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| 10:57 Uhr

Zoff um Ruhlander Lehmbackofen - Abriss droht
Ruhlands Lehmbackofen-Posse

Notdürftig abgedeckt, wartet der Lehmbackofen auf bessere Zeiten. Volkmar Richter, langjähriger Stadtverordneter und engagierter Bürger, hält die Standortwahl unter der Linde und im Sichtfeld des Gutshof-Denkmals für falsch. Er hat die Kommunalaufsicht eingeschaltet, weil die Stadt übergangen wurde.
Notdürftig abgedeckt, wartet der Lehmbackofen auf bessere Zeiten. Volkmar Richter, langjähriger Stadtverordneter und engagierter Bürger, hält die Standortwahl unter der Linde und im Sichtfeld des Gutshof-Denkmals für falsch. Er hat die Kommunalaufsicht eingeschaltet, weil die Stadt übergangen wurde. FOTO: Steffen Rasche / Rasche FOTOGRAFIE
Ruhland. Bauwerk vor historischer Kulisse bleibt kalt, weil Baugenehmigung und Zustimmung des Parlaments fehlen. Im schlimmsten Fall drohen Abriss und Rückgabe der Fördergelder. Von Andrea Budich

Einen original Lehmbackofen aus dem frühen Mittelalter vor das historische Ensemble des Gutshofes zu setzen - das kann ja nicht so kompliziert sein. Oder doch? Seit einem Jahr soll der vom Verein „ „Wir für Ruhland“ auf städtischen Grund und Boden errichtete Ofen angeheizt werden. Doch dafür fehlen Baugenehmigung und die Zustimmung von Ruhlands Stadtverordneten. Jetzt beschäftigen sich die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises, die Naturschutzbehörde, das Denkmalschutzamt, die Amtsverwaltung und sogar die Kommunalaufsicht mit dem Fall. Der Lehmbackofen bleibt indes kalt und verkommt zur Posse, bevor das erste Brot gebacken ist. Im schlimmsten Fall drohen der Abriss und die Rückgabe der Fördergelder.

Die Beteiligten, das ist zunächst einmal der Verein „Wir für Ruhland“, der die Backofen-Idee vor der 700-Jahr-Feier im Vorjahr überhaupt erst zum Glühen gebracht hat. Der Verein hat die Sache angeheizt, hat nach Verbündeten und einem passenden Standort gesucht und sogar knapp 4000 Euro Fördermittel aus Lottomitteln des Landes Brandenburg zielsicher nach Ruhland gelotst. Dabei war der Lehmbackofen keine geheime Verschlusssache. Dass ein solcher Bau beabsichtigt ist, darüber hat der ehrenamtliche Bürgermeister Uwe Kminikowski (CDU), damals noch zweiter Vorsitzender des Vereins „Wir für Ruhland“, im Parlament informiert.

Das streiten die anderen Beteiligten der Backofen-Posse, zu denen ein Großteil der Ruhlander Abgeordneten und der Heimatverein gehört, auch nicht ab, verweisen aber darauf, dass es sich dabei bestenfalls um eine Absichtserklärung gehandelt habe. Eine Abstimmung hat es indes im Parlament nie gegeben. Das bestätigt Amtsdirektor Roland Adler. Diese wäre aber zwingend erforderlich gewesen, weil der Ofen auf städtischem Grund und Boden steht. „Auf einem fremden Grundstück kann nicht einfach ein Bauwerk errichtet werden“, spricht Adler Tacheles. Und Volkmar Richter, langjähriger Abgeordneter und engagierter Bürger, setzt noch einen drauf: „Auch ein ehrenamtlicher Bürgermeister kann nicht tun und lassen, was er will.“ Er schaltet daher die Kommunalaufsicht des Landkreises zu dem Fall ein und bekommt postwendend Recht. Nach deren Prüfung der Backofen-Story steht jetzt Schwarz auf Weiß fest, dass „die eigenmächtige Entscheidung des ehrenamtlichen Bürgermeisters ohne Zustimmung des zuständigen Gremiums rechtlich nicht einwandfrei“ war.

Mindestens genauso schwer wie die fehlende Zustimmung der Stadt als Eigentümerin des Grund und Bodens wiegt die gleichfalls fehlende Baugenehmigung. Für das Setzen des Ofens war eine solche zunächst gar nicht erforderlich. Sie kommt ins Spiel, als klar wurde, dass das Bauwerk zwingend überdacht werden muss. Ob es jemals eine Baugenehmigung geben wird, steht derzeit noch in den Sternen, wie der Amtsdirektor erklärt. Es gibt Gründe, die dagegen sprechen. Die Linde, unter der der Ofen steht, gehört dazu. Die naturschutzrechtlichen Bedenken müssen im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden. Hinzu kommt, dass die Überdachung das Sichtfeld auf das Denkmal des Gutshofes einschränkt. Dazu ist die Denkmalschutzbehörde noch zu beteiligen.

Gibt es am Ende kein Einvernehmen, drohen Abriss und Rückzahlung der Fördermittel. Obendrauf käme dann noch ein Rückforderungsbescheid der Stadt Ruhland an den Verein über 910 Euro. Diese waren innerhalb des städtischen Zuschusses zur 700-Jahr-Feier zweckgebunden für den Bau des Ofens zur Verfügung gestellt worden.

Um noch zu retten, was zu retten ist, wollen Ruhlands Stadtverordnete dem vor die Nase gesetzten Bauwerk nachträglich ihren Segen geben und damit die Sache rechtlich heilen. „Wir sind nicht bockig, nur weil wir vor vollendete Tatsachen gestellt wurden“, sagt Fraktionschefin Sandy Feige (UfW). Nächste Gelegenheit dazu ist bei der Stadtverordnetenversammlung im Juni. Bis dahin soll dann auch eine Nutzungsvereinbarung mit der Stadt wasserdicht sein. Wenn alles gut läuft, und davon geht Bürgermeister Uwe Kminikowski als Vorsitzender des Vereins „Wir für Ruhland“ aus, kann dann endlich im Herbst das erste Brot aus dem Lehmbackofen gezogen werden.