Von Torsten Richter-Zippack

Derzeit präsentiert sich die Ortrander St. Barbara-Kirche komplett eingerüstet. Im und am Gotteshaus finden seit Anfang April größere Sanierungsarbeiten statt. „Einen Schwerpunkt bildet die künftige Barrierefreiheit“, erklärt Detlef Kern, Bauverantwortlicher des örtlichen Gemeindekirchenrates. Geschaffen werden sollen unter anderem Zugänge für Menschen in Rollstühlen. Ebenso würden Hör- und Sehbehinderte von den Bauarbeiten profitieren. Beispielsweise erfolge der Einbau einer speziellen Technik, die barrierefreies Hören auf allen Plätzen im unteren Kirchenschiff, den vorderen Reihen der Seitenemporen und unter der Orgelempore ermöglicht. Darüber hinaus werde die jetzige Beleuchtung durch LED-Lampen ersetzt. Nicht zuletzt solle künftig ein Treppenlift den Zugang zur Loge im ersten Stock erleichtern.

Daneben finden zahlreiche Arbeiten zum Erhalt des historischen Kirchengebäudes statt. Saniert werden unter anderem die Fassade, der Dachstuhl, der Innenraum inklusive der Bleiverglasung sowie der Glockenstuhl. Nach Angaben des zuständigen Ingenieurbüros Berger & Fiedler aus Cottbus muss auch die Holzbalkendecke angefasst werden. Dort hat sich echter Hausschwamm, ein gefährlicher, holzzerstörender Pilz, breit gemacht. Die gesamte Baumaßnahme soll bis zum 31. Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein, kündigt Detlef Kern an.

Investiert werden gut 420 000 Euro. Rund 240 000 Euro stammen aus Fördertöpfen, weitere 60 000 Euro vom Evangelischen Konsistorium Berlin sowie 30 000 Euro vom Kirchenkreis. Knapp 92 000 Euro muss die evangelische Kirchengemeinde Ortrand als Eigenanteil aufbringen. „Diese Summe haben wir in den vergangenen 30 Jahren durch Spenden, Kirchensteuern und Kirchengelder angespart“, erklärt Detlef Kern. Dennoch können aus finanziellen Gründen derzeit nicht sämtliche Arbeiten erledigt werden. Bislang musste die Sanierung der Glocken und der Orgel zurückgestellt werden. Da erfahrungsgemäß bei solchen Projekten meistens unvorhersehbare Zusatzkosten entstehen, ist die Kirchengemeinde auf weitere finanzielle Unterstützung angewiesen.

Der Pfarrsprengel Ortrand/Großkmehlen umfasst heute rund 1100 Gläubige. Die im Jahr 1563 gegründete St. Barbara-Kirche geht auf die vorherige Barbara-Kapelle aus dem Spätmittelalter zurück. Beim Stadtbrand von 1612 brannte die Kirche ab. Sie erfuhr bis zum Jahr 1627 ihren Wiederaufbau, heißt es in der Chronik. Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts erfolgten Sanierung und Umbau nach einem erneuten Stadtbrand (1707). In diesem Zuge verschwand der Turm, und der Dachreiter entstand.

Während der 1980er-Jahre fanden Sanierungsarbeiten statt. Im Spätherbst 1984 wurde der goldene Turmknopf mit Stern aufgesetzt. Das Gotteshaus, eine spätgotische Hallenkirche, steht unter Denkmalschutz. Älter ist allerdings die Ort­rander Jakobuskirche, die bereits im 13. Jahrhundert errichtet worden war. Seit dem Jahr 1947 wird sie von den Katholiken genutzt.