Von Uwe Hegewald

Ein aufgeschlossenes Wesen, ein ansteckendes Lächeln, Zuverlässigkeit. Wenn es darum geht, Siegrun Sauer zu charakterisieren, sind es immer wieder dieselben Attribute, die von Weggefährten in die Waagschale gelegt werden – ob in der Familie oder im Förderverein Annahütte Lausitz, wo die Seniorin seit dem Gründungsjahr 1998 aktiv mitwirkt.

„Ich bringe mich gern ein und bin kein Typ, der voreilig die Segel streicht. Es macht mir riesigen Spaß, Veranstaltungen vorzubereiten, durchzuführen und mitzuerleben“, erklärt sie. Dreh- und Angelpunkt ist die Henriettenkirche, eine kommunale Immobilie, die vom Förderverein Annahütte Lausitz betrieben wird. „Mit größtem Tatendrang und Hingabe. Ohne den Förderverein, wäre es sicherlich nicht möglich, diese für die Gemeinde so bedeutende Kirche zu erhalten“, urteilt die Ehrenamt-Jury Oberspreewald-Lausitz. Sie bedachte den rührigen Verein im vergangenen Jahr mit einem Sonderpreis. „Die Henriettenkirche ist inzwischen nicht nur der kulturelle Mittelpunkt und ein Wahrzeichen von Annahütte, sondern ist auch über die Grenzen der Gemeinde hinaus ein bekannter Veranstaltungsort“, heißt es in der Laudatio.

Eine Ausführung, die Siegrun Sauer ohne Wenn und Aber unterschreiben würde. „Wir versuchen, die Kirche so gut es geht zu beleben“, sagt sie. Konzerte, Geselligkeiten und Vorträge zählt sie auf, wie etwa den Dia-Vortrag von Richard Löwenherz über Sibirien, der am Sonntag, 17. November, (17 Uhr) gezeigt wird. 14 Tage später folgen zum ersten Adventssonntag das traditionelle Konzert mit dem Volkschor Schipkau, Glühwein und selbst gebackenen Plätzchen und am dritten Advent das „Weihnachtstreiben“ – die Annahütter Antwort auf die vielen Weihnachtsmärkte in der Region. „Die Veranstaltung gibt es seit dem Gründungsjahr unseres Vereins und muss nicht mehr beworben werden. Sie ist wie ein großes kommunales Familientreffen, bei dem sich viele Menschen einbringen“, skizziert Siegrun Sauer.

Stellvertretend nennt sie Schule, Kindertagesstätte, Karnevalisten und andere Vereine wie den Sportverein Grün-Weiß, Unternehmen und Einzelpersonen. Viele Wochen zuvor freut sich die Annahütterin auf die Begegnungen und familiäre Atmosphäre beim Weihnachtstreiben in und vor der Henriettenkirche.

Siegrun Sauer zählt zu den klassischen Familienmenschen. Sie teilt sich mit der Familie ihrer Tochter Annette das Wohnhaus, zu dem auch Sohn André mit Anhang immer die Türen offenstehen. Zum Annahütter Weihnachtstreiben reist er aus Hohnhorst (Niedersachsen) in die frühere Lausitzer Heimat, um mit seinen Neffen Paul und Kurt auf der Tenne der Henriettenkirche zwei Eisenbahnanlagen zu installieren. „Mein verstorbener Ehemann Wilfried war leidenschaftlicher Modellbahnbauer. Es freut mich, dass mein Sohn und die beiden Enkel die Tradition zum Weihnachtstreiben fortsetzen“, erzählt sie sichtlich gerührt. Auch weil durch das Mitwirken eine Last vom veranstaltenden Förderverein genommen wird, der immer weniger Mitglieder zählt. „Viele Vereinsmitglieder müssen aus Altersgründen kürzer treten. Wir alle sind froh darüber, dass Beatrix und Antonius Kersten zu uns gestoßen sind und Antonius den Vorsitz übernommen hat“, so Siegrun Sauer, die Schriftführerin ist. Tochter Annette Wiesner, Sieglinde Roy (Kostebrau) und Werner Roeche zählt sie zum „harten Kern“ wie Irmtraud Rosenfeld, die für die Tombola verantwortlich ist, und Verpflegungsministerin Annette Rödel.

Bis zu 18 Mitglieder zählte der Förderverein Annahütte Lausitz in seinen besten Zeiten, der ständig nach Verstärkung Ausschau hält. Ein Mitwirken verspricht abwechslungsreiche Momente in lockerer Atmosphäre mit zugänglichen Vereinsmitgliedern, so der Appell der Gemeinschaft, die sich stets auf die Unterstützung von Ortsvorsteher Andreas Jurczyk und der Gemeinde Schipkau stützen kann. „Im Vorjahr ist in unserer Kulturkirche eine neue Heizung eingebaut worden, wodurch uns das schwere Kohleschleppen erspart bleibt.“

Einst im Annahütter Glaswerk als Sachbearbeiterin tätig, war sie die letzten zwölf Jahre die Frau, die an der Grundschule „Blauer Planet“ das Mittagessen servierte. Der Abschied von „ihren“ Kindern sei ihr schwer gefallen, sagt sie und zeigt auf ein Bild mit Widmung. Überreicht zur letzten Essensausgabe mit Gruppenfoto und einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe, das so schön das Wesen von Siegrun Sauer beschreibt: „Der Rettende fasst an und klügelt nicht.“