Von Mirko Sattler

Genau 1550 Grad Celsius muss das Metall heiß sein, bevor Harry Bartzsch und seine Mitstreiter es in die Formen gießen können – und das vor allerlei Zuschauern. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit fand am Dienstag in der Kunstgießerei Lauchhammer ein Schaugießen für interessierte Bürger statt. „Wir gießen nicht jeden Tag, sondern sammeln. Damit es sich lohnt, müssen schon 120 Kilogramm flüssiges Metall zusammen kommen. Deshalb kann es schon einmal passieren, das einige Aufträge ein paar Tage liegen“, berichtet der Gießereifacharbeiter, der seit 1977 als Wachsformer tätig ist.

Genau 15 Gussteile stehen am Dienstag auf der Liste. Das kleinste ist gerade einmal gut zehn Zentimeter lang, das größte – eine Grabfigur vom Bildhauer Gotthelf Schlotter – gut einen Meter hoch.

Derzeit ist der Bedarf an Schinkel-Teilen sehr groß. Bis auf die Grab­figur sind nämlich die restlichen Gusselemente des Tages alle von dem preußischen Baumeister und Architekten Karl Friedrich Schinkel entworfen worden oder gehören in diese Kategorie. Wie zum Beispiel die Tischbeine, die extra gegossen werden und zu einer 80 Zentimeter großen Tischplatte gehören.

Im Gegensatz zu Bronze, wo das flüssige Metall eine Temperatur von etwas über 1200 Grad Celsius haben muss, müssen die Gießereifacharbeiter um Harry Bartzsch diesmal den Ofen etwas höher heizen, damit das Eisen, welches diesmal verwendet wird, auch die richtige Gießtemperatur erreicht. Innerhalb von 15 Minuten erhöht sich die Temperatur des flüssigen Eisens um 150 Grad Celsius. Bevor der eigentliche Gießvorgang jedoch beginnen kann, nimmt Harry Bartzsch noch einige kleine Keramikformen aus dem Gasschmelzofen nebenan. „Die Formen werden vorgeheizt, damit das Metall darin besser fließen kann. Das macht man immer dann, wenn, wie diesmal, die Wandstärke gerade einmal einen Millimeter beträgt. Die Formen haben eine Temperatur von 1000 Grad Celsius“, verrät er.

Nach gut zehn Minuten ist der eigentliche Gießvorgang beendet, der im Ablauf mit dem des Bronzegusses, bis auf die Temperatur, gleich ist. Die 30 interessierten Zuschauer sind erstaunt und erhalten nach dem Gießvorgang noch eine Führung durch Gießerei und Museum. Während die Gussstücke aus den Keramikformen nach vier Stunden eine akzeptable Temperatur aufweisen, muss man bei den Sandformen, die ebenfalls verwendet wurden, einen ganzen Tag warten, bis sie weiter in der Putzerei verarbeitet werden können. „Gegossen wird aller drei Wochen. Der Glockenguss wird derzeit nicht angeboten. Uns fehlen die Mitarbeiter, die die Glocke in Sachen Klang abnehmen können“, erzählt Harry Bartzsch.