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| 08:00 Uhr

Meine Heimat Oberspreewald-Lausitz
Die Berufung zum Hobby gemacht

 Sechs Rollen sind es, die Jennifer Natusch (M.) bei der derzeitigen Aufführung der „Olsenbande Teil III“ der Bunten Bühne Lübbenau besetzt. So etwa beim Gesangstrio an der Seite von Regine Lehmann Lauenburg (l.) und Steffi Gomola (r.). Wenn es mal nicht zu Proben und Aufführungen geht oder zur Arbeit ins Schulverwaltungsamt nach Lübben, genießt Jennifer Natusch die Momente mit ihrem Peppi, einem aufgeweckten Biewer Yorkshire Terrier.
Sechs Rollen sind es, die Jennifer Natusch (M.) bei der derzeitigen Aufführung der „Olsenbande Teil III“ der Bunten Bühne Lübbenau besetzt. So etwa beim Gesangstrio an der Seite von Regine Lehmann Lauenburg (l.) und Steffi Gomola (r.). Wenn es mal nicht zu Proben und Aufführungen geht oder zur Arbeit ins Schulverwaltungsamt nach Lübben, genießt Jennifer Natusch die Momente mit ihrem Peppi, einem aufgeweckten Biewer Yorkshire Terrier. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Jennifer Natusch (Lübbenau). Von Uwe Hegewald

„Die Olsenbande – Teil III“ sorgt derzeit für ausverkaufte Vorstellungen im „Theater im Grünen“ in Groß Beuchow. Nachvollziehbar, wird dem Ensemble doch nachgesagt, viele Charaktere des dänischen Gaunertrios noch authentischer darzustellen als die Film-Originale. Matthias Greupner (Egon), Nico Bobrzik (Benny), Michael Apel (Kjeld) oder Sylvia Burza (Yvonne) gehen diesbezüglich mit bestem Beispiel voran. „Das sind halt Berufsschauspieler. Die haben ihr Handwerk gelernt“, bestätigt Jennifer Natusch, von Freunden und Bekannten kurz Jenny genannt.

Die 24-Jährige zählt zu den Laien-Schauspielerinnen des Stückes bei dem Matthias Härtig Regie führt. Wobei der Begriff Laie nicht im Ansatz das trifft, was sie und ihre Schauspielerkollegen auf die Bühne bringen. Stichpunkt Mehrfachbesetzung. Jenny Natusch zählt auf: Journalistin, Kind, Reinigungskraft, Polizist, Frau mit Schirm und Gesangstrio, an der Seite von Regine Lehmann Lauenburg und Steffi Gomola.

Mehrfachbesetzung heißt auch mehrfaches Wechseln der Garderobe. „Da gibt es bei den ersten Aufführungen mitunter ein heilloses Durcheinander. Manchmal genügt schon, wenn von mehreren Schauspielern genutzte Requisiten nicht am ausgewiesenen Platz zurückgelegt werden und das große Suchen beginnt“, plaudert die Lübbenauerin aus dem Nähkästchen. Um eine Grundordnung hinzubekommen, wird jedem der insgesamt 16 Mitwirkenden hinter der Bühne ein Stuhl samt Kleiderständer zugeordnet. Mit jeder Aufführung würden die Momente hinter der Bühne strukturierter.

Was bleibt, ist das Lampenfieber. „Das gehört dazu. Auch, um einschleifender Routine entgegenzuwirken und um die nötige Konzentration und Spannung aufrecht zu erhalten“, erklärt Jenny Natusch.

Sie hatte bereits bei dem vorangegangenen Olsenbande-Stück 2018 mitgewirkt und ist auch sonst regelmäßig auf der (Bunten) Bühne von Lübbenau zu sehen. So etwa in der „Spreewald-Pension“ oder vorangegangenen Sommertheater-Aufführungen, die zwischenzeitlich in dem inzwischen abgerissenen Plus-Markt in der Lübbenauer Neustadt aufgeführt worden waren. „Männer – das volle Programm“ „Fragile – Vorsicht zerbrechlich“ oder „Die Welle“ lauten Stücke, bei denen die Lübbenauerin mitgewirkt hat.

Angefangen habe alles mit einer Anfrage der Bunten Bühne, die 2011 für „Die Welle“ noch weibliche Schauspielerinnen suchte. „Ich habe mich daraufhin dem Theater vorgestellt, zumal ich am Paul-Fahlisch-Gymnasium bereits in der AG ‚Darstellendes Spiel’ erste Erfahrungen gesammelt habe“, begründet sie.Zum Theaterjugendclub der Bunten Bühne war es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Eine Zeit, an die sie gerne zurück denkt. „Mit Sylvia Burza und Matthias Greupner, die den Club leiteten hatten wir professionelle Schauspieler und Lehrmeister an unserer Seite. Das familiäre Miteinander hat sich ständig weiterentwickelt“, sagt sie und führt zwei Beispiele an: gemeinsame Camping-Ausflüge oder Theaterbesuche. „Kürzlich sind wir nach Kriebstein (Mittelsachsen) gefahren, um uns auf der Seebühne die Operette ‚Frau Luna’ anzuschauen.“

Jenny Natusch genießt die Augenblicke auf, aber auch vor der Bühne, was mit einer „positiven Vorbelastung“ in Zusammenhang steht. Mit einer Musikschullehrerin als Mutter, wurden ihr musikalisches und schauspielerisches Talent quasi in die Wiege gelegt. Blockflöte, Klavier und Gitarre zählen zu den Instrumenten, die sie erlernt hat und zu denen sie bei Gelegenheit greift. „Schwerpunkte bildeten jedoch die Gesangsausbildung und das Musizieren mit dem Akkordeon an der Musikschule Fröhlich“, so die Allrounderin, die ein Jahr am Landesgymnasium für Musik, in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) die Schulbank drückte.

Nach einem Jahr Internatsleben musste sie aufgrund einer Erkrankung die Eliteschule verlassen und kehrte nach Lübbenau zurück. Eine große Gesangs- oder Schauspielkarriere strebte die 24-Jährige ohnehin nicht an. „Theater soll mein Hobby bleiben. Manche Berufsschauspieler laufen auch Gefahr, dass ihnen die Freude an der Schauspielerei verloren geht oder Engagements ausbleiben“, begründet sie.

Mit einer fundierten Ausbildung und der anschließenden Übernahme ins Schulverwaltungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald (Lübben) hat sie sich für einen dauerhaften Job im Verwaltungsdienst entschieden. Ohne dabei ihre drei großen Leidenschaften aus den Augen zu verlieren: Freund Marcel, Theater und Handball. „Gerne wäre ich im Juli beim Gastspiel der Berliner Füchse in Lübbenau dabei gewesen, aber ich hatte Aufführung in der Mehrzweckhalle von Groß Beuchow“, sagt Jenny Natusch und weiß genau, wer ihr diesen Streich eingebrockt hat. Die Olsenbande.