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| 02:43 Uhr

Schicksal schlägt gleich doppelt zu

Nach zwei Schicksalsschlägen ist es für Rosi Hoffmann (l.) wichtig zu wissen, nicht allein zu sein. Mit Tochter Marleen geht sie den schwierigen Weg gemeinsam mit Christel Friedrich (r.), die vor zehn Jahren die regionale Verbandsgruppe begründet hat. Mischlingshündin Lola gehört neu zur Familie.
Nach zwei Schicksalsschlägen ist es für Rosi Hoffmann (l.) wichtig zu wissen, nicht allein zu sein. Mit Tochter Marleen geht sie den schwierigen Weg gemeinsam mit Christel Friedrich (r.), die vor zehn Jahren die regionale Verbandsgruppe begründet hat. Mischlingshündin Lola gehört neu zur Familie. FOTO: Rasche/str1
Senftenberg. Mit der von ihr gegründeten Selbsthilfegruppe für Schädel-Hirnpatienten gibt Christel Friedrich Angehörigen Sicherheit, um mit ihrer eigenen Hilflosigkeit umgehen zu können. Andrea Budich

Das Schicksal hat bei der EU-Rentnerin Rosi Hoffmann aus Senftenberg doppelt zugeschlagen. Auf den schweren Arbeitsunfall ihres Mannes folgt die schwere Erkrankung ihrer Tochter Marleen. Die 55-Jährige hat sich davon nie aus der Bahn werfen lassen. Die Frau aus dem Bergbau ist eine Kämpferin durch und durch. Sie verkriecht sich nicht, sie sucht nach Gleichgesinnten, um sich über Schwierigkeiten und Ängste auszutauschen und gemeinsam Wege zu finden, mit der neuen Lebenssituation umzugehen. Rosi Hoffmann will raus und landet bei der Regionalen Gruppe des Bundesverbandes Schädel-Hirnpatienten in Not. Seitdem fühlt sie sich nicht mehr ausgeschlossen, sondern aufgenommen.

"Genau das ist unser Ziel", sagt Christel Friedrich, die Vorsitzende der Regionalen Verbandsgruppe. Schmerzliche Ereignisse und ähnliche Schicksale haben die Mitglieder zusammengeführt. Für alle ist gleichermaßen wichtig zu wissen, dass man nicht alleine ist in Extremsituationen, wie sie sie erlebt haben. "Wir wollen diesen Weg gemeinsam gehen", sagt Christel Friedrich.

Dabei ist die Hosenaerin selbst Betroffene. Ihr Leben wurde am 4. Juli 2004 mit Brachialgewalt aus den Fugen gerissen. An diesem Tag verunglückte ihr Sohn Ingo - damals 27-jährig - schwer. Wochenlang schwebte er zwischen Leben und Tod. Heute ist Ingo schwer behindert und ein Pflegefall. Für die Familie gab es seitdem mehr Tiefs als Hochs. "Aber alle Hürden haben uns stärker gemacht", sagt Christel Friedrich. Als ihr Sohn verunglückte, gab es die nächste Selbsthilfegruppe in Dresden. Für Betroffene viel zu weit weg. "Also habe ich mich gekümmert und selbst was in der Heimat auf die Beine gestellt", erinnert sie sich an die Anfänge in Senftenberg.

Rosi Hoffmann hat mithilfe der Verbandsgruppe neuen Mut und Zuversicht gefunden. Das Schicksal hat der Senftenbergerin einen Doppelschlag versetzt. Im Jahr 2006 verunglückt ihr Lebenspartner auf dem Bau schwer. Er liegt danach acht Jahre im Wachkoma. "Die Hoffnung war immer da. Er ist aber nie wieder aufgewacht", erzählt sie. Vor drei Jahren ist ihr Partner dann verstorben.

Tochter Marleen hat eine sehr seltene Krankheit. Die Ärzte diagnostizierten bei der 19-Jährigen eine mitochondriale Stoffwechselstörung. Der Atmungskettendefekt beruht auf einem Gendefekt. Mutter Rosi Hoffmann indes hat ihre eigene Theorie. Ihre Marleen war gesund bis zur Zeckenimpfung, die sie als Vierjährige bekam. "Danach hat Marleen sichtbar abgebaut, kam im Kindergarten nicht mehr aus der Hocke hoch und kippte einfach um", erinnert sie sich. Für sie war die Vorsorgeimpfung vor einer Kur im tiefsten Bayern zumindest Auslöser der schweren Krankheit, die heute das Familienleben überschattet. Auf den Rollstuhl angewiesen ist Marleen, seit sie sechs Jahre alt ist. Ein Sprachcomputer, der auf Augensteuerung reagiert, hilft ihr beim Kommunizieren.

Mutter und Tochter haben in der von Christel Friedrich geleiteten Gruppe ein zweites Zuhause gefunden. "Gemeinsam ist es leichter, das Schicksal zu ertragen", erklärt Rosi Hoffmann, warum sie selten bei den monatlichen Zusammenkünften fehlt.