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| 02:32 Uhr

Sarkastisches Ständchen für LMBV

Musikalische Protestaktion: Ein Chor der Bürgerinitiative Altdöberner See singt am Freitag auf dem Senftenberger Markt.
Musikalische Protestaktion: Ein Chor der Bürgerinitiative Altdöberner See singt am Freitag auf dem Senftenberger Markt. FOTO: Peter Aswendt/asw1
Senftenberg. Mit einer musikalischen Protestaktion hat die Bürgerinitiative Altdöberner See am Freitag für Furore in Senftenberg gesorgt. Auf dem Marktplatz gab sie anlässlich des 20. Geburtstages der LMBV ein Chorkonzert mit selbst gedichteten, sarkastischen Texten. Jan Augustin

Sogar ihre Sektgläser bringen die Altdöberner Seefreunde am Freitag mit nach Senftenberg. Anstoßen jedoch müssen sie ohne das Geburtstagskind. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hatte das Angebot eines Ständchen-Besuches bei sich im Hause dankend abgelehnt. Und so geben die etwa 20 Sänger ihr sarkastisches Ständchen eben auf dem Marktplatz. Dieter Gericke aus Leeskow, Gesangs- und Klavierlehrer, dirigiert das Geburtstagslied von Rolf Zuckowski, aber mit diesem Text: Unsere LMBV hat vieles schon vollbracht. Und der guten Werke sei heute hier gedacht. Dass ein rein Gewissen Dich dann feiern lässt. Auch noch in der Zukunft. Dafür der Protest.

Zu hören ist auch der umgedichtete Kanon "Hejo, spann den Wagen an". EHS brauner Schlamm. LMBV bedroht unseren See. Ja zum Altdöberner See, heißt es in der Altöberner Chorversion.

Viel los ist auf dem Senftenberger Markt am Freitagmorgen nicht. Die Passanten aber, die gerade über den Platz gehen, bleiben stehen und hören zu. "Ich finde das mutig, dass sie nicht aufgeben", sagt Gudrun Sickora aus Senftenberg. Es sei richtig und wichtig, dass dieses Thema in die Öffentlichkeit dränge. Der gleichen Meinung ist Gudrun Krause aus Hosena: "Ich finde es stark, dass sich Menschen einsetzen. Jetzt ist es der Altdöberner See, irgendwann ist es der Senftenberger", befürchtet sie. "Wasser ist Leben. Und wenn Wasser vergiftet wird, ist das Leben vergiftet", empört sich die Senftenbergerin Annette Dittmer.

Bis Ende des Jahres will der Bergbausanierer LMBV entscheiden, wie der in der Lausitz anfallende Ockerschlamm entsorgt werden kann. Laut LMBV-Chef Klaus Zschiedrich sollen alle Überlegungen gründlich abgewogen werden. Eine Idee ist die Einlagerung des Materials auf den Grund des Altdöberner Sees. Diese Technik könnte aber auch im Meuroer See bei Freienhufen angewandt werden. Eine Deponierung an Land bei Kostebrau in der Nähe von Lauchhammer steht ebenfalls zur Diskussion.

Dass von einer Eisenockerschicht von wenigen Zentimetern am Grund eines Tagebausees keine Gefahr ausgeht, dafür spreche die bisherige Praxis, so Zschiedrich. Ohne jeglichen öffentlichen Protest würde seit vielen Jahren Eisenhydroxidschlamm in Tagebaurestlöcher gespült. Allein der Spreetaler See habe seit 1998 über 21 Millionen Kubikmeter Schlamm aufgenommen. Auch der Sedlitzer See hat große Mengen Eisenocker geschluckt, die nun an seinem Grund liegen.

Diese Argumente sind der Altdöberner Bürgerinitiative bekannt. Den LMBV-Plan wollen sie trotzdem stoppen - mit viel Aufmerksamkeit und Humor. Auf dem Markt verteilen BI-Mitglieder blaue Smarties mit dem winzigen Schriftzug "Nein zum EHS. Ja zu See." Oder die selbst gebackenen Muffins mit blauem Zuckerguss-Kreuz drauf. Seit der Gründung der BI im März dieses Jahres säumen die blauen Protest-Holzkreuze die Straßen rings um den Altdöberner See schon.

Doch so witzig, wie die Mitglieder ihre Protestaktionen kreieren, so ernst werden sie, wenn sie über das Thema sprechen. "Wenn das passiert, ist das ein Umweltverbrechen, das wir verhindern müssen", sagt Musiklehrer Dieter Gericke. "Wir lieben unsere Region, unseren See und wir werden auch viel mehr machen, wenn wir müssen", droht Samira Mohamed aus Lubochow.

Auch der Altdöberner Michael Lachmann will verhindern, dass es zu einem Planfeststellungsverfahren kommt. In der nächsten Woche werden deshalb Vertreter der BI gemeinsam mit drei Landtagsabgeordneten nach Brüssel fahren, um eine bei der EU-Umweltkommission zu klagen, kündigt er an. Michael Lachmann glaubt, dass das Einspülen von Eisenhydroxidschlamm (EHS) in den Altdöberner See gegen das Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie verstößt.

Zum Thema:
Dieser OR-Code führt zu zwei Videos der musikalischen Protestaktion der BI Altdöberner See Im Internet: www.lr-online.de/bilder Was ein QR-Code ist und wie er funktioniert, erfahren Sie unter www.lr-online.de/qrcode