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| 12:02 Uhr

Lausitzer Karneval
Ein Cottbus-Ausflug zum Jubiläum

 Bereits im November haben die Narren des KCR 69 das 50-jährige Bestehen des Vereins begangen. Fast 80 Karnevalisten, darunter 25 Kinder und Jugendliche, wollen auch in den kommenden Tagen und Wochen ordentlich feiern.
Bereits im November haben die Narren des KCR 69 das 50-jährige Bestehen des Vereins begangen. Fast 80 Karnevalisten, darunter 25 Kinder und Jugendliche, wollen auch in den kommenden Tagen und Wochen ordentlich feiern. FOTO: Karnevalclub Ruhland 69 e.V.
Ruhland. Seit 50 Jahren wird in Ruhland Karneval gefeiert. Doch zum ersten Mal sind die Narren aus dem Elsterstädtchen beim Zug der fröhlichen Leute dabei. Von Torsten Richter-Zippack

Das erste März-Wochenende dürfte mehr als stressig werden, befürchtet Birgit Wernicke. Da wäre zunächst die große Karnevalsgala am Monatszweiten. Nur Stunden später der Ausflug nach Cottbus. Und weitere Stunden später die traditionelle Rosenmontagsveranstaltung, zählt die Präsidentin des Karnevalclubs 69 Ruhland die Höhepunkte auf. „Manche unserer Narren haben angekündigt, gleich im Schützenhaus übernachten zu wollen“, weiß die 55-Jährige. Das Schützenhaus ist das Vereinsheim der örtlichen Karnevalisten.

Immerhin: Für den Stress gibt es einen würdigen Anlass. Denn vor nunmehr einem halben Jahrhundert schlug die Geburtsstunde des Karnevals im Oberlausitzer Elsterstädtchen. „Aus diesem Anlass haben wir uns entschieden, erstmals am Zug der fröhlichen Leute in Cottbus teilzunehmen“, erklärt Birgit Wernicke. Sie rechnet an der Spree mit rund 70 Ruhlander Narren, der Verein zählt knapp 80 Mitglieder. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: „Unseren Karnevals-Trabbi müssen wir wohl zu Hause lassen. Das Fahren mit Schrittgeschwindigkeit sowie das ständige Anhalten und Anfahren würde wahrscheinlich den kleinen 26-PS-Motor überfordern. „Mal sehen, wie es uns in Cottbus gefällt. Vielleicht sind wir auch in den kommenden Jahren mit von der Partie“, sagt Wernicke.

Die eigene große Karnevalsgala im Schützenhaus am Vorabend des Zuges der fröhlichen Leute steht indes ganz im Zeichen der Nostalgie. „Wir wollen unseren Gästen das Beste aus den vergangenen zehn Jahren präsentieren“, kündigt die Vereinsspitze an. Ein Rückblick von 50 Jahren wäre natürlich auch nicht schlecht, aber organisatorisch kaum umsetzbar. Ähnlich wie in der Session 2011/2012 werde es den Schottentanz der Männer in echten Schottenröcken geben. Darüber hinaus fehlen auch die legendären Trommel-Ballfrauen nicht, die ihr originelles Handwerk bereits vor zwei Jahren in der großen Karnevalsshow „Heut´ steppt der Adler“ zeigen durften.

Bereits seit einem halben Jahr laufen die Vorbereitungen für die 50-Jahr-Feier. Leicht war es diesmal, das passende Prinzenpaar zu finden. Den Prinz Tobias I. und Prinzessin Beatrice I. hatten bereits im Vorjahr ihr Interesse angemeldet. „Wir hoffen nun, dass die beiden, die auch im richtigen Leben ein Paar sind, als Mitglieder in unserem Verein zu gewinnen“, sagt Birgit Wernicke. Normalerweise sei es nicht unbedingt so einfach, Prinz und Prinzessin zu finden. „Wir sprechen mögliche Kandidaten an. Die sind meist schüchtern und müssen in der Regel überredet werden“, berichtet Wernicke aus ihren Erfahrungen. Sie selbst, bereits seit Anfang der 1980er-Jahre im Karneval aktiv, war allerdings noch nie Prinzessin. „Eigentlich schade“, bekennt die gebürtige Ruhlanderin. Das Karnevalsgen hat die Vereinspräsidentin indes von ihrer Mutter geerbt. „Sie nahm mich bereits als Kind mit auf den Saal zum Karneval“, erinnert sich Wernicke.

Entstanden ist das Ruhlander Narrentum indes Ende der 1960er-Jahre aus dem damaligen Klub der Werktätigen. Die Protagonisten Hans Hönncher, Christian Gärtner und Fred Möller hatten die Idee, für die Elsterstädter Karnevalsveranstaltungen auf die Beine zu stellen. „Auf die Bäume ihr Affen“ hieß das Motto der ersten Session 1969/1970. Da Ruhland früher ein Fischerdorf an der Elster war, lag es nahe, den bis heute gültigen Schlachtruf „Arche Noah“ zu etablieren. Nach der politischen Wende wurde es um den Ruhlander Karneval zunächst ruhig, ehe ab dem Jahr 1997 ein neuer Aufschwung einsetzte. Seit 2016 führt nun Birgit Wernicke den Verein. Trotz des organisatorischen Stresses bleibt der Erzieherin auch noch selbst Zeit zum Feiern. „Ansonsten würde es ja keinen Sinn machen“, begründet die 55-Jährige.

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt ihr nach den drei tollen Tagen dennoch nicht. Denn im März stehen mehrere Frauentagsfeiern auf dem Programm. Im Sommer folgen Sponsorentreffen und Vereinsausflug, anschließend geht es bereits an die Vorbereitung der neuen Session. Darüber hinaus organisieren die Karnevalisten auch den legendären Ruhlander Halloween-Umzug. „Über Langeweile kann ich mich nun wirklich nicht beklagen“, resümiert Birgit Wernicke. „Aber es macht ja auch einen Riesenspaß.“