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| 14:18 Uhr

Ruhland
Die Kinder kommen nicht zu kurz

 Pfarrer Karl Naumann hält zu Heiligabend Gottesdienste in der Ruhlander Stadtkirche sowie im Gotteshaus in Hermsdorf.
Pfarrer Karl Naumann hält zu Heiligabend Gottesdienste in der Ruhlander Stadtkirche sowie im Gotteshaus in Hermsdorf. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Erst die Gottesdienste, dann die Bescherung: Trotz seines vollen Terminkalenders zu Weihnachten will der neue Ruhlander Pfarrer Karl Naumann seinen beiden Söhnen ein wundervolles Fest bieten. Von Torsten Richter-Zippack

Das Programm kann sich sehen lassen: Zu insgesamt zehn Gottesdiensten wird am Heiligabend in die evangelische Kirchengemeinde Ruhland eingeladen. Deren Gebiet umfasst die Orte zwischen Schwarzheide-Ost im Norden und dem bereits sächsischen Zeisholz im Süden. Der Ruhlander Pfarrer Karl Naumann hält am 24. Dezember selbst zwei Gottesdienste, und zwar um 16.30 Uhr in Hermsdorf sowie anderthalb Stunden später in Ruhland. Nun ist dieser Fakt an sich nichts Besonderes, schließlich sind zu Heiligabend die Kirchen erfahrungsgemäß voller Menschen, und die Pfarrer können sich ganz gewiss nicht über Langeweile beklagen. Aber Pfarrer Naumann ist Vater von zwei kleinen Kindern. Sohn Nils ist dreieinhalb Jahre alt, Sohn Till zählt erst ein Lebensjahr. „Trotz meiner Gottesdienste zu Weihnachten werden meine Kinder keinesfalls zu kurz kommen“, kündigt Naumann mit Nachdruck an.

Wie das funktionieren soll? „Nun, am Vormittag des 24. Dezember schmückt die Familie gemeinsam den Weihnachtsbaum“, sagt der 34-jährige Familienvater und Kirchenmann. „Voraussetzung ist allerdings, dass ich bis zum 23. Dezember meine Gottesdienste entsprechend vorbereitet habe“, stellt Naumann klar. Ist der Baum vollendet, wolle die junge Familie selbst einen zeitigen Gottesdienst, der bereits am Nachmittag stattfindet, besuchen. Darüber hinaus haben sich Naumanns Schwiegereltern aus Berlin angekündigt. „Wenn ich anschließend selbst arbeite, bleiben die Kinder bei meiner Frau und Oma und Opa. Dann wird gespielt“, kündigt der Pfarrer an. Ein Geschenk der Großeltern werde voraussichtlich bereits schon dann ausgepackt, wenn der Papa noch in der Kirche die Weihnachtsbotschaft verkündet. Ist die Arbeit dann getan und Karl Naumann daheim im Ruhlander Pfarrhaus, kommen Kartoffelbrei und Zitronenbratwürste auf den Tisch. „Eine Tradition aus Schlesien“, sagt der 34-Jährige. Kein Wunder, ist der junge Mann nicht nur mit Leib und Seele Pfarrer, sondern ebenso begeisterter Koch. Und Schlesien deshalb, weil sein Elternhaus in Görlitz steht.

Nach dem Essen naht der wohl schönste Moment des Weihnachtsfestes heran. Nämlich, wenn die Kinder die bis dato gesperrte Wohnstube betreten dürfen und der leuchtende Tannenbaum für ein kaum zu beschreibendes Leuchten in den Augen der beiden Sprösslinge sorgt. „Diesen Moment empfand ich als Kind als etwas sehr Schönes“, erinnert sich Karl Naumann. Anschließend wird gegessen, dann geht es an das Auspacken der Geschenke. „Wir werden ja von Gott mit seinem Sohn beschenkt. Deshalb wäre es eigenartig, würden wir uns zu Weihnachten nichts schenken“, stellt der Pfarrer die Bescherung in den kirchlichen Kontext. Allerdings sollte das Schenken in Maßen erfolgen und immer nur zu besonderen Anlässen. „Denn sonst ist es nichts Besonderes mehr“, argumentiert Karl Naumann.

Er ist selbst ein Pfarrerskind. „Mein Bruder und ich hatten zu Heiligabend nie das Gefühl, aufgrund der Gottesdienste des Vaters zu kurz gekommen zu sein“, erinnert sich der gebürtige Görlitzer. Die Bescherung war immer relativ spät am Abend, doch wurde anschließend miteinander bis in die tiefe Nacht gespielt. Das Geheimnis: „Ein längerer Mittagsschlaf ermöglichte das längere Aufbleiben. Eine wunderschöne Zeit“, blickt Karl Naumann zurück. Genauso wolle er es mit seinen eigenen Söhnen halten.

Stichwort Kinder: Während der Heiligabend-Gottesdienste sind auch zahlreiche Familien mit ihrem Nachwuchs in den Kirchen zugegen. „Wenn die Kinder dann unruhig werden, stört mich das nicht“, bekennt Pfarrer Naumann. „Zur Not höre ich dann kurz mit dem Sprechen auf und meistens folgt die Ruhe. Und zu Weihnachten muss die Predigt ja auch nicht ganz so lang sein.“