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| 16:17 Uhr

Ruhlands Parlament soll illegalen Bau nachträglich heilen
Ruhlands Lehmbackofen-Posse geht in die nächste Runde

Kindertag, Schuljubiläum, Sommerfest - Ruhlands Lehmbackofen bleibt kalt. Stattdessen sorgt er für eine hitzige Debatte  in der Stadt, bei der Kommunalaufsicht und  in der Baubehörde.
Kindertag, Schuljubiläum, Sommerfest - Ruhlands Lehmbackofen bleibt kalt. Stattdessen sorgt er für eine hitzige Debatte in der Stadt, bei der Kommunalaufsicht und in der Baubehörde. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Ruhland. Stadtparlament soll den illegalen Bau auf dem Gutshof-Gelände nachträglich gestatten. Gnadenfrist läuft bis zum Jahresende. Dann droht dem Verein Abriss-Verfügung. Von Andrea Budich

Die Posse um den original Lehmbackofen aus dem frühen Mittelalter vor der denkmalgeschützten Gutshof-Kulisse vermasselt Ruhlands Stadtverordneten einen geordneten Rückzug in die parlamentarische Sommerpause. Denn sie sollen in ihrer Juni-Sitzung das illegal vom Verein „Wir für Ruhland“ im Vorjahr vor die Nase gestellte Bauwerk nachträglich genehmigen.

Das sorgt für ziemlich heiße Debatten. Schließlich sind die Parlamentarier mit dem Alleingang des Vereins „Wir für Ruhland“ vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Nicht jeder Abgeordnete ist da bereit, mit seinem nachträglichen Votum die Sache aus der Welt zu schaffen und rechtlich zu heilen. Dazu gehört SPD-Frontfrau Anett Orthmann, die sich trotz ihrer langjährigen Abgeordneten-Tätigkeit nicht erinnern kann, eine solche Dreistigkeit schon einmal erlebt zu haben.

Dem vorliegenden Antrag des Vereins zur nachträglichen Genehmigung des Baus auf städtischem Grund und Boden hat sie am Dienstagabend im Hauptausschuss ihre Stimme versagt. Auch die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Sandy Feige (UfW) enthält sich.

Spannung ist also vorprogrammiert bei der Abstimmung im Parlament am 19. Juni. Aber auch wenn der Antrag des Vereins die parlamentarische Hürde überspringt und die Stadt damit dem Bau nachträglich zustimmt, ist der Lehmbackofen dennoch ein heißer Abriss-Kandidat.

Denn die Stadtverordneten haben sich zu einem Zusatz verständigt. Danach muss der Ofen abgerissen werden, wenn bis zum 31. Dezember 2018 nicht alle behördlichen Zustimmungen vorliegen. Dazu gehören die Baugenehmigung samt grünem Licht der Naturschutzbehörde und der Denkmalschutzbehörde.

Dass dies nicht so einfach sein dürfte, daraus macht Amtsdirektor Roland Adler keinen Hehl. Denn die Denkmalschutzbehörde des Landkreises hat schon signalisiert, mit der vorgeschlagenen Spitzdach-Variante als Überdachung des Ofens nicht mit zu gehen. Diese schränkt aus Sicht der Fachleute das Sichtfeld auf das Denkmal des Gutshofes zu sehr ein.

Ob der Ofen überhaupt jemals angeheizt werden kann, ob der Stempel tatsächlich nachträglich auf die Baugenehmigung kommt und ob die 4000 Euro Fördergelder nicht doch noch zurück erstattet werden müssen, steht also derzeit noch in den Sternen. Um für den Fall der Fälle dennoch gerüstet zu sein, wird derzeit in der Amtsverwaltung eine Nutzungsvereinbarung erarbeitet. Der Lehmbackofen füllt Ruhlands Sommerloch.