Das Verfahren gegen den dreifachen Vater wurde nach gut einer halben Stunde eingestellt. Der 37-Jährige muss 100 Sozialstunden leisten. Gegen einen Freispruch spreche der Fakt - so argumentiert die Staatsanwaltschaft - dass Andreas P. (Name geändert) seinem damaligen Nachbarn ins Gesicht geschlagen hat. Es habe auch keine Notwehr vorgelegen. Andreas P. räumt einen Schlag mit der flachen Hand auch ein. Mit der Entscheidung des Amtsgerichtes könne er gut leben.

An einem Sommermorgen vor anderthalb Jahren steht der Beschuldigte vor der Tür seines Nachbarn. Ihn will er zur Rede stellen, weil dieser ihm, so erklärt es Andreas P. vor dem Strafgericht, seine neu angeschaffte Couch aufgeschlitzt und eine Satellitenschüssel zerstört haben soll. Außerdem soll ein Kinderfenster von oben bis unten besudelt gewesen sein.

Der Nachbar - er sitzt als Zeuge auch im Gerichtsaal - habe die Tür geöffnet und mit seinem Hund und einer Eisenstange in der Hand vor ihm gestanden. "Ich bin davon ausgegangen, dass ich die Stange über den Kopf kriege. Da habe ich Panik bekommen", erklärt Andreas P. Auf die Frage, wie er die Sachbeschädigung bezahlen wolle, habe er von seinem Nachbarn nur eine "patzige Antwort" bekommen. Dann habe der Nachbar angefangen, ihn zu bedrohen. Mit dem Schlag ins Gesicht endet der Tathergang, zumindest für Andreas P.

Das vermeintliche Opfer indes schildert, dass er noch mehrere Schläge auf den Kopf bekommen habe. Ein ärztliches Gutachten bestätigt sogar weitere Wunden am Kopf, Schnittverletzungen allerdings. Am gleichen Tag sei er noch zu seiner Hausärztin gegangen, die ihm geraten habe, wegen der Schmerzen im Brustbereich bei der Notaufnahme vorzusprechen.

Im Gerichtssaal macht der 38-jährige Zeuge nun eine widersprüchliche Aussage. Erst sei er am gleichen Tag in die Notaufnahme gegangen. Nach einer Frage von Richterin Anett Winkler sagt er dann, es sei ein Tag später gewesen. Fakt ist aber, dass der Zeuge erst drei Tage danach in der Notaufnahme war. Das Datum auf der Krankenakte belegt das. Von wem die anderen Verletzungen nun verursacht wurden, kann das Gericht nicht klären. Aussage bleibt gegen Aussage stehen. Dass er für die Sachbeschädigungen verantwortlich sei, bestreitet der Nachbar. "Ich habe nichts kaputt gemacht", sagt er.

Warum Andreas P. nicht zivilrechtlich gegen seinen Nachbarn vorgeht, begründet dieser mit dem hohen finanziellen Aufwand, der dahinter steckt. Maximal 340 Euro bekommt der Hartz-IV-Empänger aus Brieske für einen Job bei einem Umzugsunternehmen, neben den Sozialleistungen vom Amt. Andreas P., der nach der Trennung von seiner Frau die drei Kinder allein großzieht, klingt darum auch erleichtert, dass das Verfahren eingestellt wird und er keine Geldstrafe zahlen muss. "Ich habe kein Geld, da gehe ich lieber arbeiten", sagt er.

"Es war nicht gerade die klügste Entscheidung ihres Lebens gewesen", fasst Richterin Anett Winkler zusammen. Andreas P. bestätigt auch das.