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Schipkau ist raus: kein Sorbenland

Für Schipkau ist es amtlich: Die Gemeinde mit der gut frequentierten Ladenstraße gehört nicht zum sorbisch/wendischen Siedlungsgebiet.
Für Schipkau ist es amtlich: Die Gemeinde mit der gut frequentierten Ladenstraße gehört nicht zum sorbisch/wendischen Siedlungsgebiet. FOTO: str1
Schipkau. Die vom Rat der Sorben und Wenden angestrebte und im Vorjahr offiziell beantragte Aufnahme der Großgemeinde Schipkau in das Siedlungsgebiet der Minderheit ist vom Tisch. Das hat Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU) am Mittwoch der RUNDSCHAU bestätigt. Andrea Budich

Das Schreiben mit der Entscheidung, dass Schipkau nicht zum sorbisch-wendischen Siedlungsgebiet gehört, ist jetzt im Klettwitzer Rathaus eingetroffen. "Wir haben das mit Erleichterung aufgenommen. Denn sorbisch-wendische Strukturen existieren im Gemeindegebiet schon lange nicht mehr", erklärt Prietzel. Dem Bürgermeister ist damit ein Stein vom Herzen gefallen. "Befürchtete Kosten für neue Straßenschilder und sorbisch/wendische Dolmetscher in der Verwaltung sind damit hinfällig", sagt er am Telefon.

Die Landesregierung hat nach dem Votum von Schipkaus Gemeindevertretern im Oktober des Vorjahres die Argumente geprüft und für richtig befunden. Der Landtag hat danach in letzter Instanz beschlossen, dass Schipkau nicht zum sorbisch-wendischen Siedlungsgebiet gezählt wird.

Schipkau war mit seinen heutigen Ortsteilen eine der Keimzellen des Lausitzer Bergbaus, der ab 1860 Tausende neue Einwohner aus ganz Deutschland und Polen anzog. "Seither existiert keine wendisch dominierte Einwohnerschaft mit eigener Sprache und Kultur mehr", erklärt Prietzel. Darüber hinaus hatten Schipkaus Gemeindevertreter auch die stückhafte Abgrenzung der Kommunen, die künftig zum Siedlungsgebiet zählen sollen, kritisiert. "Früher reichte der Siedlungsraum bis an Elbe und Saale. Heute ist schon hinter Schipkau Schluss", so der Bauausschuss-Chef Hans-Jürgen Fichte.

Während die Schipkauer nach dem amtlichen Bescheid erleichtert aufatmen, wird in Großrä schen auf das Prüfergebnis noch gewartet. Auch die Seestadt hatte sich im November klar dafür ausgesprochen, nicht sorbisch/wendisch sein zu wollen.