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Sammeltour fürs große Ortrander Knut-Feuer

Die Jugendfeuerwehr sammelt, unterstützt von aktiven Kameraden, die Weihnachtsbäume in Ortrand ein. Saskia Schubert (11) und Tina Weber (14) sind mit Jugendfeuerwehrwart Olaf Gretschel (49/l.) in der Spur. Sie müssen hart anpacken, haben aber Spaß.
Die Jugendfeuerwehr sammelt, unterstützt von aktiven Kameraden, die Weihnachtsbäume in Ortrand ein. Saskia Schubert (11) und Tina Weber (14) sind mit Jugendfeuerwehrwart Olaf Gretschel (49/l.) in der Spur. Sie müssen hart anpacken, haben aber Spaß. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Ortrand. Zwei motorisierte Gespanne sind am Sonnabend durch Ortrand gefahren, um Futter für das Knutfest-Feuer einzusammeln. In der Kleinstadt spannt sich die Jugendfeuerwehr vor den Karren der Weihnachtsbaum-Entsorgung. Kathleen Weserund Mirko Sattler

Im Akkord hat der Ort rander Feuerwehrnachwuchs am Sonnabend ausgediente Weihnachtsbäume geschleppt. Punkt 10 Uhr sind zwei Autos mit Anhänger ins Stadtgebiet gestartet, um das Holz für das abendliche Knut-Feuer einzusammeln.

Olaf Gretschel (49), einer der vier für die Jugendfeuerwehr verantwortlichen Kameraden, hebt den Altersdurchschnitt seines Quartetts zwar beträchtlich. Jugendlicher Charme und ein gutes Händchen für den Nachwuchs zeichnen den selbst erklärten Feuerwehr-Spätzünder aber offensichtlich aus. "Ich bin zwar immer in Vereinen aktiv gewesen, habe mir aber erst mit 40 Jahren überlegt, meiner Freizeitbetätigung auch gesellschaftlich mehr Sinn zu geben", erzählt er. Diesbezüglich sind die Kinder und Heranwachsenden, die an diesem Wochenende im Einsatz sind, ihrem Betreuer also einen Schritt voraus. Und: Beim Feuerwehrnachwuchs in Ortrand ist geballte Mädelspower vorherrschend. "Zu den derzeit zwei könnten deshalb sehr gern auch noch weitere Jungen stoßen", stellt Olaf Gretschel fest. Doch die Mädchen packen beherzt zu und die stacheligen und meist noch gut erhaltenen Weihnachtsbäume auf den Anhänger. Ganze vier Stunden lang.

Generalstabsmäßig ist die Baumsammelaktion vorbereitet worden. Handzettel haben die jungen Kameraden in die Briefkästen geworfen und in Geschäften ausgelegt. Der Ertrag ist gut. Saskia Schubert (11) und Tina Weber (14) haben mit der Gretschel-Crew gut 50 Bäume eingesammelt. "Zwei bis drei Stunden dürfte unser Feuer massiv brennen können", schätzt Olaf Gretschel mit Blick auf die Ladung am Nachmittag sichtlich zufrieden ein. "Die Grundidee ist, dass die Ortrander sich treffen. Denn viele arbeiten auswärts und sind beruflich eingespannt. Da bietet sich die Aktion hervorragend an, die Leute auf einen unterhaltsamen Abend vor die Tür zu locken", sagt er. Gerade im Winter. "Sonst riskieren wir ja, hier nur noch als Schlafsilo zu fungieren", merkt Olaf Gretschel an.

Und die illustre Runde am brennenden Haufen auf dem Areal des Ortrander Feuerwehrgerätehauses zeugt davon, dass diese Befürchtung zumindest für diesen Abend überhaupt nicht zutrifft. Viele Leute, vor allem in Familie, strömen zur Wiese am Depot. Hier lodern die durch die Zimmertemperatur getrockneten Weihnachtsbäume wie Zunder. Die letzten ätherischen Öle der Nadeln sorgen für ein anheimelndes Knistern. Und die brennenden Tannen entwickelt auch große Hitze. Es ist ein gemütlicher Knut-Abend.

Das bestätigen auch Daniel Groll (43) und Isabella Müller (32) mit Juan-Luca (4), die jedes Jahr hier sind. "Und natürlich haben auch wir unseren ausgedienten Weihnachtsbaum spendiert", bestätigt Daniel Groll lachend. "Es ist schön hier an der frischen Luft beim Glühwein. Man trifft auf viele bekannte Gesichter und die halbe Kita - und wir unterstützen damit die Feuerwehr", sagt er. Seit vier Jahren sei das Tradition bei der Familie.

Maik Bethke (40) aus Ortrand bestätigt schmunzelnd, den Weihnachtsbaum extra für das Knut-Feuer abgeschmückt zu haben. "Sonst stünde er noch in der Stube", sagt er. In dem großen Haufen sei sein spektakulär schöner Baum allerdings nicht mehr zu entdecken. "Das Knut-Fest ist toll, und das spricht sich herum. Viele Eltern sind mit den Kindern hier. Diese schöne Tradition hat auch großen Unterhaltungswert, man trifft viele Leute für einen Schwatz", erklärt Maik Bethke, der seit nunmehr fünf Jahren kein Knut-Fest verpasst hat.

Auch Sven Wielk, der Vize-Vorsitzende des Feuerwehrwehrvereins Ortrand 1995, zieht eine positive Knut-Bilanz. "Das ist eine rundum gelungene Veranstaltung gewesen", stellt er fest. Der Erlös aus dem Glühweinverkauf fließt für Anschaffungen in die Vereinskasse. Wielk betont zudem, neben dem Spaß beim Fest lerne der Nachwuchs natürlich auch aktiven Brandschutz.

Zum Thema:
Der Knut-Tag ist in den nordischen Ländern der letzte Tag der Weihnachtszeit - und in Schweden, Norwegen und Finnland auf den 13. Januar datiert. Für die Christen endet die Weihnachtszeit generell am 6. Januar, am Tag der Heiligen Drei Könige. Doch Knut IV., der Heilige König von Dänemark, soll die Weihnachtszeit auf diese 20 Tage verlängert haben. Andere Quellen besagen, er sei an dem Tag verstorben und dieser deshalb nach ihm benannt. Traditionell werden zum Knut-Tag die Weihnachtsbäume abgeschmückt, die letzten Süßigkeiten des Behanges verspeist und die Bäume entsorgt. Vor allem ein schwedisches Möbelhaus hat das Knut-Fest in Deutschland bekannt gemacht. Es wird auch in der Region immer populärer. Am nächsten Wochenende wirft übrigens die Frauendorfer Feuerwehrjugend den Trecker an, um die Bäume im Dorf einzusammeln.

Am Knutfest-Feuer haben sich viele Ortrander eingefunden.
Am Knutfest-Feuer haben sich viele Ortrander eingefunden. FOTO: sam1