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| 17:10 Uhr

Neue Landesgrenze durch Flächentausch
Sachsen bekommt jetzt den kompletten Erikasee

Dieser brandenburgische Teil des Erikasees bei Großkoschen soll künftig zu Sachsen gehören.
Dieser brandenburgische Teil des Erikasees bei Großkoschen soll künftig zu Sachsen gehören. FOTO: Richter-Zippack
Senftenberg. Im Lausitzer Seenland wird mittelfristig die Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen geändert. Davon profitieren beide Länder. Von Torsten Richter-Zippack

Das Land Brandenburg hat aktuell eine Fläche von 29 654,16 Quadratkilometern. Sachsen misst 18 449,99 Quadratkilometer. Diese Zahlen sollen sich mittelfristig ändern. Denn beide Länder wollen ihre Grenzen verschieben. Das bedeutet, dass Flächen von Brandenburg nach Sachsen wandern, ebenso in der Gegenrichtung. Besonders vom Flächenzuwachs profitieren, so erklärt Hans-Joachim Wersin-Sielaff vom Brandenburger Umweltministerium, werde aber kein Land. „Die Gesamtbilanz gleicht sich ungefähr wieder aus“, sagt der Sprecher.

Die Grenzen sollen im Lausitzer Seenland verschoben werden. Konkret gehe es zunächst um den Bereich des Erikasees und des in der Nähe befindlichen Schleichgrabens. Betroffen seien die Flurstücke der Gemarkungen Groß- und Kleinkoschen und Sedlitz der Stadt Senftenberg, ebenso Lieske (Gemeinde Neu-Seeland) auf Brandenburger Seite sowie die Gemarkungen Skado und Groß Partwitz in Sachsen.

Wer sich eine Landkarte mit der Landesgrenze in diesem Gebiet anschaut, sieht die Trennlinie im Zickzack verlaufen. Mal fließt der Schleichgraben durch Sachsen, mal durch Brandenburg. Künftig soll das von Süd nach Nord verlaufende Gewässer selbst die Grenze bilden. Darüber hinaus gibt Brandenburg den Nordwestzipfel des Erika-Sees an den Freistaat ab. Des Weiteren soll auch die Grenze im Bereich des Geierswalder und Partwitzer Sees entsprechend angepasst werden.

Von sächsischer Seite argumentiert Bianca Schulz vom Umweltministerium, dass bei Beibehaltung der aktuellen Landesgrenze die einheitliche Bewirtschaftung der Gewässer nicht möglich sei. Der Erikasee mit seinem geplanten Auslaufbauwerk gehöre künftig gänzlich zu Sachsen, der Schleichgraben hingegen zu Brandenburg. Damit sei auch die Bewirtschaftung klar geregelt.

Mit der beabsichtigten Grenzänderung in diesem Bereich gebe Sachsen 13 Hektar an Brandenburg ab, erhalte aber 101 Hektar vom nördlichen Nachbarn. „Dort hat der Freistaat einen Flächengewinn“, kommentiert Schulz.

Wird allerdings die Grenzänderung auch in den weiteren Bereichen wirksam, glichen sich die Flächenbilanzen  wieder aus, ergänzt Hans-Joachim Wersin-Sielaff.

Warum dieses ganze Prozedere durchgeführt wird, erklärt Wersin-Sielaff: „Infolge des Braunkohlentagebaus wurden die alten Gebietsgrenzen vollständig überbaggert. Sie sind somit in der Örtlichkeit nicht mehr nachvollziehbar. Die Gemeinde-, Kreis- und Landesgrenzen werden gemeinsam mit Gemeinden und Landkreisen den neuen Gegebenheiten angepasst.“

Für das Verfahren sei ein Staatsvertrag zwischen beiden Ländern unumgänglich. Alle beteiligten Behörden würden im Vorfeld angehört. Zudem gelte es, weitere Themen, beispielsweise die Frage nach Altlasten, der Verkehrsstruktur, dem Hochwasserschutz und dem Naturschutz zu klären.

So zählt der Erikasee zum sächsischen Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland. Nicht zuletzt hingen die Grenzänderungen vom entsprechenden Flurbereinigungsverfahren ab. Darauf hätte, so erklärt Bianca Schulz, auch die Bergbausanierung Einfluss. Hans-Joachim Wersin-Sielaff rechnet indes nicht vor dem Jahr 2021 mit einem entsprechenden Staatsvertrag.