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| 01:24 Uhr

Ruine als Spielplatz

Für Horst Gärtner aus Lauchhammer-West waren die Ruinen des Schlosses einst Spielplatz. Doch auch zur Geschichte weiß er einiges zu berichten:


Das Mückenberger Schloss brannte am 25. April 1945 vollständig aus. Es diente während des Ersten Weltkrieges als Lazarett. Der Neubau wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Verwaltungsgebäude der Bubiag (Braunkohlen-Brikett-Industrie Aktiengesellschaft) genutzt. Auf dem Altbau befand sich ein Storchennest, welches auf dem Foto deutlich zu erkennen ist. Daneben kann man noch einen kleinen Teil des Neubaues sehen. Ich kenne das Schloss nur noch als Ruine. Viele Erinnerungen werden wach an die alte Ruine des abgebrannten Schlosses. Wer es angezündet hat und warum das Schloss abbrennen musste, wird wohl nie geklärt werden können.
Die Kellerräume und was sonst noch von dem Gebäude existierte, waren unser Spielplatz. Der Altbau (rechts im Bild) war ziemlich zerstört, aber der Neubau des Schlosses hätte sicher noch als Altersheim oder Kulturhaus genutzt werden können.
Auf der rechten Seite befindet sich die Schlosskirche, die 746 erbaut wurde und jetzt in neuem Glanz erstrahlt. Auf der anderen Seite stehen noch die Ruinen der Orangerie. Leider verfällt dieses Gebäude immer mehr. In der Mitte befindet sich ein Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege.
Die Anordnung der Architektur weist darauf hin, dass das Schloss und der Park eine Einheit bilden sollten: Parkeingang, Kastanienallee, Kriegerdenkmal, Schlosseingang, Springbrunnen und das Matrone-Denkmal. Dieses war bis Ende der 60er-Jahre noch in Ordnung, wurde dann aber umgebaut. Brunnen und Denkmal erhielten einen neuen Platz. Letzteres befindet sich heute noch nicht auf seinem ursprünglichen Standort. Dafür wurden eine Tanzfläche und ein Schachfeld errichtet und später wieder abgerissen.
Das Schloss hat eine lange Geschichte. Mückenberg wurde erstmals 1267 erwähnt. 1278 wurde eine Wasserburg durch die Ritter Schaff oder Schroff bekannt. Spätere Zeugnisse sind von Ritter von Waldo, Ritter von Pohlenz und den Herren von Köckritz (Raubritter) überliefert. Mit der Schleinitzer Herrschaft kam 1716 die Wende. Der Oberhofmarschall Freiherr von Löwendahl, er war mit dem Rittergut in Mückenberg belehnt, gab seiner Frau Benedicten Margarethe von Löwendahl den Anlass zum Errichten eines Hüttenwerkes. Das Schloss wurde rekonstruiert. Bei den Umbauarbeiten brannten das Schloss und ein großer Teil der Zollhausgasse ab, wurde aber wieder aufgebaut.
Nach dem Tode der Freifrau wurde Graf Karl Detlev von Einsiedel Besitzer des Schlosses. Der zweite Sohn des Grafen Detlef übernahm das Erbe seines Vaters und wurde zum Landschaftsbauer in der Gegend. Viele Brücken über die Elster wurden gebaut, Verbindungswege nach Ortrand und bis nach Dresden.
Im Juni 1957 wurden Alt- und Neubau gesprengt. Die Steine wurden von Bürgern für Bauzwecke genutzt oder später abgefahren. Es wird noch viele in meinem Alter geben, die sich an die schöne Zeit in diesem Park erinnern, an die alte Schlossruine, die Eisbahn auf dem ehemaligen Tennisplatz und an eine wunderbare Jugendzeit.
Das endgültige Ende brachte am 18. Januar der Wirbelsturm Kyrill. Er zerstörte innerhalb von wenigen Minuten den gesamten Park.

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