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Safari in Großkoschen

Großkoschen.. Steile Klippen aus grauem Stein ragen rund um die karge Ebene empor, die Temperaturen sind tropisch, dazu sengende Sonne. Nicht etwa in der Sahara. Sondern in Großkoschen. Gestern war die Basalt AG Ziel der RUNDSCHAU-Sommertour. In großen Mannschaftswagen und mit Helmen auf dem Kopf ging es mitten hinein in den Steinbruch. Von Dörthe Hückel

Die Wagen rumpeln den Weg nach unten. Quer durch den Platz, auf dem einmal der Koschenberg stand. Heute ist dort nur noch ein riesiges Loch. So groß, dass ein 1000-Meter-Läufer locker sein Pensum absolvieren könnte, ohne einmal abzubiegen. Die Mannschaftswagen bleiben dort stehen, wo Bagger gerade ihre Schaufeln in Steinhaufen graben und den Inhalt auf das Förderband prasseln lassen.

Steine in der Ukraine größer
„Sind die aber klein“ , entfährt es Günther Knuth, als er sieht, dass die großen Abbau-Haufen nur aus faustgroßen Stücken bestehen. Der Rentner aus Senftenberg hat als Kriegsgefangener in einem Steinbruch in der Ukraine gearbeitet. „Da waren die Brocken so groß, dass man davon ganze Häuser bauen konnte.“ Oberbetriebsleiter Matthias Zeipert erklärt: „Das Rohmaterial ist hier selten über 40 Zentimeter lang.“ Muss es aber auch gar nicht. Denn für die Endprodukte des Betriebes in Großkoschen, zum Beispiel Schotter und Splitt für Straßen und Gleise, seien die Maße ideal.
Der Fachmann zeigt auf einen orangefarbenen Punkt auf halber Höhe der Tagebaukante. „Das ist das Bohrgerät.“ Ein Fahrzeug mit einer langen Lanze vorne dran, die in einer diamantbesetzen Bohrkrone endet. „Damit werden kleine Löcher für den Sprengstoff in die Wand gebohrt“ , erklärt Zeipert.
Ein Thema, bei dem Hans-Georg Müller hellhörig wird. Der Großkoschener wohnt in der Nähe des Steinbruchs. „Manchmal wackeln bei uns die Gläser auf dem Tisch, wenn eine Sprengung durchgeführt wird und manchmal merken wir gar nichts. Woran liegt das?“ Matthias Zeipert: „Das hängt unter anderem mit der Höhe der Wände zusammen. Auch die Richtung der Sprengungen spielt eine Rolle.“ Einmal pro Woche wird der Hochsicherheitssprengstoff gezündet. Ausbeute: 35 000 bis 40 000 Tonnen Grauwacke. Im vergangenen Jahr sei die Fördermenge allerdings erstmals seit Jahren zurückgefahren worden, sagt Zeipert, weil die Nachfrage nach Splitt und Schotter wegen der miesen Lage in der Baubranche gesunken sei.

Vorrat für 100 Jahre
Die maximale Ausdehnung der Grube ist in einigen Jahren erreicht. Dann sieht der Rahmenbetriebsplan vor, nur noch in die Tiefe abzubauen. Da lägen noch Vorräte, die für die nächsten 100 Jahre ausreichen würden, so der 37-Jährige.
Was danach aus dem Steinbruch wird, will jemand wissen. „Alte Steinbrüche sind beliebte Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Solche Gebiete holt sich die Natur sehr schnell zurück“ , meint Zeipert und zeigt auf junge Bäume, die den steinigen Verhältnissen zum Trotz mitten in der Grube und an den Steilwänden wachsen. Bis die Natur ganz und gar übernehmen kann, ist es aber noch lange hin. „Ein Ende ist noch längst nicht abzusehen“ , davon ist Zeipert überzeugt.