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| 18:12 Uhr

Stabwechsel
Ruhlander Trommlerin, Stabführerin, Dirigentin

Ruhland. Lindy Fritsch heißt die neue musikalische Leiterin des Spielmannszuges der Elsterstadt. Von Torsten Richter-Zippack

Was macht eigentlich der Stabführer eines Spielmannszuges? Er dirigiert sein Ensemble. Als Taktstock dient ein Stab. Dieser geht mal hoch, mal runter, mal nach links, dann nach rechts. „Eine echte Kunst“, befindet Lindy Fritsch. Die 38-jährige Ruhlanderin hat vor Kurzem gemeinsam mit Sarah Wolff die Funktion als Stabführerin im Ruhlander Ensemble übernommen.

„Wir treten die Nachfolge von Jörg Kalex an“, erklärt sie. Der 54-Jährige hat mit kurzen Unterbrechungen rund 20 Jahre den Takt im Spielmannszug Einheit 68 angegeben. „Irgendwann ist es Zeit, den Stab in jüngere Hände zu übergeben“, begründet Kalex seine Entscheidung. Im Vereinsvorstand ist er weiterhin aktiv. Ganz allmählich seien die beiden Frauen in ihre Leitungsfunktion hineingewachsen. „Am wichtigsten ist, die Gleichmäßigkeit des Taktes zu gewährleisten“, sagt Lindy Fritsch.

Ein Neuling ist die studierte Medienwissenschaftlerin im Spielmannszug keineswegs. Von ihren 38 Lebensjahren gehört Fritsch bereits 32 Jahre zum Klangkörper. „Meine Eltern haben Mitte der 1980er-Jahre in einem Schaukasten gelesen, dass die Ruhlander Spielleute Nachwuchs suchen. Da habe ich mich gemeldet und bin geblieben“, berichtet Lindy Fritsch aus ihren musikalischen Anfängen als angehende Trommlerin. „Während meiner ersten Unterrichtsstunde im Spielleuteheim bekam ich ein Brettchen, Stöcke sowie ein Notenheft. Das Brettchen sollte den darunter befindlichen Tisch schonen“, erklärt die junge Frau. „Das hat mir sehr gefallen. Später trommelte ich in unserem Garten.“ Beschwerden seitens der Nachbarn habe es nie gegeben.

Der erste Auftritt folgte anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Spielmannszuges im Jahr 1988 auf dem Sportplatz des Elsterstädtchens. Nur zwölf Monate später gab es die erste Medaille bei der Bezirksmeisterschaft in Lauchhammer.

Die kurz darauf folgende Wende brachte große Unsicherheit in den Ruhlander Spielmannszug. Letztlich erfolgte vor genau 25 Jahren die Neugründung. In der Zwischenzeit trainierte Lindy Fritsch in privaten Räumen weiter. Heute übt die Ruhlanderin einmal die Woche, und zwar jeden Freitag im Spielleuteheim am Busbahnhof. „Der gleichmäßige Rhythmus im Spielmannszug begeistert mich immer wieder aufs Neue“, bekennt Fritsch, die beim Deutschen Roten Kreuz in Senftenberg ihr Geld verdient. Nicht minder wichtig sei der Zusammenhalt innerhalb des Vereins. „Musik verbindet eben“, erklärt sie das Erfolgsrezept.

Auf 15 bis 20 Auftritte kommen die Ruhlander Spielleute pro Jahr. In diesem Frühsommer steht indes ein ganz besonderes Ereignis an, nämlich die 50-Jahr-Feier des Klangkörpers. Am 16. Juni werde es im Garten des Ruhlander Schützenhauses ein großes Musikfest mit befreundeten Ensembles geben. Lindy Fritsch und Sarah Wolff sind natürlich als neue Stabführerinnen dabei. Und bereits am zweiten Maiwochenende ist der Spielmannszug beim Ruhlander Schützenfest zu erleben.

Auf die Frage, ob Fritsch eher die klassischen oder die modernen Töne mag, antwortet die 38-Jährige diplomatisch, dass sie sowohl den traditionsreichen Radetzky-Marsch als auch das musikalisch anspruchsvolle Abba-Medley besonders ins Herz geschlossen habe. „Marschmusik geht immer leicht von der Hand“, kommentiert die Expertin. Und bei den neueren Stücken mache das Publikum immer so gern mit.

Ihr größter Traum zum 50. Vereinsgeburtstag? „Es wäre super, hätten wir genügend Nachwuchs, um wieder einen Kinderspielmannszug aufzubauen“, sagt die neue Stabführerin. Sie selbst habe genau in diesem ihre musikalische Karriere begonnen. Mindestens 15 bis 20 Kinder, etwa ab fünf Jahren, würden benötigt. „Wer Interesse hat, kann einfach freitags ab 17 Uhr zu uns ins Spielleuteheim kommen“, lädt Lindy Fritsch ein.

Nach Angaben von Jörg Kalex, der dem Klangkörper bereits 44 Jahre angehört, entscheiden sich die allermeisten Kinder für eine langjährige Laufbahn im Spielmannszug. „Die besten Beispiele sind wir ja selbst“, sagt Kalex und meint sich sowie seine Stabführerin. Darüber hinaus gebe es Familien, beispielsweise die Trojands, die mit drei Generationen im Ensemble vertreten sind. Bei Familie Fritsch kündigt sich indes die immerhin zweite Generation an. „Derzeit sind meine beiden Kinder noch zu klein. Aber wenn sie größer sind, nehme ich sie mit ins Spielleuteheim“, hat sich Lindy Fritsch fest vorgenommen. „Das ist doch völlig klar.“