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| 18:32 Uhr

Leserbrief
Niedrigpegel im See noch nie so früh erreicht

Niedriger Wasserstand am Senftenberger See – eine Aufnahme vom Uferbereich am Tag der Rutschung.
Niedriger Wasserstand am Senftenberger See – eine Aufnahme vom Uferbereich am Tag der Rutschung. FOTO: LR / Jürgen Zanzig
Senftenberg. Die Rutschung an der Insel im Senftenberger See bewegt weiterhin die Gemüter vieler Einwohner der Stadt.

Von 1985 bis 2017 war ich Einwohner von Niemtsch und habe mich als solcher seit Jahren mit der Betriebsführung der Staulamelle des Speicherbeckens Niemtsch / Senftenberger See beschäftigt. Zumeist aus der Sicht der Grundwasserführung in der Ortslage, die direkt mit der Pegelhöhe des Speicherbeckens gekoppelt ist. Bei Pegelständen über 98,50 Meter über NHN drohen einige Keller in der Ortslage zu vernässen.

Nun ist das Jahr 2018 entgegen allen Vorjahren bisher völlig anders verlaufen. Zum Saisonbeginn war der Pegel nicht bei 99 Metern, sodass die Bojen um die Insel nicht termingerecht ausgebracht werden konnten, zumal erstmalig im befahrbaren Gebiet eine Mindestfreiwassertiefe von einem Meter (bei Niedrigpegel von 98,00) zu gewährleisten war (daher die neuen Ankerleinen für die Bojen um die Insel mit wenigstens zwei Meter Länge bei Pegel 99,00 Mitte April).

Im Monatswechsel März/April musste also schnell angestaut werden, um den Pegel 99,00 zu erreichen. (...) Witterungsbedingt musste der Speicher jedoch die Mindestabflussmenge in die Elster gewährleisten – und das bei der Niederschlags- und

Temperatursituation in diesem Sommer. Am 28. August stand der Pegel schon bei 98,10 und am 14. September bei 98,00. Dieses Betriebsregime hat es bis dato noch nie gegeben: So spät das Maximum Mitte April und das Minimum schon im August, das heißt innerhalb von vier Monaten ist das Speichervolumen aufgebraucht worden. Die Insel hat dann einen Freistand in der Uferzone von einem Meter! Dass mit jedem Zentimeter gegen 98,00 Meter über NHN die Gefahr von Rutschungen im Inselbereich steigt, lag doch auf der Hand. Der Linienverkehr hätte schon Mitte August (Pegel bei 98,25 am 14. August) eingestellt werden müssen wegen der Gefährdung durch Bug- und Heckwellenschläge gegen die Uferkante der Insel.

Die letzten Tiefwasserstände waren am 11. Oktober 2003 mit 98,00 und am 9. September 2007 mit 98,10 Meter über NHN registriert. Danach wurden nie wieder Niedrigwasserpegel erreicht. Im Gegenteil, in den letzten Jahren war im Jahresverlauf der Pegel zumeist über 98,50 Meter und damit eine schwache Uferlinie ausgebildet worden (verbunden mit den zunehmenden Ängsten der Niemtscher wegen Kellervernässung).

Am Mittwoch, 12. August, war ich am Niemtscher Strandbereich gegen 7.30 Uhr meine 600 Meter schwimmen. Das Wasser war glatt und es gab keine Auffälligkeiten am Horizont. Einen Tag später am Donnerstag, wieder gegen 7.15 Uhr, bei kabbeligem Wasser und Wind aus Ost keine Auffälligkeiten am Strand, keine Anschwemmungen, nur Schaumablagerungen am Ufer. In der Bojenlinie jedoch vier Schwimmpflanzenhaufen frei treibend.

Übrigens lagen die Bojen im Auslauf und um die bewusste Abbruchkante der Insel Mitte April bei einer Freiwassertiefe jenseits vier Meter, das heißt ein starkes Gefälle in die Tiefe. Zum anderen gab es hohen Baumbewuchs bis an die Uferkante. Da bedarf es wirklich nur eines auslösenden Ereignisses und das Gebiet rutscht großräumig ab.

Es wäre wünschenswert, würde das Landesumweltamt als Eigentümer des Speicherbeckens und derjenige, der das Betriebsregime der Staulamelle tagtäglich führt, die Pegelstände des laufenden Jahres wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Dr Jürgen Zanzig
Brieske