer Apotheker regelmäßig rund um das Frauendorfer Vorwerk Waidmannsruh Kreuzottern gefangen haben, um deren Gift für medizinische Zwecke zu gewinnen. Das berichtet der Volksmund. Jedenfalls ist die Gegend südlich der Elster für Schlangen prädestiniert. Dort gibt es große Wälder mit vermoorten Torfflächen, Heideareale sowie eine relative Ungestörtheit.

Genau an diesen Lebensräumen mangelt es in der heutigen, intensiv genutzten Landschaft. Daraus resultiert ein massiver Schlangenrückgang. Nicht zuletzt bereiten viele Fressfeinde, beispielsweise die nicht heimischen Waschbären, den Kreuzottern massive Probleme. Die jetzigen Kartierungen der Schlangen-Standorte dienen für ein künftiges Artenhilfsprogramm Kreuzotter für Südbrandenburg, teilt Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt mit. Daraus würden sich Maßnahmen für eine Verbesserung der Lebensräume ableiten. Inzwischen haben die Naturschützer vor Ort bereits Hand angelegt. An einem Teich im OSL-Süden wurde laut Jürgen Jentsch schon das aufgekommene Gebüsch beseitigt, um den Kreuzottern ausreichend sonnige Lebensräume zu bieten. Denn dort fühlen sich auch die wichtigsten Speisetiere der Schlangen wohl, nämlich die wärmeliebenden Eidechsen.